Europäische Islamisten in Syrien – Fronten werden immer unklarer

Die Diplomatie greift weiter mit Worten in den Bürgerkrieg in Syrien ein. Tausende europäische Muslime machen sich dagegen nicht nur Gedanken, sondern werden aktiv. Es gibt mehr als zwei Fronten.

Kämpferin der Freien Syrischen Armee in Syrien. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kämpfer und Kämpferinnen kommen auch aus dem Westen. Keystone

In Syrien bekämpfen sich die Oppositionstruppen nun auch gegenseitig. An der Grenze zur Türkei sind vergangene Woche Kämpfe zwischen Dschihadisten und Rebellen der Freien Syrischen Armee ausgebrochen. Die Lage sei äusserst angespannt. Begonnen haben die Kämpfe, als Dschihadisten versuchten, ausländische Ärzte aus einem Krankenhaus zu verschleppen.

Die syrische Opposition ist alarmiert ob der Abspaltung mehrerer islamistischer Brigaden. «Wir wollen diese Gruppen nicht bekämpfen, sondern sie integrieren», so ein Sprecher. 13 Brigaden hatten am Mittwoch erklärt, die Allianz habe keine Legitimität. Sie spreche nicht in ihrem Namen und dürfe deshalb auch keine Verhandlungen mit dem Regime führen. Zu den Brigaden, die der Opposition die Gefolgschaft verweigern, gehört auch die radikale Al-Nusra-Front.

Religiös oder nationalistisch

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IZRS mit «Fatwa»

Im Juni meldete sich auch der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) zu Wort. «Gemeinsam mit 500 Gelehrten» habe man eine «Fatwa» zur Unterstützung der syrischen Rebellen erlassen. Darin wurde «die Unterstützung der Opposition durch Waffen, Finanzen, Manpower und Medizin zur Pflicht aller Muslime der islamischen Weltgemeinschaft» erklärt.

Die Frontverläufe in Syrien sind unübersichtlich. Das beschreibt auch der Journalist Kurt Pelda. Der Schweizer ist einer der wenigen, der seit Jahren regelmässig aus dem Land berichtet. «Einige Rebellen kämpfen aus purem religiösem Interesse. Da geht es ‹Auge um Auge›. Dazu kommen Syrer, die im Exil leben. Das sind die, welche nationalistische Gründe haben», so Pelda gegenüber SRF News Online.

Niederlande, Frankreich, Deutschland, England

Die Islamisten kommen aus mehreren Staaten in Westeuropa. Alleine im Mai dokumentierte der niederländische Inlandgeheimdienst über 100 Dschihadisten mit niederländischem Pass, welche sich auf den Weg in den Kampf machten. In keinem anderen Land Westeuropas entscheiden sich so viele Männer und Frauen für den Kampf. Die Geheimdienstbehörden in Den Haag gingen einen Monat später davon aus, dass bereits alle 100 tot seien.

Franzosen kämpfen den Jihad

3:36 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.09.2013

Auch Frankreich schlägt Alarm. Über 100 Franzosen sind laut Behörden nach Syrien gereist, um zu kämpfen. «Die Franzosen sind mittlerweile ein Schlüsselfaktor im syrischen Bürgerkrieg.» Das sei ein Problem der nationalen Sicherheit – für Frankreich, so ein namentlich nicht genannter Diplomat. Mehr dazu lesen Sie hier.

(widb)

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Assad "nicht besorgt"

    Aus Tagesschau vom 23.9.2013

    Im Syrien-Konflikt streben die USA, Grossbritannien und Frankreich eine UNO-Resolution an, in der Assad mit einer Militärintervention gedroht wird, sollte er seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Syriens Staatschef selbst hat sich jetzt im chinesischen Staatsfernsehen dazu geäussert. Bezüglich der UNO-Resolution zeigte er sich "nicht besorgt".