Gespanntes Warten in Ägypten

Die Muslimbrüder geben nicht auf. Gemeinsam mit anderen Mursi-Getreuen haben sie zu neuen Grosskundgebungen aufgerufen.

Graffiti an der Wand zeigt Hand mit vier gestreckten Fingern und dem Slogan: 6. Okrober, Game Over. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die R4bia-Hand ist das Protestsymbol der Mursi-Anhänger – weil ein Protestcamp vor der Rabia-al-Adawiya-Moschee stand. Keystone

Nach den blutigen Krawallen vom Freitag haben Anhänger der Muslimbruderschaft in Ägypten zu neuen Protesten aufgerufen. Der Protest richtet sich gegen die Entmachtung der Islamisten durch das Militär.

Das so genannte «Bündnis gegen Staatsstreich» kündigte für den Sonntag eine Millionen-Kundgebung auf dem Kairoer Tahrir-Platz an. Sie soll unter dem Motto stehen «Kairo, die Hauptstadt der Revolution». Bis dahin sollten die Demonstrationen landesweit fortgesetzt werden.

Schüsse auf Protestler in Kairo

Bei heftigen Zusammenstössen wurden nach Angaben staatlicher Medien gestern vier Menschen getötet und 40 weitere verletzt. Tausende Islamisten hatten sich in mehreren Städten an den Protesten beteiligt.

Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Islamisten erklärten, im Kairoer Stadtzentrum sei auf Demonstranten scharf geschossen worden.

Morgiger Sonntag ist Feiertag in Ägypten

Das Militär hatte Anfang Juli Präsident Mohammed Mursi und seine Regierung nach Massenprotesten abgesetzt. Seither gibt es Unruhen. Hunderte Muslimbrüder wurden inhaftiert. Die Islamistenorganisation ist inzwischen verboten.

Der 6. Oktober ist ein staatlicher Feiertag, an dem die Ägypter an den Angriff ihrer Armee auf die israelischen Truppen 1973 erinnern.