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Gewaltsame Proteste Mordfall Henry Nowak: «Polizei hat gravierende Fehler gemacht»

Ein gravierender Polizeifehler im Mordfall an einem weissen Studenten führt in Grossbritannien zu gewaltsamen Protesten.

Ein gravierender Polizeifehler im Mordfall an einem weissen Studenten erhitzt in Grossbritannien die Gemüter. Nach der Veröffentlichung von Bodycam-Aufnahmen gingen in Southampton Hunderte auf die Strasse, es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen. Der freie Journalist in Grossbritannien, Peter Stäuber, ordnet den Fall ein.

Peter Stäuber

Journalist

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Der Ostschweizer Journalist lebt seit Jahren in London und berichtet unter anderem für die «Wochenzeitung WOZ» und «Zeit» aus der britischen Hauptstadt.

SRF News: Was ist genau passiert?

Peter Stäuber: Der 18-jährige Student Henry Nowak war im Dezember nachts in Southampton auf dem Weg nach Hause, als er auf einen 23-jährigen Mann traf, der ihn mit einem Messer attackierte. Als die Polizei eintraf, behauptete der Täter, er sei angegriffen und rassistisch beleidigt worden. Der Täter gehört zur Glaubensgemeinschaft der Sikh. Die Polizei glaubte ihm und legte den am Boden liegenden Nowak in Handschellen.

Auf den Videos der Bodycams der Polizei ist zu sehen und zu hören, dass das Opfer immer wieder sagt, er sei gestochen worden und er könne nicht atmen. Die Polizei glaubte ihm offensichtlich nicht. Nowak starb noch am Tatort. Es ist ein schockierender Fall, und es ist klar, dass die Polizei gravierende Fehler gemacht hat.

Die Glaubensgemeinschaft der Sikh

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Die Sikhs sind Angehörige des Sikhismus, einer Religion, die vor rund 500 Jahren in Indien entstand. Weltweit gibt es etwa 25 bis 30 Millionen Sikhs. Die meisten leben im indischen Bundesstaat Punjab. Grössere Sikh-Gemeinschaften gibt es unter anderem auch in Grossbritannien, Kanada und den USA.

Mit welchen Botschaften sind die Menschen in Southampton auf die Strasse gegangen?

Der Protest richtete sich vor allem gegen die Polizei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer riefen etwa «Rassistische Polizei, weg von unseren Strassen». Der breitere Vorwurf, den die Protestierenden und auch rechte Politiker und Aktivisten vorbringen, lautet, dass die Behörden weisse Briten benachteiligen würden und Menschen aus ethnischen Minderheiten Privilegien einräumten – ein zweistufiges System, bei dem Nichtweisse bevorzugt würden.

Der Chef der Rechtspartei Reform UK, Nigel Farage, hat dies der Polizei vorgehalten. Er sagte, dass die Beamten in diesem Fall aufgrund der politischen Korrektheit Angst hätten, als rassistisch gebrandmarkt zu werden, und deshalb weisse Briten besonders hart angehen würden.

Der Vorwurf des zweistufigen Justizsystems ist unbegründet.

Gibt es Hinweise, dass die britische Polizei ethnisch-religiösen Minderheiten Privilegien gewährt?

Es gibt für öffentliche Bedienstete – auch für die Polizei – Richtlinien, die sicherstellen sollen, dass es nicht zu rassistischer Diskriminierung kommt. Nur ist dies in der Realität oft nicht der Fall. Allerdings ist es nicht so, dass weisse Britinnen und Briten schlechter behandelt werden, im Gegenteil: Menschen aus ethnischen Minderheiten sind im Justizsystem einer systematischen Diskriminierung ausgesetzt. Das heisst natürlich nicht, dass dies immer der Fall ist. Nur lässt sich daraus kein breiterer Trend ablesen, wie es beispielsweise Farage tut. Der Vorwurf des zweistufigen Justizsystems ist unbegründet.

Der Vater des Opfers hat das Land explizit aufgerufen, den Tod seines Sohnes nicht zu missbrauchen.

Welche Rolle spielt die Anhängerschaft des Täters bei der religiösen Sikh-Gemeinschaft?

Die Rechte versucht, die Tatsache in den Vordergrund zu stellen, dass der Täter nicht weiss und das Opfer weiss ist, oder auch, dass der Täter ein zeremonieller Sikh-Messer benutzte. Vertreter der britischen Sikh-Gemeinde, die etwa eine halbe Million umfasst, betonen, dass es sich um eine einzelne Tat handelt, die nichts mit ihrer Religion zu tun hat.

Auch der Vater des Opfers hat nach dem Urteilsspruch gesagt, dass es hier nicht um Rassismus gehe und auch nicht um Sikhismus. Es gehe um Mord. Er hat das Land explizit aufgerufen, den Tod seines Sohnes nicht zu missbrauchen, um weitere Spaltung, Hass und Spannungen zu schüren.

Das Gespräch führte Nicolas Malzacher.

Diese Auswirkungen hat der Fall auf Keir Starmer

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Der Chef der Rechtspartei Reform UK, Nigel Farage, werde versuchen, diesen Fall so gut wie möglich auszunutzen, sagt Peter Stäuber. «In zwei Wochen findet in Nordengland eine wichtige Nachwahl für einen Unterhaussitz statt, bei der sich Labour und Reformer ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.» Die Gefahr für Labour bestehe, dass die aufgeheizte Stimmung in der Folge dieses Mordfalls Farage helfen werde, so Stäuber. Starmer habe die hetzerischen Worte von Nigel Farage und anderen Rechtspolitikern in scharfen Worten verurteilt. «Er hat Farage vorgehalten, dass er genau das tue, was die Familie des Opfers nicht will, nämlich daraus Kapital zu schlagen. Aber gleichzeitig ist sich Starmer bewusst, dass ihn die Reform-Partei weiter unter Druck setzen wird.» Deshalb habe die Regierung angekündigt, dass die Antirassismusrichtlinien für die Polizei überprüft werden sollen. «Es ist aber zweifelhaft, ob das der Labour-Partei helfen wird.»

SRF 4 News, 03.06.2026, 16:45 Uhr ; 

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