Zum Inhalt springen

International Frankreich will TTIP-Verhandlungen stoppen

Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen der EU und den USA steht auf immer wackligeren Beinen. Nachdem der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Verhandlungen für gescheitert erklärt hat, will Frankreich diese nun beenden.

Demonstranten bilden mit Ballons die Aussage "Stop TTIP".
Legende: Auch in der Bevölkerung umstritten: In Hannover wurde im April gegen das TTIP-Abkommen demonstriert. Reuters

Nach Berlin erachtet auch Paris die TTIP-Verhandlungen als gescheitert. Frankreich wird die EU-Kommission im September zum Stopp der Verhandlungen mit den USA über das Freihandelsabkommen TTIP auffordern.

Matthias Fekl.
Legende: Der französische Aussenhandelsstaatssekretär Matthias Fekl. Keystone

«Es gibt keine politische Unterstützung in Frankreich mehr für diese Verhandlungen», sagte der für das Abkommen zuständige französische Aussenhandelsstaatssekretär Matthias Fekl dem Radiosender RMC. «Frankreich fordert den Stopp dieser Verhandlungen.»

In Frankreich wachsen seit Monaten die Zweifel daran, dass der Vertrag zustande kommt. Präsident François Hollande hatte im Mai mit der Ablehnung des Abkommens gedroht. Sein Land werde «niemals akzeptieren, dass die Grundprinzipien für unsere Landwirtschaft, unsere Kultur, für die Gegenseitigkeit beim Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen in Frage gestellt werden», hatte der Präsident gesagt.

Europa schlägt viel vor und bekommt im Gegenzug kaum etwas.
Autor: Matthias FeklAussenhandelsstaatssekretär, Frankreich

Fekl erklärte damals bereits, ein Stopp der Gespräche scheine «die wahrscheinlichste Option» zu sein. Grund sei «die derzeitige Einstellung der USA». «Europa schlägt viel vor und bekommt im Gegenzug kaum etwas», sagte er zur Begründung.

Gabriel will sich US-Forderungen nicht unterwerfen

Erst am Sonntag hatte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die TTIP-Verhandlungen als «de facto gescheitert» bezeichnet, «weil wir uns den amerikanischen Forderungen natürlich als Europäer nicht unterwerfen dürfen». Er verwies auf die harte Verhandlungslinie der USA. «Da bewegt sich nichts», sagte Gabriel.

Der Minister handelte sich damit scharfe Kritik von Wirtschaftsverbänden sowie vom Koalitionspartner Union ein. Die US-Regierung reagierte irritiert.
Der Sprecher des US-Handelsbeauftragten Michael Froman sagte «Spiegel Online», die Verhandlungen machten «in Wahrheit ständig Fortschritte». Es liege in der Natur von Handelsgesprächen, dass nichts vereinbart sei, bis alles vereinbart sei.

Brüssel will Verhandlungen fortsetzen

In Brüssel will man von einem Abbruch der Verhandlungen nichts wissen. Die EU-Kommission, welche die Verhandlungen im Auftrag der EU-Staaten führt, will an den Handelsgesprächen mit den USA festhalten. «Wenn man verhandelt, dann verhandelt man, um zu einem Ergebnis zu kommen», erklärte ein Sprecher der Kommisson.

Der Sprecher erinnerte daran, dass die EU-Staaten einstimmig ihr Mandat für die Verhandlungen erteilt hätten. «Wir müssen diesen Prozess abschliessen und dann können die Mitgliedstaaten und die EU-Institutionen ihn bewerten.» Bereits am Montag hatte die EU-Kommission erklärt, dass sie das Handelsabkommen bis Ende Jahr unter Dach und Fach bringen wolle.

12 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Bei den ganzen TTIP-Verhandlungen lief viel zu viel im geheimen ab. Nur die Punkte, die für die europäische bzw. US-Bevölkerung positiv erschienen, wurde von offiziellen Medien immer wieder angepriesen. Doch viele Vereinbarungen, die sich bei einer Unterzeichnung der öffentlichen Justiz entzogen hätten wurden erst nach und nach bekannt. Und auch nur teilweise. Ein gesundes Misstrauen ist deshalb mehr als angebracht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Eine gute Meldung aus Frankreich für Europa! Vive la France! Mit dem TTIP-Abkommen will die US-Agrarlobby endlich genmanipuliertes Saatgut in Europa etablieren. Damit lässt sich durch die Patentierung des Saatgutes in den USA richtig viel Geld machen - zum Nachteil der Gesundheit von Mensch und Tier. GVO greift in das Verdauungssystem ein., Ss ARD-Doku "Gefahr Genfood 1-3 - Langzeitstudien zeigen schlimme Folgen".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kim Hansson (Freddy Tobler)
    Es ist wunderbar das TTIP keine Chance hat, leider vergessen viele das im Schatten dieses Abkommens CETA bereits umgesetzt wurde. Was dies bedeutet erfahren sie nicht aus den Medien. Informieren sie sich im Internet bevor die Quellen gesperrt werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Gegen CETA haben gestern rekordmässig 125'000 Leute beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine Verfassungsklage eingereicht. Man darf gespannt sein, was daraus wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen