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Gesänge und Gesten Was hinter dem Rassismus argentinischer Fussballfans steckt

Argentinische Fans sind an der Fussball-WM mehrfach mit rassistischen Gesängen und Gesten aufgefallen. SRF-Südamerika-Korrespondentin Karen Naundorf erklärt, was hinter den rassistischen Vorfällen argentinischer Fussballfans steckt.

Karen Naundorf

Südamerika-Korrespondentin

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Karen Naundorf ist SRF-Korrespondentin in Südamerika, Standort Buenos Aires. Sie hat in Berlin und Barcelona Kommunikation studiert, die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg absolviert und ist Fellow des Pulitzer Center on Crisis Reporting.

Wie äussert sich der Rassismus argentinischer Fans?

Die offenste Form ist die Gleichsetzung schwarzer Menschen mit Affen oder Tieren. Schwarze Spieler und Fans werden mit Affengesten oder dem Wort «Macaco» beleidigt. Diese Art der Beleidigung richtet sich traditionell besonders gegen Brasilianer. Daneben wird schwarzen Europäern ihre nationale Zugehörigkeit abgesprochen. Es gibt einen argentinischen Fangesang, der etwa behauptet, die schwarzen Spieler Frankreichs seien eigentlich Afrikaner. Auf dritter Ebene treffen im argentinischen Vereinsfussball abwertende Gesänge auch Menschen indigener Herkunft oder aus armen Verhältnissen.

Menschen in gestreiften Trikots, einer hält einen Pokal hoch.
Legende: Argentinische Fans sollen zum Beispiel die Anhängerinnen und Anhänger des kapverdischen Teams mit Bierflaschen beworfen und mit rassistischen Sprüchen und Gesängen eingedeckt haben. Von ähnlichen Szenen berichten auch ägyptische Fans. (11.07.2026/Symbolbild) REUTERS/Agustin Marcarian

Ist dieser Rassismus auf den Fussball beschränkt?

Der Fussball erfindet diesen Rassismus nicht, er macht ihn aber lauter und enthemmter. In Argentinien wird gesellschaftliche Abwertung häufig über Hautfarbe, Herkunft und auch soziale Klasse zugleich ausgedrückt. Begriffe wie «Bolivianer» oder «Paraguayer» können als Schimpfwörter dienen, selbst wenn die betroffene Person gar nicht aus diesen Ländern stammt. Der Fussball greift Vorurteile aus dem Alltag auf und verstärkt sie. Die Erniedrigung des Gegners gehört im argentinischen Fussball fast zur Tradition.

Was unterscheidet Argentinien von anderen Ländern Südamerikas?

Argentinien unterscheidet sich vor allem durch sein Selbstbild. Die politische und intellektuelle Elite formte Argentinien seit dem 19. Jahrhundert gezielt als weisse und europäisch geprägte Nation. Im 19. Jahrhundert wurde europäische Einwanderung gezielt gefördert, während indigene Gebiete militärisch erobert und schwarze sowie indigene Historie aus Erzählungen verdrängt wurden. Das Land sah sich als modernere und gebildetere Ausnahme des Kontinents.

Silhouetten von Menschen hinter einem transparenten Tuch.
Legende: «Argentinien sah sich lange als europäische Ausnahme auf dem Kontinent: gebildeter, moderner, weisser. Dabei zeigen genetische Studien, dass viele Argentinier sehr wohl indigene und zum Teil auch afrikanische Vorfahren haben», sagt Karen Naundorf. (20.06.2025/Symbolbild) Keystone/EPA EFE/ENRIQUE GARCIA MEDINA

Wie werden die Vorfälle in Argentinien aufgenommen?

Die Reaktionen sind gespalten. Es gibt Medien, antirassistische Organisationen und auch Fans, die solche Gesänge klar verurteilen. Häufig werden sie aber als Fussballfolklore, Witz oder Provokation ohne rassistische Absicht abgetan. Rassismus wird abstrakt verurteilt, im konkreten Fall jedoch oft relativiert oder totgeschwiegen.

Wie reagieren Verband und Nationalmannschaft?

Bisher haben sich weder der Verband noch die Nationalmannschaft klar zu den aktuellen Vorfällen geäussert. Schon nach den rassistischen Gesängen der Nationalmannschaft bei der Copa América 2024 entschuldigte sich nur ein Spieler. Ein Regierungsvertreter, der Messi und den Verband zu einer Entschuldigung aufgefordert hatte, wurde danach sogar entlassen.

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Heute Mittwoch fordert England den Weltmeister Argentinien heraus

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Das Halbfinale England – Argentinien können Sie heute ab 20.10 Uhr bei SRF 2 verfolgen.

Echo der Zeit, 13.07.2026, 18 Uhr; noes ; 

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