Trump und die Russen «Grösste Gefahr ist die westliche Korrumpierbarkeit»

Solange Moskau und andere Regimes Einfluss kaufen können, ändert sich nichts. Das sagt Sicherheitsexperte Mark Galeotti.

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Das Weisse Haus und der Draht nach Moskau

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zu den Russland-Kontakten des Zirkels rund um Präsident Donald Trump laufen zurzeit mehrere Untersuchungen.
  • Der britische Sicherheitsexperte Mark Galeotti ist überzeugt, dass man keinen eindeutigen Beweis für eine Kollaboration Trumps mit den Russen finden wird.
  • Die grösste von Russland ausgehende Gefahr sieht Galeotti in der westlichen Korrumpierbarkeit und der Schwächung der Institutionen.

SRF News: Werden die Untersuchungen Beweise liefern, die Trump ernsthaft in Schwierigkeiten bringen könnten?

Mark Galeotti: Beweise dafür, dass Trump mit den Russen kollaboriert hat, wird es nicht geben. Was aber fast sicher herauskommen wird: Ein Klüngel von Beziehungen von Leuten um Trump herum mit Leuten, die Moskau nahe stehen. Russland war bis vor kurzem ein guter Ort, um schnell viel Geld zu machen. Vor allem für jene, die sich nicht so sehr um Transparenz und um ethisch korrektes Vorgehen scherten. Gleichzeitig hielten viele Russen Ausschau nach Geschäftspartnern im Westen. Die Dichte von Geschäftsverbindungen überrascht nicht.

Was sagt dies über Präsident Trump und seine künftige Politik aus?

Donald Trump. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: US-Präsident Donald Trump. Wie nah steht oder stand er zu Russland? Keystone/Archiv

Das macht mir wirklich Sorgen. Ich denke nicht, dass der US-Präsident schon fast so etwas wie ein russischer Agent ist. Aber diese Konstellation zeigt, welcher Glaube im Weissen Haus vorherrscht: Jede Art von Geschäft ist in Ordnung und persönliche und geschäftliche Beziehungen sind wichtiger als institutionelle Strukturen. Es besteht also die Gefahr, dass das politische System der USA langsam zersetzt wird.

«  Neben den Russen wollen sich auch Chinesen, Saudis und andere Regimes Einfluss erkaufen. »

Mark Galeotti

Nicht Panzer und Desinformation sind also nach ihren Worten die grösste Gefahr, sondern die eigene Korrumpierbarkeit?

Beim Thema Korruption denkt man in der Regel an Leute, die von aussen kommen und versuchen, Einfluss oder anderes zu kaufen. Doch dies ist nur möglich, weil wir das zulassen. Weil es viele Menschen gibt, die russisches Geld nehmen und dafür etwas tun, das nicht unbedingt im Interesse unserer Länder ist. Das internationale Bankensystem bewegt das Geld immer schneller. Es ist der Traum jedes Geldwäschers. Je schwächer unsere staatlichen Strukturen und je unehrlicher wir sind, desto mehr öffnen wir uns für Manipulationen aus Moskau.

Wie übersetzt sich diese Korruption in Politik?

Es gibt den allgemeinen Tenor, dass wir für Sanktionen gegen Russland sind, wegen der Invasion auf der Krim und in der Ostukraine. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man aber mehr und mehr Lobby-Gruppen in den USA und in Europa, welche Ausnahmen fordern. Unternehmen und Geschäftsleute weichen die Sanktionen Schritt für Schritt auf.

Was hat sich bei den Geschäften mit Russland verändert?

Die Beziehung zwischen Russland und dem Westen hat sich verändert. Ich sage keineswegs, dass es generell schlecht ist, mit Russland Geschäfte zu machen oder dass jeder Kontakt zu Russen verdächtig ist. Es besteht im Moment eher die Gefahr, dass Russland dämonisiert wird. Wladimir Putin hat aber so etwas wie einen «Mobilisierungs-Staat» geschaffen, der jeden Aspekt der Wirtschaft oder Gesellschaft in seinem eigenen Interesse verwenden kann.

«  Russland benützt Geschäfte mehr und mehr als Werkzeug zur Durchsetzung von Staatsinteressen.  »

Mark Galeotti

So gibt es in Europa russische Unternehmen, die dazu ermuntert wurden, gewisse Politiker zu finanzieren, weil der Kreml das so will. Und es gibt russische Unternehmen, die in den USA als Frontorganisationen für Spione dienten.

Welche Rolle spielt die Schweiz?

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Mark Galeotti

Der Brite Mark Galeotti ist Experte für internationale Kriminalität und russische Sicherheitspolitik. Er lehrt unter anderem am Institut für internationale Beziehungen in Prag.

Die Rolle, die die Schweiz immer gespielt hat, ist jene der Drehscheibe für Geld. Ein Teil des russischen Geldes, das in die Schweiz fliesst, gehört offenbar Oligarchen oder anderen Figuren, die einen sicheren Hort dafür suchen und es dem Zugriff des russischen Staates entziehen wollen. Aber auch grosse Summen, mit denen politischer Einfluss gekauft wird, fliesst über die Schweiz, aber auch andere Finanzzentren wie London, New York oder Frankfurt.

Wie könnte der destruktive Einfluss auf die westliche Demokratie eingedämmt werden?

Der Schlüssel zu allem ist Transparenz. Da dieses Geld über zahlreiche Länder und damit Rechtssysteme verschoben wird, haben die Strafverfolgungsbehörden und die Geheimdienste grosse Mühe, herauszufinden, woher dieses Geld ursprünglich stammt. Es müsste einfacher werden, die tatsächlichen Besitzer von Reichtümern zu identifizieren.

Das Interview führte Judith Huber.