«Griechenland und Russland, das kann nicht funktionieren»

Athen und Moskau verband bis vor gut einer Woche nicht sonderlich viel. Doch seitdem der neue Regierungschef Europa kräftig gegen den Strich bürstet, wird über eine Allianz der Beiden diskutiert. Aber kann Moskau tatsächlich mit Milliarden unter die Arme greifen? Der Experte ist da eher skeptisch.

In der letzten Woche war das unmoralische Angebot Moskaus in Athen eingegangen. Wenn der neue griechische Regierungschef Tsipras Geld brauche, werde man das wohlwollend prüfen, hatte der russische Finanzminister Siluanow verlauten lassen.

Medien spekulierten schnell über die neue Achse Athen-Moskau. Griechenland spendiert Nahrungsmittel und Strände für Touristen – Russland liefert Erdgas und bezahlt die Athener Schulden, so die Vorstellung. Doch ergeben zwei Kranke zusammen tatsächlich einen Gesunden?

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Bildlegende: Anastassios Frangulidis ist Chefstratege der Zürcher Kantonalbank. Seit 1999 arbeitet er für das Geldinstitut. SRF

Für ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis keine Frage. «In der Praxis kann so etwas nicht funktionieren.» Er glaube nicht, dass Russland tatsächlich in der Lage wäre, Athen zu helfen. Zwar seien die Beziehungen der beiden Staaten tradtionell eng, beides sind orthodoxe Länder, aber wirtschaftlich mache ein Zusammengehen wenig Sinn.

Vielmehr glaubt Frangulidis, dass hinter den Ankündigungen vielmehr ein politisches Kalkül steckt. «Die Regierung in Athen versucht ihrerseits, den Druck auf Gläubiger zu erhöhen, um sich bei der Umstruktierung der Schulden und dem neuen Anpassungsprogramm Vorteile zu verschaffen.» Russland hingegen strebe nach mehr Einfluss im östlichen Mittelmeer und in Südeuropa.

«Moskau ist für Athen keine wirkliche Hilfe»

Der neue griechische Regierungschef Tsipras erklärte heute offiziell, dass seine Regierung in der Lösung der Schuldenfrage nur mit den europäischen Partnern verhandle. Andere Überlegungen gebe es gegenwärtig nicht.

Für ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis trotz aller politischen Ränkespiele die einzige tatsächliche Option zur Problemlösung. «Denn entgegen aller Kritik: Griechenland fühlt sich dem Westen wesentlich näher als dem Osten. So verstehen sich 90 Prozent der Griechen nach wie vor als Teil Europas und 80 Prozent befürworten immer noch den Euro als Landeswährung.»

Bleibt die Frage, ob sich Moskau die milliardenschwere Stütze überhaupt leisten kann? «Russland selbst ist stark angeschlagen – man ist in einer tiefen Rezession, leidet unter den niedrigen Ölpreisen und verfügt insgesamt über weniger Steuereinnahmen.» Wirklich helfen könne Moskau den Griechen deshalb eher nicht, meint der Experte.