Frankreichs Front National ist auf dem Vormarsch

Nationalismus, Patriotismus, Populismus. Das wird vom rechten Front National zelebriert. Genau das scheint in Frankreich so zu ziehen wie noch nie. Eine Umfrage zeigt: 24 % der Befragten würden in Frankreich momentan die rechtspopulistische Partei wählen.

Video «Front National auf dem Vormarsch» abspielen

Front National auf dem Vormarsch

1:55 min, aus Tagesschau vom 11.10.2013

In Frankreich könnte der ausländerfeindliche Front National einer Umfrage zufolge bei der Europawahl im Mai stärkste Partei werden.

Die von Marine Le Pen angeführte rechtspopulistische Partei käme nach einer vom Magazin «Nouvel Observateur» veröffentlichten Erhebung des Instituts Ifop auf rund 24 Prozent. Die Mitte-Rechts-Partei UMP erreicht demnach 22 Prozent.

Die regierenden Sozialisten von Präsident Francois Hollande landen laut Umfrage mit 19 Prozent auf Platz Drei.

Marsch des Front National Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Haben Grund zu lachen: Parteichefin Marine Le Pen (rechts) und ihr Vorgänger und Vater, Jean-Marie Le Pen (Mitte). Keystone

«Die Rezepte der Sozialisten gegen die Krise griffen zu wenig», sagt Politologe Jérôme Fourquet vom Umfrageinstitut Ifop. Ausserdem setze François Hollande die Wirtschafts- und Steuerpolitik von Nicolas Sarkozy fort.

«Der Front National gewinnt dadurch an Vertrauen – ist er doch beispielsweise für eine radikale Abkehr von der globalisierten Wirtschaft», so Fourquet weiter. «Nun sagt fast einer von vier Franzosen, er werde bei den Europawahlen im nächsten Frühling für Marine LePen stimmen – das hat es noch nie gegeben.» Die Krise habe die französische Gesellschaft radikalisiert.

Regierung unpopulär, UMP gespalten

Der Front National war lange Zeit ein Sammelbecken für Protestwähler. Inzwischen kann Le Pen aber mit ihrer scharfen Haltung gegenüber Kriminalität und Roma immer mehr unzufriedene Anhänger der Sozialisten und der UMP für sich gewinnen.

Sie profitiert von der geringen Popularität der Regierung und der tiefen Spaltung der UMP. «François Hollande gibt zurzeit Durchhalteparolen aus», sagt Michael Gerber, Korrespondent SRF: «Jetzt gelte es selbstbewusst hinzustehen und das Erreichte hervorzustreichen, zum Beispiel, dass die Wirtschaft wieder wachse, so Hollande – eine wenig überzeugende Botschaft,» sagt Gerber, betrage das Wirtschaftswachstum doch gerade mal ein Zehntel-Prozent.

Für die Erhebung befragte Ifop vom 1. bis 4. Oktober 1893 Wahlberechtigte.