EU-Kriminalität: 20'000 Polizisten setzen 1000 Kriminelle fest

In der grössten jemals gestarteten Aktion gegen das organisierte Verbrechen in Europa sind mehr als tausend mutmassliche Verbrecher festgenommen worden. Mindestens 30 Kinder konnten aus den Händen von Kinderhändlern gerettet werden. Auch die Schweiz hat sich an der Mammut-Aktion beteiligt.

Englischer Polizist von hinten vor einer Tafel mit Dutzenden Fahndungsfotos. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 1000 mutmassliche Verbrecher aus allen Bereichen der organisierten Kriminalität. Keystone / symbolbild

Zusatzinhalt überspringen

Was ist Europol?

Europol dient dem Informationsaustausch nationaler Polizeiämter mit anderen EU-Staaten. Europol hat keine exekutiven Befugnisse, um etwa Verdächtige festzunehmen. Vielmehr speichert und analysiert die Agentur Daten aus den Mitgliedsländern, damit gegenseitige Bezüge der Verfahren erkannt werden können.

Polizeikräfte aus 34 Ländern sind an der konzertierten Aktion gegen das organisierte Verbrechen in Europa beteiligt. In über 300 Einzelaktionen zwischen dem 15. und 23. September haben mehr als 20'000 Polizisten in ganz Europa über 1000 Menschen festgenommen.

30 versklavte Kinder befreit

«Während wir hier reden, gehen die Verhaftungen weiter», sagte Europol-Direktor Rob Wainwright anlässlich einer Pressekonferenz in Den Haag. «Wir wollten uns diesmal auf die Gesamtheit ihrer Infrastruktur konzentrieren und nicht nur auf Einzelfälle.» Das scheint gelungen zu sein.

30 rumänische Kinder seien aus den Händen von Menschenhändlern befreit worden, teilte Wainwright mit. Rund 600 Kilogramm Kokain und 200 Kilogramm Heroin seien beschlagnahmt worden.

Fedpol kontrolliert 400 Verdächtige

Die Aktion richtete sich den Angaben zufolge gegen verschiedene Bereiche der organisierten Kriminalität. Die Verhafteten sollen in Menschenhandel, Drogen- und Waffenhandel, Betrug und Geldwäsche verstrickt sein. Laut Europol war dies die grösste gemeinsame Polizei-Operation in Europa, die jemals stattgefunden hat.

Schlag gegen organisierte Kriminalität

0:49 min, aus Tagesschau vom 24.9.2014

In der Schweiz fanden mehrere Kontrollen mit Schwerpunkt auf den Menschenhandel aus Rumänien statt. Polizeieinsätze fanden zwischen dem 14. und 19. September in den Kantonen Tessin, Zürich, Schwyz, Waadt, Neuenburg, Genf, Bern und St. Gallen statt, wie das Bundesamt für Polizei mitteilte.
Insgesamt rund 400 Personen und 60 Orten mit Bezug zum Rotlichtmilieu seien kontrolliert, mit mehreren potentiellen Opfern von Menschenhandel seien Gespräche geführt worden. Zur Zahl der Verhaftungen im Rahmen der Aktion wollte das fedpol, das die Aktion koordinierte, jedoch keine Angaben machen.

Vier Vertreter von Strafverfolgungsbehörden und Nichtregierungsorganisationen aus Rumänien begleiteten die Kontrollen in der Schweiz. Insgesamt wurden rund 400 Personen und 60 Örtlichkeiten mit Bezug zum Rotlichtmilieu kontrolliert. Es konnte mit mehreren potentiellen Opfern von Menschenhandel Kontakt aufgenommen und Gespräche geführt werden. Weitere Abklärungen diesbezüglich dauern an.