Gold aus Kinderhänden

Die grösste Goldschmelzerei der Welt, die Tessiner Valcambi, gerät wegen dubiosen Goldgeschäften ins Zwielicht. Sie importiert tonnenweise Gold aus Togo, einem Land, das gar kein Gold produziert. Die wahre Herkunft des Edelmetalls sind nicht regulierte Minen, wo Kinderarbeit alltäglich ist.

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Kinderarbeit in Burkina Faso

8:21 min, aus Rundschau vom 9.9.2015

Zehntausende Kinder schuften in den Goldminen von Burkina Faso. Das «schmutzige» Gold aus dem Kleinbergbau wird ins Nachbarland Togo geschmuggelt, weil dort die Steuern auf Goldexporte zehnmal tiefer sind, als in Burkina Faso. Togo hat seit 2012 mehr als 37 Tonnen Rohgold im Wert von 1,5 Milliarden Franken in die Schweiz exportiert. Dies berichtet die Rundschau.

Mitarbeiter der Entwicklungsorganisation Erklärung von Bern haben den Weg des Goldes von sieben Kinderminen in Burkina Faso bis in die Schweiz dokumentiert. Das Gold landet bei der Firma Valcambi in Balerna (TI). Die Goldlieferungen erstrecken sich bis ins aktuelle Jahr. Die Firma Wafex Sarl in Togos Hauptstadt Lomé versendet das Gold per Luftfracht. Als Importeurin tritt die MM Multitrade in Genf auf. Die beiden Firmen gehören zur libanesischen Ammar Group, die für eine Stellungnahme nicht erreichbar war.

Valcambi will der Rundschau keine Fragen zum Kindergold aus Burkina Faso und den Lieferungen über Togo beantworten. «Valcambi kommentiert keine Gerüchte und/oder Anschuldigungen», schreibt Valcambi-CEO Michael Mesaric, alle Geschäfte seien legal.

Dubiose Togo-Lieferungen

Valcambi ist der weltweite Branchenleader unter den Goldschmelzereien. Gemäss dem Verhaltenskodex der Firma akzeptiert sie keinerlei Gold aus Kinderarbeit in der Lieferkette und hält sich dabei an die Standesregeln der OECD und der London Boullion Market Association LBMA. Ob Valcambi die Lieferkette aus Togo überprüft hat, bleibt fraglich. Klar ist: Togo produziert selbst kein Gold.

Die Standesregeln der Goldbranche verlangen von den Raffinerien explizit, dass sie genaue Recherchen anstellen, wenn sie Rohgold aus Ländern importieren, die selbst kein Gold produzieren. Solche Herkunftsorte müssen die Raffinerien als «Red Flag Location» (OECD) oder «High Risk Area» (LBMA) kennzeichnen. Die Raffinerien sind dann verpflichtet, vor Ort zu überprüfen, aus welchen Minen das Gold ursprünglich stammt.

Reputationsrisiko für die Schweiz

Die interdepartementale Arbeitsgruppe Rohstoffe des Bundes hat zwar ein «Reputationsrisiko» des Rohstoffhandels für die Schweiz erkannt. Der Bundesrat macht den Raffinerien aber bislang keine rechtsverbindlichen Auflagen und begnügt sich mit einer freiwilligen Befolgung von Branchenstandards.

Seit 2009 herrscht in Burkina Faso ein regelrechter Goldrausch. Innert kurzer Zeit wurde Burkina Faso zu einem der wichtigsten Goldexporteure Afrikas (neben Südafrika und Ghana). Die überwiegende Masse des Goldes aus Burkina wird von industriellen Firmen gewonnen. Aber auch tausende Familien und Kleinbetriebe schürfen nach Gold. Über die Wege, auf welchen dieses Gold aus dem informellen Sektor in den Welthandel gelangt, bestand bislang keine Transparenz.

Branchenleader Schweiz

Der Grossteil allen Goldes, das die Minen rund um den Globus produzieren (jährlich rund 2500 Tonnen), landet in der Schweiz. Hier sind vier der weltgrössten Goldraffinerien beheimatet. Diese Raffinerien schmelzen das Rohgold ein und stellen daraus Feingold mit einem Reinheitsgrad von 99,99 Prozent her. Erst dieses Feingold ist international handelbar.