Franzosen bauen U-Boote aus «australischem Stahl»

Paris freut sich. Der französische DCNS-Konzern wird zwölf U-Boote für die australische Marine bauen. Gebaut wird «Down Under». Mit den U-Booten soll die bröckelnde Stahlindustrie angekurbelt und den Chinesen eins ausgewischt werden.

Ein U-Boot der Firma DCNS mit dem oberen Teil über der Meeresoberfläche. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein U-Boot von DCNS. Der Konzern darf sich nun freuen. Für Australien soll er zwölf U-Boote bauen. Keystone

Australien rüstet massiv auf. Dazu gehört auch der Ausbau der U-Boot-Flotte. Für die Herstellung von zwölf Unterseebooten ist der Auftrag an den staatlichen französischen Schiffbaukonzern DCNS gegangen. Den Entscheid teilte Premierminister Malcolm Turnbull in Adelaide mit.

Freude in Paris

Paris reagiert begeistert auf die Neuigkeiten aus «Down Under». Frankreichs Premierminister Manuel Valls sprach von einem «wunderbaren Erfolg». Er sei «stolz auf unsere Ingenieure, Techniker und Arbeiter», schrieb er auf Twitter. Der Élyséepalast nannte die Wahl des französischen Anbieters DCNS für den Bau der zwölf U-Boote in einer Mitteilung «historisch»: «Frankreich ist dankbar für das Vertrauen, das Australien ihm beweist».

Deutsche und Japaner gehen leer aus

Der über mehrere Jahrzehnte gestreckte Auftrag hat ein Volumen von rund 38 Milliarden Franken. Der U-Boot-Auftrag gilt als grösste militärische Anschaffung der Landesgeschichte. Um den Auftrag hatten sich auch die deutsche Firma ThyssenKrupp und ein japanisches Konsortium mit Mitsubishi Heavy Industries und Kawasaki Heavy Industries beworben.

Doch mit Frankreichs Angebot konnten sie offenbar nicht mithalten. Die Franzosen hätten ein U-Boot angeboten, das den spezifischen Bedürfnissen der Australier entspricht, sagt Australien-Korrespondent Urs Wälterlin. Sicherlich hätten auch die Kosten eine Rolle gespielt. «Aber solche Militärgeschäfte sind ja geheim.»

Wichtigster Punkt: Heimproduktion

Der wichtigste Punkt für den Zuschlag an Frankreich sieht Wälterlin aber in dem Argument, dass die Boote nicht in Frankreich, sondern in einer australischen Werft mit australischen Arbeitern und australischem Stahl gebaut werden sollen. Geplant ist, damit 3000 Arbeitsplätze zu schaffen. Und die seien dringend nötig. «Die Automobilindustrie in Südaustralien ist in den letzten Zügen. Australische Autos sind gegenüber den Chinesen nicht mehr konkurrenzfähig», weiss Wälterlin.

«  Die Hoffnung ist gross, dass die U-Boote nun aus australischem und nicht aus chinesischem Stahl gebaut werden.  »

Urs Wälterlin
Australien Korrespondent

Auch überfluteten die Chinesen den Markt mit billigem Stahl. Eine Stahlmühle nach der anderen gehe in Australien ein. Früher sei das Land ein wichtiger Stahlproduzent gewesen. «Die Hoffnung ist gross, dass die U-Boote nun aus australischem und nicht aus chinesischem Stahl gebaut werden», sagt Wälterlin.

Turnball hofft auf mehr Popularität

Neben dem wirtschaftlichen gebe es aber auch ein politisches Argument, sagt Wälterlin. Premier Turnball habe viele Wähler enttäuscht und in letzten Umfragen an Zustimmung verloren. Dieser Auftrag solle ihm zu mehr Popularität verhelfen. «Ob das reicht, dass er sich im Amt halten kann, muss sich erst noch zeigen».

Bereits sein Vorgänger Tony Abbott wollte seine australische U-Boot-Flotte von zurzeit sechs Schiffen ersetzen und auf zwölf ausbauen. Damit wollte er der chinesischen Expansion im südchinesischen Meer Einhalt gebieten. «Er glaubte, dass ein Verteidigungsdreieck mit Australien, Japan und den USA Peking in Schach halten müsse», sagt Wälterlin. Der Turnball denke wahrscheinlich nicht viel anders.