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International Genschers Coup

Langsam kommt immer mehr Licht ins Dunkel rund um die überraschende Freilassung des russischen Regimekritikers. Zweimal soll sich der deutsche Ex-Aussenminister Genscher persönlich mit Putin getroffen haben. Über die weiteren Pläne Chodorkowskis herrscht aber weiter Unklarheit.

Legende: Video Kreml-Kritiker Chodorkowski nach Deutschland gereist abspielen. Laufzeit 5:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.12.2013.

Der alte Fuchs hat es wieder geschafft. Während alle noch über die unsichere Zukunft des ehemaligen russischen Öl-Milliardärs Michail Chodorkowski spekulierten, hatte ihn Hans-Dietrich Genscher längst nach Deutschland gelotst.

Der 86-Jährige holte ihn persönlich am Flughafen Berlin-Schönefeld ab – noch bevor die Fotografen in Position waren, um das an diesem Tag begehrteste Bild zu schiessen. Chodorkowski kam mit einem Firmenflugzeug nach Berlin, das Genscher organisiert hatte.

«Gespräche mit der Familie sehr anrührend»

Immerhin ging Genscher, wenn auch nur kurz, ans Handy. Es ist 15.40 Uhr, als er auf die Frage, ob Chodorkowski neben ihm im Wagen sitze, knapp, aber bestimmt sagte: «Ja, das bestätige ich.» Beide waren auf dem Weg in die Berliner Innenstadt.

Genscher erzählte der deutschen Nachrichtensendung «ARD-Tagesthemen» später: «Ich habe im Auto, obwohl ich Russisch nicht verstehe, die Gespräche miterlebt mit seinen Familienangehörigen, das war schon anrührend.» Und: «Ich glaube, dass er jetzt durchatmen wird und darauf warten wird, dass er morgen seine Familie in die Arme schliessen kann.»

Ohne eine Bestätigung dafür erhalten zu haben, gehen Beobachter davon aus, dass Chodorkowski im Berliner Hotel «Adlon» logiert. Zumal Genscher am späten Nachmittag eben dieses Hotel verliess.

Keine Kompensationsgeschäfte, kein Schuldeingeständnis

Genscher hatte den einst reichsten Mann Russlands als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (2001 bis 2003) kennengelernt. Dessen Anwälte hätten ihn dann um Unterstützung gebeten. Zweimal habe er deswegen mit Chodorkowskis Gegner, Russlands Präsident Wladimir Putin, reden können.

Am Freitagmorgen konnte der 50-jährige Chodorkowski dann nach zehn Jahren Haft das Straflager verlassen – ein gutes halbes Jahr früher als bisher erwartet. Putin hatte seinem Gnadengesuch entsprochen. Laut Chodorkowski hat er für seine Begnadigung kein Schuldeingeständnis leisten müssen.

Dauer-Exil oder Opposition – alles ist noch offen

Der Kremlkritiker habe darum gebeten, nach Berlin zu reisen, weil in Deutschland seine an Krebs erkrankte Mutter behandelt werde, hiess es in Russland. Die alte Dame ist nach eigenen Angaben zur Zeit zwar noch in Russland, wird aber wohl zur weiteren Behandlung rasch in Deutschland zurückerwartet.

Trotz dieser Erklärungen wurde spekuliert, weshalb Chodorkowski ausgerechnet nach Berlin gekommen ist. Menschenrechtler hatten ihm bereits eine führende Rolle beim Aufbau der Zivilgesellschaft in Russland angeboten. Ob sich dieser aber dort politisch wieder betätigen kann oder sein Aufenthalt im Ausland eher zu einem Exil wird, ist derzeit offen.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    In unserer Zeitung ist sogar die Rede von einem eventuellen Besuch Chodorkowski in der Schweiz. Aber hoffentlich hat der Freigelassene keine Übernahmepläne im Hinterkopf.
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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Es ist schwer zu verstehen, dass ein so verdienter Politiker wie Genscher einem ehemaligen Oligarchen auf die Beine hilft. Es wird wie immer um den schnöden Mamon gehen.
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    1. Antwort von Hans Klein, Bern
      Zumindest Genschers alter Parteifreund und vorbestrafter Krimineller Graf Lambsdorff sass im Beratergremium der Ölfirma, die Chodorkowski mit deren eigenem Geld und Staatskrediten auf einer "Auktion" … "erworben" hat, bei der die anderen Mitbieter aufgrund "technischer Probleme" ausgeschlossen wurden. Und das sind nur die "unappetitlichen" Seiten dieses Reichtums. Niemand kann mir weismachen, dass man in Russland in den 1990er Jahren ohne handfeste blutige Kriminalität so reich werden konnte.
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    2. Antwort von M. Schmid, Luzern
      @Planta. Noch nicht bemerkt: Das Blatt der deutschen Politiker (nicht das deutsche Volk) hat sich schon seit geraumer Zeit in Deutschland wieder NUR auf MACHTPOLITIK gewendet; und zwar von LINKS bis RECHTS!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Wenn sie anstatt der BRD Russland geschrieben hätten würde ihr Kommentar stimmen. Auch ohne viele Ausrufezeichen.
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    4. Antwort von M. Schmid, Luzern
      @Planta: Okay Sie haben es noch nicht bemerkt, dann werden Sie es eben erst in der Zukunft dann auch bemerken:-) :-) :-) :-)
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Nett,dass sich altehrwürdige Diplomaten für Freilassungen im Ausland inhaftierter Milliardäre einsetzen.Schön,wenn diese nun hier zum Dank ihr Kapital investieren.Ob diese das wirklich tun?Wie dem auch sei,um die zahllosen mittellosen inhaftierten Demokraten,die sich um die Freiheit und die Demokratie in Russland einsetzten,die in Arbeitslagern,bestenfalls Gefängnissen,dahinvegetieren kümmert sich keine Sau.Schön,zu sehen,wie hier der Kontostand über Freiheit oder Gefängnis bestimmt.
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    1. Antwort von kari huber, surin
      Bitte genau lesen! Ch. ist "ehemaliger" Milliardär. Putin hat ihm alles weggenommen, mit der Begründung, er habe es vorher gestohlen. Was wohl nicht so weit von der Wahrheit entfernt liegt. Seine viel grössere Sünde wahr aber, dass er sich gegen Putin stellte.
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