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Die Vertreibung des IS Fatima und die Schlacht um Mossul

Als Elitesoldat einer irakischen Spezialeinheit steht Ahmad an der Front in West-Mossul. Der Häuserkampf gegen die IS ist äusserst brutal und verlustreich. Ahmad freut sich auf das Töten der IS-Terroristen. Er tue es für die Zukunft seiner Tochter Fatima, sagt er.

Legende: Video Die Schlacht um Mossul abspielen. Laufzeit 07:36 Minuten.
Aus Rundschau vom 05.04.2017.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befindet sich auf dem Rückzug. Irakische Truppen haben mit Hilfe der Peschmerga und schiitischer Milizen den Osten der Stadt Mossul zu Beginn dieses Jahres eingenommen.

Auf der anderen Seite des Tigris, in West-Mossul, ist die Situation aber prekär. Die dicht gebaute Altstadt mit ihren schmalen Gassen erschwert einen Vorstoss. Die engen Häuserzeilen sind gespickt mit Sprengfallen und Scharfschützen lauern hinter jedem Haus.

Glück haben im Krieg

Offizier Ahmad schaut auf seine Uhr.
Legende: Permanente Anspannung beim Häuserkampf in West-Mossul. SRF

Einer, der mit aller Entschlossenheit gegen den IS kämpft, ist Ahmad. Als Kommissar der irakischen Armee überwacht er die militärischen Operationen. Jana Andert, Journalistin aus Tschechien, folgt für die «Rundschau» Ahmad beim Vorstoss im Westen Mossuls.

Immer wieder peitschen Schüsse und schlagen Mörsergranaten ein. Die irakischen Truppen erkämpfen weniger als 50 Meter Gelände pro Tag. Sobald die Soldaten ihre Deckung verlassen, rennen sie um ihr Leben. Ein Hauseingang bietet etwas Schutz. «Wir haben heute Glück, viel Glück» sagt Ahmad: «Ich frage nicht, was mit jenen passiert, die das Glück nicht auf ihrer Seite haben.»

Der Nahkampf mit dem IS

Nur wenige Momente später: eine Explosion. Chaos bricht aus, alle rennen kopflos herum. Eine Rauchsäule steigt auf.

Ahmad begibt sich zum Ort des Angriffs. Er verschafft sich einen Überblick und hilft verletzten Kameraden. Kurze Zeit später kehrt er aufgelöst zurück: «Ein Selbstmordanschlag. Sie haben uns mit einer Autobombe erwischt.»

Trotzdem ist Ahmad froh, dass er gegen den IS kämpfen kann. Er versteht seinen Einsatz als Dienst an seinem Land. «Ich will kämpfen, und ich will auch, dass es nicht zu einfach ist, diese Terroristen zu töten.» Ahmad sucht ganz bewusst die direkte Konfrontation, den Nahkampf im Krieg gegen den IS.

Fatima und der Krieg

Smartphone mit einem Foto.
Legende: Ahmad zeigt auf seinem Smartphone das Bild seiner Tochter Fatima. SRF

Nur abseits der Front und der direkten Konfrontation gibt es kurze Momente des Vergessens. Die Soldaten spielen Fussball und machen Witze. Ahmad liegt auf dem Feldbett – aus seinem Smartphone erklingt Musik.

«Das ist der Unterschied zwischen dem IS und uns. Wir kämpfen für die Menschlichkeit. Wir kämpfen für den Frieden. Nicht, um zu zerstören. Natürlich hören wir Musik. Wir versuchen, Liebe zu finden.»

Ahmad ist Vater einer 7-jährigen Tochter. «Ich liebe Fatima. Sie ist der einzige Grund, wieso ich hier kämpfe. Sie ist der Grund, dass ich atme. Sie ist das Schönste, was ich in meinem Leben erreicht habe.»

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Vor der Invasion in der Normandie hätte man sagen können, die USA hätten zusammen mit den übrigen Allierten den Krieg verhindern sollen. Die USA haben den Irakkrieg völkerrechtswidrig begonnen mit Manipulation durch den CIA, der Chemiewaffen fest gestellt haben wollte. Jetzt gilt es den IS, der nun Mal Realität ist, zu besiegen. Bin ich froh, dass es Leute wie Ahmad gibt. Gut, dass er noch Gefühle zeigen kann, gut, dass sie sich nahe stehen und sich umeinander kümmern, wie mit Wasser. Thx guys!
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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Alle die gegen die USA und den Irakkrieg wettern sollten sich überlegen wie viele Iraker heute unter dem brutalen diktatorischen Regime von Sadam Hussein leiden würden. Die USA übten nach dem gewonnen Krieg unter dem unfähigen Verwalter Bremer eine völlig verfehlte Politik aus in dem sie z.B. alle Berufsmilitärs von Sadam entliessen. Viele dieser Offiziere u. Soldaten sind heute die militärische Führung des IS.
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    1. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Man muss sich aber auch überlegen, wie viele Iraker heute noch leben könnten, Herr Schaltegger. Und auch, wie viele gesunde irakische Babys heute zur Welt kommen könnten, ohne die verheerende Uranmunition, die die USA bei ihrem Überall auf einen souveränen Staat eingesetzt haben. Der Irakkrieg wurde mit einer Lüge begonnen und setzte den ganzen Nahen und Mittleren Osten in Brand - dank der durchs Band weg verfehlten Aussenpolitik der USA.
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  • Kommentar von Milan Darem (Mannausorient)
    Dort kämpfen auch iranische Milizen auch, die als brutal gelten. Dann freut man sich, sie zu töten, um deren Brutalität loszuwerden. Es geht einfach so weiter. Ich glaube nicht dass IS der Grund des Dramas sondern war nur die Folge von USA durchgeführten Irak Invasion (gegen Saddam, der Atomwaffen hätte haben sollen, so genannter präventiv Krieg). Das alles eine Tragödie, auch so ein "Rambo" Bericht bei SRF.
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    1. Antwort von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
      Herr Darem, Sie umschreiben auch einen religiösen Aspekt der Auseinandersetzung; ich gebe Ihnen in Bezug auf den Irak recht. Die Irak-Invasion war völkerrechtswidrig und auf Lügen aufgebaut, was zu Millionen Opfern führte und den iranischen Einfluss erheblich gestärkt hat. In Aleppo war eine sunnitische Mehrheit regierungstreu, in Mosul nach Saddam niemals. Eine interessante Reportage über sunnitische "Rebellen" und ihren Widerstand: Iraq Body Count; Besieged: Living and Dying in Fallujah.
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