Am Ende war es der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der genug hatte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hingegen versuchte bis zuletzt, das Grossvorhaben zu retten. Zumal es sich bei FCAS, also dem «Luftkampfsystem der Zukunft», nicht bloss um ein militärisch-industrielles Projekt handelte. Vielmehr um ein Symbol für einen sicherheitspolitischen Aufbruch in ein neues Zeitalter europäischer Rüstungskooperation. FCAS war grösser, ambitionierter und mit mehr als hundert Milliarden Euro auch teurer als alles, was europäische Länder je zuvor gemeinsam im Militärbereich beschlossen haben.
Das Ende zeichnete sich seit Langem ab
Die Differenzen waren zu gross, zu vielfältig und erwiesen sich als unüberwindbar. Es fing schon an bei der Frage, welcher Kampfjet zirka 2040 den französischen Rafale und den deutschen Eurofighter ablösen soll.
Frankreich braucht ein Flugzeug, das atomwaffentauglich ist und von Flugzeugträgern aus eingesetzt werden kann. Deutschland braucht beides nicht.
Dazu kamen Fragen, ob der französische Dassault-Konzern die technologische Führerschaft haben soll oder der deutsche Zweig von Airbus. Es ging um geistiges Eigentum und um die Aufteilung von Aufträgen und damit um Arbeitsplätze. Das Ganze wurde überlagert durch persönliche Rivalitäten, ja Feindseligkeiten. Vor allem Dassault-Chef Eric Trappier trat provokativ selbstbewusst auf, was die Deutschen zunehmend brüskierte.
Kurz: Am Ende war's nur noch ein Murks. Den gemeinsamen deutsch-französischen Kampfjet wird es nun für lange Zeit nicht geben. Deutschland wird deshalb wohl noch mehr amerikanische F35 kaufen, was man eigentlich vermeiden wollte.
Europa tut sich schwer – einmal mehr
FCAS bestand nicht nur aus einem Kampfjet, sondern bildete ein umfassendes Luftverteidigungssystem mit bewaffneten und unbewaffneten Drohnen und eine Datenvernetzung, welche die verschiedenen Elemente zusammenbinden sollte. Letztere Elemente sollen jetzt weiterentwickelt werden.
Deshalb sollen auch die bereits investierten mehreren Hundert Millionen Euro nicht verloren sein. Allerdings ist nicht ganz klar, ob es hier primär um Gesichtswahrung geht und darum, nicht zugeben zu müssen, dass FCAS ganz gestorben ist. Oder ob wesentliche Teile tatsächlich weiterverfolgt werden.
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Offenkundig ist jedoch: Das Scheitern zeigt einmal mehr, wie schwer sich Europa in der Rüstungskooperation tut. Und zugleich damit, militärisch auf eigenen Füssen zu stehen. Dabei wäre genau das so dringend wie nie zuvor. Denn – Trump hin oder her – so stark wie bisher werden sich die Europäer nie mehr auf die USA verlassen können. Obschon das inzwischen niemand mehr ernsthaft bestreitet, bleiben die Widerstände gross und die nationalen Egoismen ausgeprägt.
Es bleibt eine Vision
Zwar gibt es mittlerweile erfolgreiche länderübergreifende Rüstungsprojekte, etwa bei Flugabwehrsystemen wie Samp/T oder Iris-T. Verbesserungen sind zu verzeichnen, aber bei Weitem nicht genug. Beim neuen deutsch-französischen Panzer etwa rumpelt es gewaltig. Ob nicht auch dieses Vorhaben stirbt, wagt niemand zu sagen.
Europa denkt bis heute aussenpolitisch, sicherheitspolitisch und rüstungspolitisch national und nicht europäisch – mag die Notwendigkeit noch so beschworen werden, das zu tun. Die Vision einer europäischen Souveränität ist genau das: eine Vision.