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International Grossbritanniens Finanzwirtschaft in Angst vor dem «Brexit»

In Londons Bankenbranche geht die Angst vor einem Austritt Grossbritanniens aus der EU um. Dieser würde dem zweitgrössten Finanzzentrum der Welt grossen Schaden zufügen, befürchten viele Analysten. Londons Bürgermeister Boris Johnson dagegen spricht von neuen Chancen.

Legende: Video Brexit-Referendum wirft Schatten voraus abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.03.2016.

Nähme die britische Wirtschaft bei einem EU-Austritt Schaden oder bekäme sie vielmehr neue Chancen? Dies wird im Abstimmungskampf zum «Brexit»-Referendum am 23. Juni eine der zentralen Streitfragen in Grossbritannien bleiben. Über sind bereits jetzt dunkle Wolken aufgezogen.

Osborne: «Es geht hier um unseren Lebensstandard!»

Ein «Brexit» könnte dem zweitgrössten Finanzzentrum der Welt schweren Schaden zufügen, befürchten 39 von 45 durch die Nachrichtenagentur Reuters befragte Währungsexperten. Und eben erst machte Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron den Londoner Bankern gar Avancen, sie seien nach einem «Brexit» in Paris willkommen.

Kursverlauf des Pfundes
Legende: Währung als Blitzableiter für die Verunsicherung: Das Pfund verlor gegenüber dem Euro seit November rund 12 Prozent. srf

Zwar wird erst Ende Juni abgestimmt, aber schon die Unsicherheit über die Zukunft des Landes in der EU zeigt Wirkung: Seit November hat das britische Pfund gegenüber dem Euro rund 12 Prozent verloren. Dieser Schatten, den die «Brexit»-Abstimmung in der Londoner City vorauswirft, mobilisiert die Unternehmer: 200 von ihnen haben sich kürzlich in einem offenen Brief für einen Verbleib in der EU ausgesprochen.

Auch Finanzminister George Osborne warnt eindringlich vor einem Alleingang: «Wir sprechen hier nicht von einem lustigen Ausflug ins Unbekannte. Es geht hier um unsere Jobs, unseren Lebensstandard. Das ist eine todernste Sache.»

Boris Johnson sieht neue Chancen

Allerdings teilen die Besorgnis des Finanzministers auch in London nicht Alle. Boris Johnson, immerhin Bürgermeister der grössten Finanzmetropole Europas und nach wie vor das Gesicht des «Brexit»-Lagers, sieht in einem EU-Austritt vielmehr neue Möglichkeiten: «Nur so können wir neue Freihandelsabkommen mit Wachstumsländern schliessen und nebenbei 350 Millionen Pfund pro Woche an EU-Beiträgen sparen.» Grossbritannien müsse aus dem Auto aussteigen, in dem man als Beifahrer eines unberechenbaren Chauffeurs sitze, ohne die Kontrolle über die eingeschlagene Richtung zu haben.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Kleinhänschen stellt sich einen Austritt aus der EU wohl als Bagatelle und womöglich als erstrebenswertes Ziel an. Aber jetzt entflechten sie mal ein Netzwerk, das sich in Jahrzehnten gebildet hat und ordnen Sie es neu und das bei der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas. Und leicht würde man es den Briten bei Neuverhandlungen mit der EU bestimmt nicht machen und der Kuhhandel wird dann über Jahre gehen und auf solche Unsicherheiten reagieren die Märkte sehr allergisch.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      In der Zwischenzeit würde der Herr Chauvet vor Hunger sterben, weil es in der EU nichts mehr zu beissen gäbe oder wie stellen sie sich den Kuhhandel und das von ihnen heraufbeschworene Chaos denn vor ?
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Kaiser: Bevor man hier in Wirtshaus-Polemik verfällt, sollte man sich besser schlau machen.Könnte Ihnen da einen Artikel aus britischer Sicht in "theguardian" wärmstens empfehlen: "Brexit – what would happen if Britain left the EU?" Vielleicht könnten daraus Rückschlüsse daraus gezogen werden, falls die Schweiz keine neuen Verträge mit der EU bekommt.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Es ist immer dasselbe - die Wirtschaft profitiert und füllt sich die Taschen - die öffentliche Hand übernimmt den Schaden. Da sich die Wirtschaft aber zunehmend politischen Einfluss verschfft hat, entkoppelt sie sich vom öffentlichen Interesse. Deutsch und deutlich: Die Wirtschaft zahlt immer weniger Steuern, steigert aber gleichzeitig ihre Gewinne ebenso wie ihre politische Macht - weltweit!
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    ANGST... und dann wenns zum Austritt kommt... ja dann ... dann gehts ploetzlich auch... und man staunt darueber
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Wieso? Ist schon einer ausgetreten? Erst nach BREXIT könnte man das an einem praktischen Fall studieren. Jedenfalls ist London weltgrößter Finanzplatz. Viele internationale Finanzdienstleister haben ihren Sitz in London, eben um ein Standbein in der EU zu haben und haben im Falle des BREXIT schon mal die Verlegung ihrer Firmensitze angekündigt GB müsste die Beziehungen zur EU völlig neu regeln, Unsicherheit über Jahre hinweg. Also leicht würde es den Briten dann bestimmt nicht gemacht.
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