Die 35-jährige Jasmine Imboden kickt in der 1. Liga für den Luzerner Sportclub: Fussball ist ihre Leidenschaft. Im letzten November aber ist ihr die Freude am Fussball beinahe vergangen. Bei einem Meisterschaftsspiel wurde die schweizerisch-kenianische Spielerin von gegnerischen Fans als Affe beschimpft.
«Ich war wie gelähmt und wusste nicht, wie ich reagieren sollte», sagt Jasmine Imboden rückblickend. Zum Glück habe eine Mitspielerin von ihr sofort interveniert beim Schiedsrichter.
Weil dieser nichts gehört haben will, liess er die Partie weiterlaufen. Welcher Zuschauer die rassistischen Beleidigungen geschrien hatte, blieb unklar – obwohl der Vorfall gefilmt wurde. Der Schweizerische Fussballverband SFV büsste den Freiburger Club mit 500 Franken.
«Einfach lächerlich»
Für Imboden eine zu geringe Strafe. Gemäss Reglement des SFV wären Bussen von bis zu einer Million Franken möglich. «Wenn ich dann erfahre, dass der Verein nur mit 500 Franken gebüsst wird, ist das einfach lächerlich.»
Ich wurde auf Fussballplätzen unzählige Male mit dem N-Wort oder Affenlauten beschimpft. Da geht etwas kaputt in dir.
Beim Schweizerischen Fussballverband ist Vizepräsident Sandro Stroppa verantwortlich für die Amateurligen. Vorfälle wie jener von Jasmine Imboden sind eine Herausforderung. Er bedaure diesen Vorfall sehr und betont: «Wir hätten sicher eine höhere Strafe ausgesprochen, wenn wir die Täter gefunden hätten.»
Nati-Spielerin Coumba Sow auch betroffen
Rassistische Beleidigungen im Fussball – keine Einzelfälle. Auch Natispielerin Coumba Sow musste sich schon vieles anhören: «Als Kind und Jugendliche wurde ich auf Fussballplätzen unzählige Male mit dem N-Wort oder Affenlauten beschimpft. Da geht etwas kaputt in dir».
Seit sie Profi ist, werde sie auf dem Platz kaum mehr angefeindet. Dafür würde sie öfter anonym in den sozialen Medien beleidigt.
In den Schweizer Profiligen gehen etliche Klubs das Thema Rassismus an – mit Präventionsarbeit und Fanbetreuern.
In den Amateurligen gibt es aus Sicht von Fussballerin Jasmine Imboden noch viel Nachholbedarf. Sie lanciert am Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März eine Onlinepetition.
Ich hoffe für die zukünftigen Fussballerinnen, dass sich etwas ändert und sie konsequent geschützt werden.
Dies in Zusammenarbeit mit Nora Riss, der Leiterin des nationalen Beratungsnetzes für Rassimusopfer. Jährlich werden ihr bis zu einem Dutzend Fälle im Fussball gemeldet, wie die Juristin sagt. «Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viele Betroffene haben schon viele rassistische Vorfälle erlebt, bevor sie zu uns in die Beratungen kommen».
Härtere Sanktionen, Schiedsrichterschulungen und Präventionsprogramme
Die Petition fordert unter anderem spezielle Schulungen für Schiedsrichter, verpflichtende Präventionsprogramme für Vereine sowie härtere Sanktionen.
Die Amateurliga hat seit einigen Jahren ein eigenes Konzept bei rassistischen Vorfällen. Nach Möglichkeit will die Liga die Forderungen der Petition in dieses Papier einfliessen lassen, wie Sandro Stroppa sagt. «Bei den Schiedsrichterausbildungen sind wir bereits dran, mehr zu machen. Wir bemühen uns auch um Präventionsarbeit bei den Vereinen.» Der Fussballverband sei offen für neue Ideen.
Jasmine Imboden hofft nun, dass sie mit ihren Ideen den Ball ins Rollen bringt im Kampf gegen den Rassismus. «Ich hoffe für die zukünftigen Fussballerinnen, für die Kinder und die Jugendlichen , dass sich etwas ändert und dass sie wirklich konsequent geschützt werden.»