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International Fifa-Fiasko: Image-Schaden für Standort Zürich?

Die Fifa ist im Visier der Justiz: Funktionäre werden verhaftet, die Bundesanwaltschaft stellt Dokumente am Hauptsitz sicher. Und die Welt schaut zu. Sponsoren dürfte das abschrecken, meint der Sozial- und Wirtschaftspsychologe Christian Fichter.

Jemand hält eine Visa-Kreditkarte vor dem Gebäude der Fifa in Zürich in die Höhe.
Legende: Visa, einer der Hauptsponsoren, will «sein Engagement überdenken». Keystone

«Alles Schönreden hilft da nichts», sagt der Zürcher Forscher Christian Fichter. Denn was im Laufe der letzten Jahrzehnte an schlechten News über die Fifa an die Öffentlichkeit gelangt sei, sei langsam so viel, dass das Image des Verbands einen grösseren Schaden davontrage – insbesondere was Korruption und Bestechung angehe.

Für Sponsoren werde dies zur Hypothek, meint Fichter. Denn «keine Marke, kein Unternehmen kann ein Interesse daran haben, im gleichen Atemzug genannt zu werden wie eine Organisation, die mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert ist».

Hinzu komme, dass nicht nur kommerzielle Firmen nichts mit Bestechungsskandalen zu tun haben wollten. «Sondern auch Standorte wie beispielsweise jener, an dem die Fifa ihren Hauptsitz hat, nämlich Zürich», so Fichter.

Weltweit würde das Image entstehen, dass in Zürich und ganz allgemein in der Schweiz diejenigen sitzen, die Betrug und Korruption tolerieren, warnt der Psychologe. «Und das kann nicht im Interesse eines Standorts sein.»

Besorgnis bei grossen Sponsoren

Angesichts des jüngsten Skandals drohen wichtige Geldgeber bereits mit einem Ausstieg. Ohne einen Wandel werde es «sein Engagement überdenken», teilte das Kreditkarten-Unternehmen Visa mit und drückte damit seine «tiefe Enttäuschung und grosse Sorge» aus. Seine Besorgnis äusserte wiederholt auch Coca-Cola. «Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der Fifa», schrieb der Getränke-Riese laut der Nachrichtenagentur AFP.

Auch die amerikanische Fastfood-Kette McDonald's nimmt die Vorgänge, die den Weltfussballverband am Mittwoch erschüttert haben, «sehr ernst». Adidas betonte, sein Engagement fortsetzen zu wollen. Der deutsche Sportartikelhersteller hielt die Fifa aber dazu an, konsequent «Standards für Transparenz» einzuführen. Und der US-Konkurrent Nike teilte mit, die Ermittlungen der US-Behörden unterstützen zu wollen.

SRF-Börsenkorrespondent Jens Korte in New York rechnet derzeit jedoch nicht mit Kündigungen. An der Wall Street gehe man grundsätzlich davon aus, dass «solange Fussball global so populär bleibt und vor allem auch eine Milliarden Dollar schwere Geldmaschine ist, solange dürften die Sponsoren auch am Ball bleiben».

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt sich ganz ungeniert. Oder korrupte, die Korrupten gängeln. Hört auf zu jammern. Die Schweiz ist keinen Dreck schlechter als der globale Rest. Das Problem liegt darin, dass wir uns selber und der Welt lange ein Meister-Proper-Image vorgaukelten, welchem wir nie entsprachen. Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken und wer hoch steigt, kann auch tief fallen. Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist und vielleicht ein Anstoss, es künftig besser zu machen ;-)
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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Image-Schaden für Zürich? Ja, hoffentlich! Nur so wird vielleicht endlich der fragwürdigen Steuerpraxis ein Riegel geschoben, wonach Sportvereine, selbst wenn sie Milliarden umsetzen, nur die Hälfte versteuern müssen. Das ist stossend, und eine Diskussion kommt bei unwilligen Politikern nur in Gang, wenn ein Schaden droht!
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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Auch Negativ Werbung ist Werbung. Als Greenpeace vor 20 Jahren mal einen Messfehler machte - stiegen die Mitgliederzahlen schneller als jemals vorher. Kein Grund zur Besorgnis - für die Stadt sowieso nicht. Auch das Baur a Lac wird eher profitieren - weil sie es sehr diskret über die Bühne gebracht haben.
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    1. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      @peter müller, erinnert mich an den Kommafehler bei der Bestimmung von Fe (Eisen) Gehalt im Spinat. Eine ganze Elterngeneration stopfte ihre Kinder mit dem gehassten Mus voll. Popeye the Sailor (1933) lässt grüssen :-D
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