Feuer in Textilfabrik: Über 100 Tote in Bangladesch

109 Tote und über 200 Verletzte – dies ist die traurige Bilanz nach dem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch. Die Arbeiter, meist junge Frauen, waren über Stunden in den Flammen eingeschlossen.

Das Feuer war am Samstag im Erdgeschoss ausgebrochen. Die Flammen breiteten sich schnell auf die anderen Stockwerke aus und schlossen die Näherinnen und anderen Arbeiter im Gebäude ein. Als das Feuer ausbrach, nähten rund 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen in der Fabrik.

Am Morgen sprachen die Behörden von 121 Toten, später am Tag zählte die Feuerwehr 109 Leichen. Weitere 200 Menschen seien mit Verbrennungen in Krankenhäuser eingeliefert worden.

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Kleider «Made in Bangladesh»

Eine junge Frau arbeitet in einer Textilfabrik in Bangladesch. (reuters)

Frauen über 30 werden in den Fabriken kaum beschäftigt, da sie die 13- bis 16-Stunden-Schichten nicht schaffen. reuters

79 Prozent der Exporte in Bangladesch sind Textilien. «Made in Bangladesh» steht auch auf vielen Kleidungsstücken, die es in der Schweiz zu kaufen gibt.

Viele Firmen produzieren in Bangladesch, weil die Lohnkosten sehr tief sind. Die Arbeits- und Sozialstandards werden von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) immer wieder kritisiert.

Einige Arbeiterinnen sprangen aber auch in Panik aus Fenstern, weil die Fluchtwege in dem neunstöckigen Gebäude versperrt waren. Auch dabei gab es Tote und Verletzte. Nach rund vier Stunden brachte die Feuerwehr die Flammen unter Kontrolle.

Angehörige schritten am Morgen die Reihen mit Leichensäcken vor der ausgebrannten Fabrik ab, um die Toten zu identifizieren. Sie hielten sich Tücher vor Mund und Nase, so durchdringend war der Geruch verbrannten Fleisches.

Behörden künden Untersuchung an

Die Brandursache im Werk des Textilunternehmens Tazreen Fashion war zunächst unklar. In der Fabrik am Rande der Hauptstadt Dhaka nähten vor allem junge Frauen verschiedene Bekleidung für ausländische Textilfirmen.

Ein Sprecher der betroffenen Fabrik Tazreen Fashion Limited erklärte, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt und nur wenige hätten diese Notausgänge benutzt.

Die zuständigen Behörden kündigten an, die Sicherheitsbestimmungen in der ausgebrannten Fabrik zu untersuchen.

Kaum Sicherheitsvorkehrungen in Fabriken

Die Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken des Landes sind oftmals mangelhaft: Elektrokabel hängen häufig frei im Raum, Feuerlöscher fehlen, Notausgänge sind verschlossen und Fluchtwege versperrt. In den vergangenen sieben Jahren starben bei Bränden und Einstürzen insgesamt 145 Menschen.

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Brandkatastrophe in Bangladesch

0:56 min, aus Tagesschau vom 25.11.2012