Zum Inhalt springen
Inhalt

International Frankreichs Gewerkschaften dürfen nun doch demonstrieren

Auch wenn Frankreichs Sicherheitsapparat wegen der EM auf dem Zahnfleisch läuft: Eine geplante Demonstration gegen die Arbeitsmarktreform darf trotzdem stattfinden. Präsident François Hollande hatte zuvor ein Verbot angekündigt, da der «Schutz von Gütern und Menschen» nicht mehr gewährleistet sei.

Zwei französische Polizeibeamten von hinten.
Legende: Es geht auch um Frankreichs Polizei: Sie ist wegen der EM ohnehin bis an ihre Grenzen belastet. Reuters

Trotz Sorgen vor neuen Ausschreitungen haben die Pariser Behörden eine neue Demonstration gegen die Arbeitsmarktreform für Donnerstag genehmigt.

Nachdem die Polizei am Mittwoch zunächst ein Verbot angekündigt hatte, erhielten die Gewerkschaften bei einem Gespräch mit Innenminister Bernard Cazeneuve doch noch die Zusage, am Donnerstag in Paris auf die Strasse gehen zu dürfen. Nach eigenen Angaben akzeptierten sie im Gegenzug eine kürzere Marschroute. Gewerkschafter sprachen von einem «Sieg für die Demokratie».

Bis anhin 1800 Festnahmen und 550 verletzte Beamte

Dem Kompromiss war ein tagelanger Streit vorausgegangen, der auch die angespannte Lage der französischen Sicherheitskräfte verdeutlicht. Nach heftigen Ausschreitungen beim letzten Protesttag hatte die Pariser Polizei Bedenken gegen die geplante Demonstration angemeldet. Sie verwies dabei auch auf die hohe Belastung der Sicherheitskräfte durch den Schutz der Fussball-Europameisterschaft und die terroristische Bedrohung.

Seit Monaten wehren sich mehrere Gewerkschaften gegen die geplante Lockerung des Arbeitsrechts. Am Rande kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei, die Behörden zählten rund 1800 Festnahmen und 550 verletzte Beamte.

Andere Route

Nach der letzten Grossdemonstration in Paris am 14. Juni hatten Behördenvertreter Aktionen von etwa 1000 Randalierern beklagt und Gewerkschaftern vorgeworfen, sich nicht ausreichend distanziert zu haben. Diese kritisierten im Gegenzug, die Regierung tue nicht genug gegen die Störer und wolle so nur vom Anliegen der Proteste ablenken.

Die Behörden hatten den Gewerkschaften in der französischen Hauptstadt statt des Demonstrationszugs von der Bastille zum Platz der Nation eine Kundgebung an einem Ort vorgeschlagen, die aus ihrer Sicht leichter zu sichern ist. Dies wiesen die Gewerkschaften aber zurück.

Nun dürfen sie von der Bastille aus um das nahegelegene Hafenbecken Bassin de l'Arsenal laufen – eine Strecke von etwa einem Kilometer. Auch in zahlreichen anderen französischen Städten sind Kundgebungen geplant.

Hollande drohte bereits letzte Woche

Am Rande von Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform war es in den vergangenen Monaten in Paris und anderen französischen Städten immer wieder zu schweren Krawallen gekommen. Vermummte Randalierer bewarfen Polizisten mit Steinen und Flaschen und schlugen Schaufenster ein.

Nach erneuter Gewalt drohte Staatschef François Hollande vergangene Woche mit Demonstrationsverboten, sollte der «Schutz von Gütern und Menschen» nicht gewährleistet sein.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Die französische Regierung ist voll in der Hand der "Anarchisten". Es wird Zeit, dass auch hier eine Partei endlich für Ordnung sieht. Das wird aber nur mit grosser Disziplin und Durchhaltewille geschehen können und vor allem mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Die "ausländische Bevölkerung" ist zum Teil sehr aggressiv und die "echten" Franzosen sehr sensibel. Die bisherigen "Präsidenten" haben es nicht geschafft. Meist sind es selber langweilige Personen. Es braucht einen echten Franzosen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Graf (U.Graf)
    letztendlich keine gute Entwicklung und ein absehbarer Schritt. Stückweise Abbau der Demokratie, wenn im Randaliererfall auch ein Stück weit verständlich. Trotzdem: ein weiterer Schritt in Richtung Diktatur. Es wird immer sichtbarer..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Wenn Hollande Mut hätte, würde er kurz über den Kanal schauen, wo eine gewisse Margaret Thatcher die Sache ganz anders durchgestanden, Wählerstimmen gewonnen und den schädlichen Einfluss der Gewerkschaften nachhaltig geschwächt hat. Die Arbeitsmarktreform ist ja dringend notwendig, ansonsten Frankreich zum kriminellen Armenhaus verkommt. Deutschland ist nur deswegen eine Wirtschaftsmacht, weil Schröder damals seine Reformen gegen die Genossen durchgesetzt hat. Hollande kommt 15 Jahre zu spät.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen