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International «Für eine grundlegende Lösung sehe ich schwarz»

Noch immer treiben vor den Küsten von Indonesien, Malaysia und Thailand zahlreiche Flüchtlingsboote. Nun treffen sich die Aussenminister der südostasiatischen Länder zur Krisenkonferenz. SRF-Ostasien-Korrespondent Urs Morf warnt jedoch vor allzu hohen Erwartungen.

Ein Flüchtlingsboot im offenen Meer.
Legende: Zahlreiche völlig überfüllte Flüchtlingsboote treiben noch immer vor den Küsten Südostasiens. Keystone

SRF News: Heute treffen sich die Aussenminister von Indonesien, Thailand und Malaysia, um über die Flüchtlingskrise zu beraten. Bedeutet dies, dass sich die drei Länder dem internationalen Druck beugen?

Urs Morf: Ja, ganz offensichtlich. Ursprünglich war erst Ende nächster Woche eine grosse Konferenz in Thailand geplant. Jetzt kommt quasi spontan ein Treffen der drei Aussenminister zustande. Dies zeigt, dass die Dringlichkeit endlich erkannt wurde.

Man wird den Eindruck nicht los, dass sich Malaysia, Indonesien und Thailand schlicht weigern, Flüchtlinge aufzunehmen.

Kategorisch stimmt dieser Eindruck nicht. In Indonesien, das ein ziemlich armes Land ist, nimmt gerade die lokale Bevölkerung weiterhin Flüchtlinge auf. In Malaysia und Thailand präsentiert sich die Situation jedoch etwas anders. Die beiden Länder haben schon sehr grosse Zahlen an burmesischen Flüchtlingen in ihrem Land. Diese waren einst willkommene billige Arbeitskräfte. Nun ist der Wirtschafts-Boom vorbei, und die Flüchtlinge sind deshalb weniger gerne gesehen. Und ausgerechnet jetzt hat sich auch noch die Krise mit den Rohingyas als neuen Bootsflüchtlingen zugespitzt.

Wie Sie sagen, sind die meisten Flüchtlinge Rohingyas. Sie gehören damit zur muslimischen Minderheit in Burma, die dort auch verfolgt wird. Malaysia, Thailand und Indonesien wollen Druck auf Burma machen. Bringt das etwas?

Da bin ich skeptisch. 2012 hat es schwere Ausschreitungen gegeben gegen die Rohingyas. Und seither leben dort mindestens 140'000 Rohingyas in eigentlichen Konzentrationslagern hinter Stacheldraht. Die Stimmung unter den Buddhisten ist äusserst aufgeheizt gegen die Muslime. Ich glaube nicht, dass sich da die Lage grundlegend verändern wird in nächster Zeit.

Inwiefern kann sich denn die Lage für die Flüchtlinge nach der heutigen Konferenz verbessern?

Für die Flüchtlinge, die sich jetzt auf See befinden, wird vermutlich eine Lösung gefunden werden in nächster Zeit. Aber für eine grundlegende Lösung des Rohingya-Problems sehe ich kurzfristig wirklich schwarz.

Das Gespräch führte Barbara Peter

Ende der Blockade

Rund 7000 Menschen, die seit Wochen auf dem Meer driften, dürfen in Malaysia und Indonesien nun doch an Land, aber nur wenn sie es mit ihren Booten allein an die Küste schaffen. Sie sollen vorübergehend Unterschlupf erhalten – vorausgesetzt, die internationale Gemeinschaft sorgt innerhalb eines Jahres dafür, dass sie anderswo angesiedelt werden.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Stadler, Dussnang
    Ohne Heimat: In Myanmar gelten sie als "illegale Einwanderer" aus Bangladesch, doch auch dort haben die Rohingya mit vielen Diskriminierungen zu kämpfen. Etwa wenn sie versuchen, die Staatsangehörigkeit zu bekommen. Daher sehen viele in der Flucht ihre einzige Chance. Ziel sind andere muslimische Regionen Südostasiens – vor allem Indonesien oder Malaysia. Aber kein Staat will sie vorläufig aufnehmen. Die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi sollte sich für diese Menschen einsetzen.
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  • Kommentar von Paul Sigrist, Stalden
    Bootsflüchtlinge Es wird täglich von Bootsflüchtlingen berichtet. Die armen Menschen tun mir leid. Die Politiker reden darüber, reden darüber, reden darüber usw. Kommt denn kein Politiker auf die Idee den Schleppern an den Kragen zu gehen? Die Schlepper sind Mörder und lassen sich von den armen Menschen noch fürstlich bezahlen. Haben die mal das Geld, ist ihre Mission vorbei. Der Nächste bitte! Wem es in diesem Land nicht passt soll halt gehen. Gedanken dieser Regierungen.
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