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International EU: Jährlich 400'000 Tote durch Smog

Luftschutzfilter, Feinstaubwerte und Abgasnormen: Europa hat grosse Pläne beim Thema Luftqualität. Doch die jüngsten Zahlen klingen schockierend. An Luftverschmutzung sterben laut EU-Kommission deutlich mehr Menschen als an Verkehrsunfällen.

Kamin stösst Rauch aus
Legende: Brüssel will die Schadstoff-Grenzwerte weiter herabsetzen – obwohl schon die alten nicht beachtet werden. Colourbox

Die EU-Kommission schlägt wegen der Luftverschmutzung in Europa Alarm. «Luftverschmutzung ist die umweltbedingte Haupt-Todesursache in der EU. Sie ist für zehn Mal mehr vorzeitige Todesfälle verantwortlich als Strassenverkehrsunfälle», schreibt die Brüsseler Behörde.

Allein im Jahr 2010 starben demnach mehr als 400'000 Menschen an schmutziger Luft, verglichen mit 35'000 Toten auf der Strasse. «Selbst wenn bestehende Gesetzgebung voll umgesetzt wird, wird die EU unter sehr erheblichen Folgen für Gesundheit und Umwelt leiden», heisst es. Wie einzelne Länder dastehen, wertet die Kommission in dem Entwurf nicht aus.

Forderungen an Industrie und Landwirtschaft

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik will am Mittwoch eine langfristige Verschärfung von Schadstoff-Grenzwerten vorschlagen. Der FDP-Europaabgeordnete Holger Krahmer hält dies für einen Fehler: «Die EU-Kommission verschärft Gesetze, bevor die bestehenden umgesetzt sind. Gerade bei der Verbesserung der Luftqualität sollte das Prinzip «Umsetzung vor Verschärfung» gelten», meint er.

Potocnik will zwar auf die gründliche Umsetzung bestehender Vorgaben für die Luftqualität pochen. Laut Entwurf will er aber auch weitere Ziele für Verbesserungen bei Gesundheit und Umwelt für die Jahre 2025 und 2030 setzen. Damit dies gelingt, sollen die EU-Staaten sich Ziele für die Reduzierung bestimmter Schadstoffe setzen. Anstrengungen hält der EU-Umweltkommissar nicht nur in der Industrie für nötig. Auch Landwirte könnten den Schadstoff Ammoniak reduzieren, der in der Tierhaltung oder beim Düngen entsteht.

Problem: Neuere Dieselmotoren

Ein ungelöstes Problem sind nach Ansicht der EU-Kommission auch Stickstoffdioxide, die von leichten Dieselfahrzeugen in die Luft gepustet werden. Die Stoffe entstehen bei Verbrennungsvorgängen, unter anderem in Motoren. Während der Ausstoss anderer Stoffe gesunken sei, sei die Stickstoffdioxid-Bilanz neuerer Dieselmotoren schlechter geworden.

Die EU-Kommission will hier zwar keine strengeren Vorgaben vorschlagen, mahnt aber Nachrüstungen an. Krahmer warnt: «Aufwendige Technik ist teuer und wartungsaufwendiger. Das muss in der Luftqualitätspolitik stärker als bisher berücksichtigt werden. Ansonsten sinkt die Akzeptanz besonders ambitionierter Luftqualitätspolitik.»

Folgen für die Gesundheit

Luftverschmutzung ist mitunter Ursache für Krankheit und Todesfälle. Die grösste Gefahr geht von übermässigen Belastungen mit Feinstaub und Ozon aus. Speziell gefährdet sind laut Bafu Leute, die in der Nähe von stark befahrenen Strassen wohnen.

Die Auswirkungen von Smog betreffen sowohl Atemwege und Lunge, als auch das Herz-Kreislaufsystem.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bundey
    Und wen dürfen wir dafür belangen? Die Einwanderungs-, Asyl- oder Bildungspolitiker, die Wirtschaft, Autohersteller, PFZ- und Städteverdichtungsbefürworter, die Grünen, die fern jeglichen gesunden Menschenverstandes ihrem Kernthema nicht gerecht werden, den Menschen und seinen vermeintlichen Wohlstand unsrer Natur und Umwelt voranstellen? Glaubt einer im Ernst, diese 80-100'000, die da jährlich unsre Bevölkerungsdichte anheben, leben allein von Liebe?
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    1. Antwort von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
      Selbst dieses Thema auf die Einwanderung in der CH umzumünzen, bedarf entweder einer erfrischenden Kreativität, oder des zwanghaften Tunnelblicks eines Themenfanatikers, dessen Denken offensichtlich nur noch in sehr engen Bahnen um Einwanderung, PFZ und Asylwesen kreist. Ist aber hier im Forum nicht der einzige – warten wir auf den Kommentar aus Stans.
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    2. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      @G.Leinemann:Es entspricht nun mal den Fakten,dass es zu viele der Spezies Homo Stupidus gibt,zu Lasten Flora u. Fauna.Und zwar weltweit Diese Entwicklung mit einer PFZ noch zu fördern,ist,wie wenn Täter für ihre Verbrechen gegen die Umwelt vom Staat belohnt werden,im Auftrag der Wirtschaft und ihren Firmenbossen.Warten wir ab,bis sie CH zubetoniert ist, oder denken wir um?Oder wollen Sie bis zum Untergang noch weitere Millionen ins Land lassen?Aus Menschenliebe 10Mio,15,wie viele denn noch?
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  • Kommentar von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
    Noch nie habe ich etwas in diesem Zusammenhang über den Abrieb der Autoreifen gehört. Ich weiss nicht, ob das Zeug auch als Staub durch die Luft fliegt, vermutlich aber schon. In dem Gummi sind doch jede Menge giftige Chemikalien drin, abbauen wird sich das auch nicht so einfach und vor allem stelle man sich mal die ungeheuren Mengen vor, die Weltweit von allen Autos jährlich produziert werden – ein totgeschwiegenes Problem, weil man nicht weiss, was machen?
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    1. Antwort von R. Gfeller, Bern
      Dann haben sie wohl auch noch nie von den Kläranlagen gehört, die derzeit entlang der Autobahnen gebaut werden? Ich denke, die Gummiteile sind zu schwer um zu schweben. Der Flugrost der Bahn dürfte da wesentlich schlimmer sein. Man kann auch Probleme herbeireden! Sie trinken mit ihrem Leitungswasser täglich Uran, ganz natürlich. Gift ist immer nur eine Frage der Menge. Als alle noch mit Holz heizten, da war die Luft wirklich schlecht. Heute werden wir 80, sicher nicht wegen der schlechten Luft.
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  • Kommentar von R.käser, Zürich
    In den vergangenen Tagen war über Zürich bis zum Seedamm eine markante und tief braune Smogglocke zu sehen. Wir sollten uns Gedanken machen, wie sinnvoll es ist die Wohnung im Winter auf über 20 Grad zu erwärmen und wie sinnvoll es ist, wenn PKW's mehr als 100PS haben müssen. Wann lernen wir das nachhaltige Handeln höher zu Gewichten als einer pseudo EGO Befriedigung nach zu gehen? Wann ist unser Intellekt reif, dass wir uns nicht über Energievergeudung definieren?
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