Flug MS804: Noch keine Wrackteile gefunden

Die Fluggesellschaft Egypt Air gab zunächst bekannt, nahe der griechischen Insel Karpathos seien Teile der abgestürzten Maschine entdeckt worden. Kurz darauf korrigierte sie ihre Angaben wieder.

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Was passierte mit Flug MS804

4:41 min, aus Tagesschau vom 19.5.2016

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein in Paris gestarteter Airbus 320 der Egypt Air mit 66 Personen an Bord ist am frühen Morgen über dem Mittelmeer abgestürzt.
  • Am Abend teilte die Fluggesellschaft Egypt Air zunächst mit, erste Wrackteile der vermissten Maschine seien gefunden worden, unter anderem Rettungswesten und Plastikteile. Später am Abend korrigierte die Fluggesellschaft diese Angaben wieder.
  • Ägypten geht von einem Terroranschlag aus. Die Umstände wiesen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags wesentlich höher sei als ein technischer Fehler, so der ägyptische Luftfahrtminister.
  • Die französische und die ägyptische Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen aufgenommen.

Nach dem Absturz einer Egypt-Air-Maschine mit 66 Insassen an Bord sind bisher keine Wrackteile gefunden worden. Das teilte der TV-Sender CNN am Donnerstag unter Berufung auf den Vizepräsidenten von Egyptair mit. Damit korrigierte die Fluggesellschaft ihre früheren Angaben, wonach Wrackteile, unter anderem Rettungswesten und Plastikteile nahe der griechischen Insel Karpathos gefunden worden seien.

Auch Griechenland, das bei der Suche nach dem vermissten Airbus A320 geholfen hat, dementierte die Angaben von Egypt Air über gefundene Wrackteile von MS804. Auch jene über den angeblichen Fundort. Das abgesuchte Gebiet habe nicht nahe der Insel Karpathos, sondern rund 200 Seemeilen (370 Kilometer) südlich gelegen, heisst es in Athen.

Die Angehörigen der Passagiere und Crewmitglieder seien informiert worden. Die Airline drücke ihr Beileid gegenüber den Betroffenen aus. Zusammen mit den griechischen Behörden würden die ägyptischen Suchmannschaften die Suche nach Teilen des Flugzeuges fortsetzen.

Die ägyptische Regierung hält einen Anschlag für die wahrscheinlichste Ursache. Er wolle nicht spekulieren, doch sei bei einer genauen Analyse des Vorfalls die Wahrscheinlichkeit eines «Terrorangriffs» höher als die eines technischen Versagens, sagte Luftfahrtminister Scherif Fathiam in Kairo.

Der französische Präsident François Hollande sagte, «keine Hypothese» werde ausgeschlossen. Hollande und sein ägyptischer Amtskollege Abdel Fattah al-Sisi vereinbarten eine «enge Zusammenarbeit» bei der Aufklärung.

Attentat als Absturzgrund?

Als Flug MS804 am frühen Morgen vom Radar verschwand, hielt sich die Maschine nach Angaben der griechischen Behörde für Zivilluftfahrt bereits im ägyptischen Luftraum auf. Kurz vor dem Absturz vollzog der Airbus vom Typ A320 nach Angaben der griechischen Regierung in kurzer Folge zwei heftige Drehungen.

Experten vermuten einen plötzlichen Zwischenfall an Bord. «Ein technisches Problem wie ein Brand oder eine Motorenpanne führt normalerweise nicht sofort zu einem Unfall», sagte der Luftfahrtexperte Jean-Paul Troadec.

«Pilot setzte keinen Notruf ab»

1:32 min, vom 19.5.2016

In solchen Fällen hätte die Besatzung Zeit gehabt, zu reagieren und Alarm zu schlagen. Weil das nicht geschah, könne auch «an ein Attentat gedacht» werden. Sowohl in Frankreich als auch in Ägypten verübte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im vergangenen Jahr schwere Anschläge.

Keine Schweizer unter Passagieren

An Bord waren ausser der Besatzung und Sicherheitsoffizieren 30 ägyptische Passagiere, 15 Franzosen sowie unter anderem Bürger aus Grossbritannien, Kanada und dem Irak. Gemäss Passagierliste befanden sich ein Kleinkind und zwei Säuglinge an Bord. Schweizer zählten nicht zu den Passagieren.

Angehörige von Passagieren und Besatzungsmitglieder wurden am Flughafen von Kairo in einen abgeschirmten Bereich geführt. Sie berichteten, dass es aber auch für sie keine näheren Informationen gegeben habe: «Wir wissen nichts, sie wissen nichts. Niemand weiss irgendetwas», sagte ein Mann.

Egypt Air ist die staatliche Fluggesellschaft Ägyptens. Sie ist seit 2008 Teil des internationalen Luftfahrtbündnis Star Alliance, zu dem auch die Swiss gehört.

Die Gesellschaft betreibt eine Flotte aus rund 80 Maschinen und fliegt vor allem mit modernen Flugzeugen der grossen Hersteller Boeing und Airbus. Das Durchschnittsalter der Flieger lag laut Egyptair zuletzt bei rund 10 Jahren.

Chronologie der Ereignisse

  • 22:45 Uhr (Mittwoch): Ursprünglich geplante Abflugzeit am Flughafen Paris Charles de Gaulle
  • 23:21 Uhr (Mittwoch): Tatsächliche Abflugzeit laut dem Flughafen Charles de Gaulle und den Daten von Flightradar24
  • 1:55 Uhr (Donnerstag): Kontaktaufnahme durch griechische Fluglotsen mit Flug MS804
  • 2:29 Uhr (Donnerstag): Ausbleibende Abmeldung bei griechischen Behörden beim Verlassen des Luftraums, keine Rückantwort auf Anfragen und Verschwinden des Airbus' vom Radar
  • 2:30 Uhr (Donnerstag): Offizielle Zeit laut Egypt Air als Maschine vom Radar verschwindet
  • 2:37 Uhr (Donnerstag): Griechischen Fluglotsen stellen nach Rücksprache mit der militärischen Luftüberwachung den Status der Maschine auf «unsicher»
  • 2:41 Uhr (Donnerstag): Änderung des Status durch griechische Behörden auf «in Gefahr»
  • 3:05 Uhr (Donnerstag): Erwartete Ankunftszeit in Kairo laut französischem Verteidigungsministerium und Flightradar24

Unglücksfälle in der ägyptischen Luftfahrt

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Flugzeugabsturz - war es Terror?

    Aus 10vor10 vom 19.5.2016

    Ausgerechnet Paris, ausgerechnet Egypt Air und ausgerechnet Kairo als Ziel. Natürlich steht da die Frage im Raum, ob wir es mit einem Terror-Akt zu tun haben. Und auch wenn es bisher keine Klarheit dazu gibt, erste Indizien und Aussagen weisen in diese Richtung. Flugsicherheitsexperte Tim van Beveren analysiert die Lage.

  • FOKUS: Flugzeug-Drama der Egypt Air

    Aus 10vor10 vom 19.5.2016

    Es war kurz nach fünf Uhr früh, als die Nachricht um die Welt ging: Eine Maschine der Egypt Air, unterwegs von Paris nach Kairo, wird vermisst. Im Laufe des Tages wurde Vieles klarer. «10vor10» fasst die Ereignisse des Tages nochmals zusammen. SRF-Korrespondent Michael Gerber in Paris analysiert die Lage in Frankreich.