Gewaltexzess in Kiew fordert Tote und hunderte Verletzte

In der Nacht hat die ukrainische Polizei das Protestlager auf dem Unabhängigkeitsplatz gestürmt. Bei den Zusammenstössen kamen mindestens 25 Menschen ums Leben. Nicht-offizielle Quellen reden von über 1000 Verletzten. Die Reaktionen des ukrainischen Präsident muten derweil immer grotesker an.

Die Proteste vor zwei Jahren

In Kiew herrscht eine aggressive Stimmung. Nach einer Nacht voller Gewalt hat sich die Lage laut Augenzeugen zwar etwas beruhigt. Aber noch immer stehen sich die beiden Seiten gegenüber. Gelegentlich kommt es zu Zusammenstössen.

Bilder der Gewalt aus Kiew (unkommentiert)

1:09 min, vom 19.2.2014

Über die Opfer des Gewalt-Exzess gehen die Angaben auseinander. Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass 241 Menschen mit Verletzungen in Spitäler gebracht worden seien. Unter den Verletzten waren 79 Polizisten und 5 Journalisten. Andere Quellen, allen voran die renommierte Ärztin Olga Bogomolez, sprachen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa von mehr als 1000 verletzten Demonstranten und 300 verletzten Sicherheitskräften.

Sturm auf das Zeltlager

Laut SRF-Korrespondent Peter Gysling spielten sich in der Nacht dramatische Szenen im Zentrum Kiews ab. «Der Maidan brennt. Ein Flammenmeer rollt wie eine Lawine stetig und langsam auf das Zentrum des Platzes zu.»

Im Zentrum, auf dem Unabhängigkeitsplatz, halten sich die Regierungsgegner verschanzt. «Um sich dem Sturm ihres Zeltlagers zu widersetzen, haben sie zuvor rund um den Maidan Barrikaden in Brand gesetzt. Sie dienten als Feuerwand, welche die gefürchteten Sondertruppen des Innenministeriums zurückhalten sollten», sagt Gysling.

Kiew nach einer blutigen Nacht

4:38 min, aus Rendez-vous vom 19.02.2014

Viele junge und ältere Menschen versuchten sich laut Gysling gegenseitig Mut zu machen. Sie sangen Lieder, darunter die ukrainische Nationalhymne, während wenige Meter neben ihnen Zelte und Barrikaden brannten.

Weiterhin brutale Zusammenstösse

Die sogenannte Anti-Terror-Aktion der ukrainischen Staatsmacht ging äusserst brutal vor. Die Regierungsgegner schlugen zurück. Das Innenministerium in Kiew teilte mit, dass neun Polizisten und mehr als ein Dutzend Demonstranten bei den Ausschreitungen starben. Zudem wurde ein Journalist von unbekannten Maskierten erschossen.

Trauertag ausgerufen

Der streitbare ukrainische Präsident Janukowitsch zementiert derweil seinen Weg der Null-Toleranz mit irritierenden Reaktionen. Zum Gedenken an die Toten sollten am Donnerstag an allen staatlichen Gebäuden in der Ex-Sowjetrepublik die Fahnen auf Halbmast gesenkt werden, ordnete er an.

Zudem sollten Konzerte und Sportveranstaltungen abgesagt werden. Fernseh- und Radiosender wurden aufgefordert, ihr Programm «angemessen» zu ändern, hiess es nach Medienberichten in einer Mitteilung.

Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten

Wieso kam es zu dieser Eskalation? «Es hat mit dem sehr gewaltbereiten Teil der Oppositionsbewegung zu tun. Gut möglich ist auch, dass staatliche Provokateure die Nationalisten angestiftet und dies so zu einem Crash auf dem Maidan geführt hat», vermutet Peter Gysling.

Für den schwedischen Aussenminister Carl Bildt ist klar, wer der Schuldige ist: «Für die Toten ist der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch verantwortlich», twitterte er. Und weiter: «Er hat Blut an den Händen.»

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