Zum Inhalt springen

International Gauck: «Europa braucht keine Zauderer, sondern Zupacker»

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat mehr Einsatz der Bürger für Europa gefordert. Seit der Gründung der EU seien Fehler gemacht worden. Nun müsse nachjustiert und die europäische Einheit vertieft werden.

Legende: Video Ausschnitte der Europa-Rede Joachim Gaucks abspielen. Laufzeit 1:33 Minuten.
Vom 22.02.2013.

In einer europapolitischen Grundsatzrede beklagte Gauck in Berlin eine Krise des Vertrauens. Es gebe in der Bevölkerung deutlichen Unmut, der nicht ignoriert werden dürfe. Eindringlich rief Gauck die Bürger zum Engagement auf. «Ein besseres Europa entsteht  nicht, wenn wir die Verantwortung dafür immer nur bei anderen sehen.»

Gauck forderte eine bessere Kommunikation über und in Europa. Notwendig sei ein gemeinsamer Diskussionsraum für das demokratische Miteinander. Das Staatsoberhaupt empfahl ausserdem Englisch als gemeinsame Verständigungssprache der Europäer, die daneben aber weiter ihre Muttersprachen pflegen sollten.

Fehler eingestanden, Vereinheitlichung gefordert

In der Vergangenheit habe es erhebliche Versäumnisse gegeben. So seien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu viele osteuropäische Länder zu schnell in die EU aufgenommen worden, sagte Gauck im Schloss Bellevue, seinem Berliner Amtssitz.

Auch bei der Einführung der gemeinsamen Währung seien Fehler gemacht worden. «Der Euro selbst bekam keine durchgreifende finanzpolitische Steuerung», sagte er. Erst der Rettungsschirm ESM und der Fiskalpakt konnten die Schieflage notdürftig korrigieren.

«Wir brauchen eine weitere innere Vereinheitlichung», mahnte Gauck. Er verwies dabei auf die Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie  auf die Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Auch seien gemeinsame Konzepte auf ökologischer, gesellschaftspolitischer und nicht zuletzt demografischer Ebene nötig.

Die Briten forderte der Bundespräsident eindringlich auf, in der EU zu bleiben. Ihre lange parlamentarische Tradition, ihre Nüchternheit und ihr Mut würden gebraucht. Gauck versuchte erneut, Ängste in Europa vor einer deutschen Grossmachtpolitik zerstreuen.

Keine Reaktion Merkels

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück begrüsste die Rede Gaucks. «Der Bundespräsident hat klare Worte gefunden und die Bedeutung Europas für uns Deutsche in der richtigen historischen Perspektive definiert.»

Die Kanzlerin reagierte zunächst nicht auf die Rede. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte lediglich, der Bundespräsident habe als leidenschaftlicher Europäer betont, dass die Wertschätzung für die europäische Idee immer neu erarbeitet werden müsse.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Schneider, TG
    ask not what your union can do for you — ask what you can do for your union.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von shooter, Aarau
    Da haben einige etwas miss verstanden, den wenn ein Deutscher von zu packen spricht, dann meint er einfach machen, nicht diskutieren! Heisst nichts anderes als Demokratie ist gut und recht, aber nicht für uns, wir brauchen Leute die entscheiden wie es ihnen beliebt oder wo die Lobby besser zahlt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Planta, Chur
    Der Gauck ist einer der wenigen Deutschen Politiker die die Dinge beim Namen nennen. Warum gibts nicht mehr von dieser Sorte?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A. Tanner, Luzern
      @A. Planta: Ganz einfach;.. weil Gauck keiner politischen Partei angehört, darf er in diesem undemokratischen Deutschland die Wahrheit sagen!!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Sandra Herrman, Ludwigsburg
      Lieber Planta. Ich kann Ihren Beitrag in keinster Weise bestätigen. Der Gauck ist eine absolute Luft- bzw. Nullnummer. Er ist ein Blender. Der redet über Dinge, von denen er keine Ahnung hat. Er bestätigt mit seinem Auftreten nur jene kritische Stimmen, die vor Gauck gewarnt haben. Aber was möchte man von einem Pastor auch anderes erwarten? Es wäre wirklich besser gewesen, wenn er als Pastor auf seiner Kanzel in der Kirche geblieben wäre!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Henri Pfeifffer, Schulendorf
      @Tanner: So ein Nonsens, als ob ob man in Deutschland nur die Wahrheit sagen dürfte, gehörte man keiner Partei an. Was Sie behaupten ist ein glatte Verleumdung. Guckt man sich in Deutschland, beispielsweise im Parlament oder Medien um, so kann man leicht feststellen, dass sehr wohl Tacheles geredet wird. In Ihrem Ihrem Konsens-Zwergerlland CH, wo alles schöngeredet und unter den Teppich gekehrt wird, sieht es da bei weitem nicht so gut aus, verweise auf Ihren schönfärberischen Hn.Maurer
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Ueli Keifer, Kleinöschli
      @Sandra Hermann: Sprechblasen gibt es in Deutschland viele. Und die, die was sagen sollten, beispielsweise Mutti Merkel, die sagen nichts. Neben Sprechblasen gibt es also auch noch den Verein der Autisten. Diese beiden Spezies sind natürlich nicht nur auf Deutschland beschränkt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen