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International Gotteskrieger, Banditen, Terroristen: Im Nordsinai tobt ein Krieg

Angriffe auf Kasernen und Polizeistationen, Kommandoaktionen gegen Jihadisten: Keine Woche vergeht, ohne neue Schlagzeilen aus dem Nordsinai. Doch was genau im äussersten Nordosten Ägyptens geschieht, ist unklar. Sicher ist nur: Ein ganzer Landstrich lebt inzwischen im Ausnahmezustand.

Ein total ausgebrannter Bus steht nach einem Bombenanschlag am Strassenrand.
Legende: Die Region im Nordsinai kommt nicht zur Ruhe: Anschlag auf einen Bus. Keystone/Archiv

Beidseits der Hauptverkehrsachsen von Arish nach Gaza und ins Innere des Sinais stehe kaum mehr ein Olivenbaum, sagt Mohammed Sabry. Er ist Journalist in El Arish, der Hauptstadt des Nordsinai. Die Armee habe die Bäume umgestossen, um zu verhindern, dass sie von Jihadisten als Deckung für Granatangriffe auf Militärkonvois gebraucht werden.

Immer wenn die Armee zu einer neuen Operation aufbreche, störe sie das Netz, sagt Mohammed. Sie beargwöhne jeden Privatwagen und beschiesse Verdächtige ohne Zögern. Die Aufständischen ihrerseits nähmen Armeefahrzeuge ins Visier, so Sabry.

Wegen den unsicheren Transportwege und langen Ausgangssperren kämen viele Lieferanten nicht mehr in das periphere Gebiet. Wirtschaft und Handel lägen darnieder, sagt Mohammed.

Uneinigkeit über die Identität der Kämpfer

Die Armee stellt ihren Einsatz als Kampf dar – gegen Verbündete des gestürzten Präsidenten und Muslimbruders Mohammed Mursi. Sie betitelt beide Gruppen – Muslimbrüder und Jihadisten – seit dem Sturz Mursis als Terroristen.

Emad Gad ist stellvertretender Direktor des regierungsnahen Strategiezentrums Al Ahram in Kairo. Er sagt, die radikalen Islamisten hätten sich aus der Bewegung der Muslimbrüder heraus entwickelt. Die Muslimbrüder seien deshalb die Quelle des gesamten islamistischen Terrorismus.

Der Journalist Mohammed bleibt skeptisch. Er kann diesen klaren Zusammenhang zwischen den bewaffneten Islamisten im Sinai und der politischen Bewegung der Muslimbrüder nicht erkennen.

Zwar gebe es direkte Verbindungen. Aber die bestünden zwischen den Muslimbrüdern und der ideologisch eng verwandten palästinensischen Hamas, die den benachbarten Gazastreifen kontrolliert. Es gehe um kommerzielle Interessen: Mohammed spricht vom Waffenschmuggel in den Gazastreifen.

Mubarak hatte Beduinen vernachlässigt

Schlomo Brom verfolgt die Lage von der anderen Seite der Grenze. Der Experte am Institut für nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv war früher strategischer Planungschef der israelischen Armee. Auch er plädiert für den differenzierten Blick. Die Geschichte werde stets von den Siegern geschrieben. Und das neue Regime in Kairo mache die Muslimbrüder nun für alle Übel verantwortlich.

Zwar hätten die Muslimbrüder die Nähe zur Hamas im Gazastreifen gesucht. Doch die Schmuggeltunnels in das Palästinensergebiet seien viel früher entstanden: Unter dem ägyptischen Langzeitherrscher Hosni Mubarak.

Mubarak sei verantwortlich, dass in dem Beduinengebiet überhaupt erst der Nährboden für Kriminalität und Extremismus wuchs. Er habe den Sinai vernachlässigt. Den Beduinen fehle schlicht eine Alternative zur kriminellen Wirtschaft, sagt Brom. Dafür bezahle Ägypten nun den Preis. Neu sei, dass das Land das erkannt habe und sich bemühe, das Sicherheitsvakuum zu füllen.

Ägyptische Armee auf dem Vormarsch

Imad Gad vom Ahram Zentrum für politische und strategische Studien in Kairo gibt sich optimistisch: Die ägyptische Armee werde bis in drei Monaten den gesamten Norden des Sinais der Herrschaft der Gotteskrieger und Banditen entrissen haben. Die Generäle hätten auch erkannt, dass sie den Beduinen Perspektiven bieten müssten.

Der Journalist Sabry wagt keine Prognose. Noch ist der Norden des Sinais geprägt von der Gewalt. Und noch hat die lokale Bevölkerung aus dem fernen Kairo nur die Repression gesehen.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Wer die Wasserstellen/Oasen, Strassen beherrscht wird relativ schnell das ganze Gebiet kontrollieren. Es ist sehr dünn besiedelt und es fehlen den Banditen und Terroristen die nötigen sicheren Rückzugsgebiete. Somit gehe ich mit R. Wagner keinesfalls einig. Ausserdem kennt die aegypt. Armee und Grenzschutz das Gebiet sehr genau. Auch Zahal wird ein genaues Auge auf die Grenze richten u. nötigenfalls die aegypt. Armee in deren Operationen unterstützen, wenn nicht aktiv, mind. passiv mit Infos.
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  • Kommentar von René Wagner, Möriken
    "Gotteskrieger, Banditen, Terroristen: Im Nordsinai tobt ein Krieg". So der Titel dieser Meldung. Erwartungsvoll nahm ich an, dass damit auch die Soldaten der Militärdiktatur gemeint waren. Im Ansatz traf das zu. Immerhin wird der Terror im Sinai differenziert beschrieben. Das Geschwätz der Militärdiktatoren, der Krieg im Sinai wäre in drei Monaten vorbei, ist reine Propaganda. Wenn Banditen gegen Banditen kämpfen, kann das ewig andauern.
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