Zum Inhalt springen

International G20-Treffen: «Schweiz hat kräftig für eine Teilnahme geweibelt»

In Shanghai kommen die Finanzminister und Notenbankchefs der grössten Wirtschaftsnationen zum G20-Treffen zusammen. Von China eingeladen wurde auch die Schweiz. Man dürfe auf wichtigen «Informationsaustausch und Networking» hoffen, sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Maren Peters.

Fahnen werden gebügelt.
Legende: «Bei G20-Treffen werden oft Initiativen angestossen, die die Schweiz in ihren Auswirkungen direkt betreffen», so Peters. Keystone

SRF News: Wie wichtig ist das bevorstehende G20-Treffen in Shanghai?

Maren Peters: Man sollte das Treffen nicht zu hoch hängen. Denn: Die anstehende Zusammenkunft der Finanzminister und Notenbankchefs, an der für die Schweiz Finanzminister Ueli Maurer und SNB-Direktor Thomas Jordan teilnehmen werden, ist nur eines von mehreren Vorbereitungstreffen für den G20-Gipfel im September. Grosse Beschlüsse oder neue Aktionspläne sind darum nicht zu erwarten.

Trotzdem ist das Treffen wichtig: Die wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt werden in Shanghai um eine gemeinsame Antwort ringen auf die vielen Probleme, die die Welt derzeit in Atem halten: Wie die Turbulenzen an den Finanzmärkten, die Schwäche der Weltwirtschaft, sehr niedrige Rohstoffpreise, die extrem lockere Geldpolitik, die Flüchtlingskrise in Europa und verschiedene geopolitische Unruhen. Zu erwarten ist bestenfalls, dass es den G20-Vertretern gelingt, aus Shanghai beruhigende Signale in die Welt und an die Märkte zu schicken.

Die Schweiz ist erst zum zweiten Mal dabei – letztmals war dies vor drei Jahren der Fall. Wie hat die Schweiz das erreicht?

Die Schweiz hat im Hintergrund kräftig dafür geweibelt, unter chinesischer Präsidentschaft an den G20-Vorbereitungstreffen teilnehmen zu dürfen. Erst im vergangenen Herbst zum Beispiel ist eine hochrangige Delegation aus Vertretern von Banken, Nationalbank und Finanzdepartement nach Peking gereist, um die Kontakte zu intensivieren. Dabei ging es offiziell darum, die Schweiz als Handelsplatz für die chinesische Landeswährung Renminbi zu empfehlen. Der Besuch hat aber offenbar noch andere Türen geöffnet: Anfang Dezember kam die offizielle Bestätigung, dass die Schweiz in diesem Jahr an den G-20-Vorbereitungstreffen unter chinesischer Präsidentschaft dabei sein kann.

Diplomatisch ist das ein Erfolg. Wie wichtig ist es für die Schweiz, da teilnehmen zu dürfen?

Diese Treffen sind sehr wichtig für den Informations-Austausch und das Networking. Es gibt sonst keine Foren, wo sich Vertreter der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt direkt austauschen können. Im Rahmen der G20 werden oft neue Initiativen angestossen, die die Schweiz in ihren Auswirkungen direkt betreffen. Zum Beispiel die fairere Besteuerung multinationaler Konzerne oder der Automatische Informationsaustausch. Je früher Schweizer Vertreter darüber informiert sind, desto vorteilhafter. Denn die Weichen für diese neue Initiativen werden in den Vorbereitungstreffen gestellt.

Welchen Status und welches Standing hat die Schweizer Delegation als Gast dort?

Die Schweiz ist als Gast der G20-Vorbereitungstreffen im Finanzbereich dabei. Sie hat damit die Möglichkeit, auf Augenhöhe mitzudiskutieren und kann auch eigene Vorschläge einbringen – und damit Einfluss nehmen auf neue Initiativen.

Und wie sieht die nahe Zukunft aus?

Zum G20-Gipfel selbst, wo die politischen Entscheidungen gefällt werden, ist sie nach wie vor nicht eingeladen. Und das dürfte sich auch so schnell nicht ändern. Die Schweiz ist zwar – nach Wirtschaftskraft – die Nummer 20 der Welt und auch ein wichtiger Finanzplatz. Da die Europäer aber schon überrepräsentiert sind im G20-Club, werden ihr keine Chancen eingeräumt, jemals zum vollen G20-Mitglied aufzurücken.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Eine wahre politische Meisterleistung Frau Schüpbach, so kurz und präzis alles Zusammen zu fassen. Auch die strenge Zensur zu umgehen und endlich einmal bekannt zu geben, dass unser Land das meiste Klopapier produziert. Neben dem gewöhnlichen Schrifttum natürlich. Hoffentlich gehe ich auch durch die Zensur.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "...dass unser Land das meiste Klopapier produziert." Sagen Sie, warum haben Sie es nötig, diese Worte einer Person aus China so zu verdrehen? Denn diese bezogen sich auf sein eigenes Land, nicht auf die Schweiz. Wäre auch kaum möglich bei der kleinen Einwohner/innenzahl im Vergleich zu China.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Und warum kopieren manche immer wieder Uhren, zu denen sie nie einen persönlichen Bezug hatten?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Das mit dem Klopapier bezog sich auf China und nicht die Schweiz. Es geht hier um die Vertretung der Schweiz am G20 Gipfel.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Herr Planta, das war meine Schuld, dass ich den Kommentar nicht zu Ende gelesen habe. Habe Frau Schüpbach auch geschrieben, es täte mir leid. Ist aber nicht erschienen. So habe ich den ganzen Beitrag auf dieses Niveau gebracht. Nochmals sorry
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Bis heute unterliegen Veröffentlichungen einer strengen Zensur. Immer wenn die Behörden verkünden, dass unser Land die meisten Bücher und Zeitungen herausbringt, denke ich mir, dass unser Land auch das meiste Klopapier produziert." - Li Chengpeng (aus: "China ist das Königreich der Lügen", Rede an der Peking Universität, http://www.stimmen-aus-china.de/2013/01/27/china-ist-das-konigreich-der-lugen-li-chengpengs-gewagte-rede-an-der-peking-universitat/#sthash.j3Msszgr.dpuf)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "....Herbst zum Beispiel ist eine hochrangige Delegation aus Vertretern von Banken, Nationalbank und Finanzdepartement nach Peking gereist, um die Kontakte zu intensivieren. Dabei ging es offiziell darum, die Schweiz als Handelsplatz für die chinesische Landeswährung Renminbi zu empfehlen." Ich habe für diese Mao-Währung nur Verachtung übrig. Wer immer noch so einen Despoten auf den Banknoten hat, sagt extrem viel aus über sein Geschichtsverständnis. Grosse Wirtschaftsmacht, aber Politzwerg.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen