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International «Exzessive Gewalt»: Äthiopiens Militär am Pranger

Die Protestwelle in Äthiopien fordert immer mehr Opfer. Jetzt übt Amnesty International heftige Kritik an den Sicherheitskräften des Landes. Mindestens 100 Regierungskritiker seien in den letzten Tagen getötet worden.

Demonstranten mit Transparenten
Legende: Seit Tagen protestieren Bürger Äthiopiens auch gegen soziale Ungleichheit im Land. Reuters

Am Rande von Demonstrationen gegen die Regierung in Äthiopien sind nach Angaben von Amnesty International etwa 100 Menschen ums Leben gekommen.

30 Tote an einem Tag

Sicherheitskräfte hätten in der Oromia-Region nahe der Hauptstadt Addis Abeba sowie in der nördlichen Amhara-Region mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen, berichtet die Menschenrechtsorganisation. Hunderte weitere Demonstranten seien bei den Protesten am Wochenende zudem verletzt worden, hiess es weiter.

Tausende Demonstranten hatten den Angaben zufolge politische Reformen sowie Unabhängigkeit für die Justiz gefordert. Allein in der Stadt Bahir Dar im Norden des Landes seien an einem Tag mindestens 30 Menschen getötet worden.

«Systematische exzessive Gewalt»

«Die äthiopischen Sicherheitskräfte haben systematische exzessive Gewalt angewendet», sagte eine Amnesty-Mitarbeiterin. Sie sprach von Verbrechen, die Verantwortlichen müssten bestraft werden. Sie verlangte zudem die Freilassung von politischen Häftlingen.

Die Menschen in Oromia protestieren bereits seit Ende 2015 gegen eine Ausweitung der Hauptstadt Addis Abeba, bei der Teile Oromias eingemeindet würden. Kritiker befürchten, das Vorhaben würde zu einer Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung in der Region führen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden bei den brutal niedergeschlagenen Protesten bis Juni mindestens 400 Menschen getötet.

Menschen verstecken sich

Bei den Protesten vom Wochenende im Ort Bahir Dar im Nordwesten des Landes ging es in erster Linie um dessen Zugehörigkeit. Gegen eine solche zur Region Tigray rebelliert die Volksgruppe der Amharas.

Am Montag kam es dort zu erneuten Demonstrationen. Eine Gruppe Jugendlicher sei durch die Strassen gezogen und habe die Freilassung politischer Häftlinge gefordert, sagte ein Augenzeuge. «Die Polizei trieb die Menge auseinander. Es fielen Schüsse.» Die Strassen in Bahir Dar seien leer, Geschäfte geschlossen, und Menschen versteckten sich in ihren Häusern.

Demonstrationen ohne Genehmigung

«Wir sind uns bewusst, dass viele der Demonstrationen ohne Genehmigung stattgefunden haben», hiess es von der US-Botschaft in der Hauptstadt Addis Abeba. Sie wies jedoch auf das Recht der Bürger auf friedliche Versammlungen und Meinungsfreiheit hin.

Äthiopien liegt am so genannten Horn von Afrika im Nordosten des Kontinents und gilt als einer der ärmsten Staaten der Welt. In dem Land leben etwa 100 Million Menschen. Demonstrationen werden regelmässig von der autoritären Regierung unterdrückt.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Achso? Hatte doch Frau BR Sommaruga im Oktober 2015 bei ihrer Reise in Äthiopien das Land als "Ancker der Stabilität" genannt. Äthiopien stellt gegenwärtig den wichtigsten Handelspartner der Schweiz in Ostafrika dar. Solchen Massenaufstände, Erschiessungen, usw. gibt es in Eritrea nicht.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Nächstes grösseres Problem. Der Seenotrettungsdienst muss durch mehr NATO Schiffe erhöht werden. Wollt Ihr die auch alle nach Italien und Griechenland bringen? Wann macht es endlich mal Klick und es wird eine Seeblockade eingerichtet, die die Boote an der Ausfahrt hindert? Ich weiss, es ist eine Utopie und es lohnt sich auch nicht mehr, darüber zu diskutieren.
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