Trump gegen die Wissenschaft Grosse Besorgnis bei US-Forschern

Unter Donald Trump fürchtet die US-Wissenschaft um ihren Stellenwert. Der Präsident hat den Klimawandel schon als «Schwindel» bezeichnet und hält Impfungen für «gefährlich». Jetzt versuchen die Wissenschaftler, sich zu wehren.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Boston (USA) findet ein grosses Treffen von Wissenschaftlern statt
  • Die Forscher befürchten, dass wissenschaftliche Programme durch die wissenschaftskritische Haltung der Trump-Regierung gefährdet sind
  • Über 60 Nobelpreisträger aus den USA haben gegen das Einwanderungs-Dekret von Präsident Trump Stellung bezogen.

Wie es wohl mit der Wissenschaft weitergeht, wenn die Regierung Fakten missachtet, fragen sich viele Forscherinnen und Forscher derzeit in den USA. Rush Holt, Leiter der grössten Wissenschaftsvereinigung American Association for the Advancement of Science (AAAS) sagt, die Besorgnis unter den Wissenschaftlern sei grösser als er das je erlebt habe.

Viele von ihnen beginnen, sich zu äussern. 40'000 Wissenschaftler haben eine Petition gegen das Einwanderungsdekret Donald Trumps unterschrieben. Über sechzig davon sind Nobelpreisträger, wie Andrew Fire, Professor für Pathologie an der Universität Stanford. «Die USA machen die Tore zu. Wir sind aber für vieles auf den internationalen Austausch angewiesen, vom Fortschritt in der Medizin bis hin zur nationalen Sicherheit.»

Erfolgsgeschichte der USA beruht auf Einwanderern

Ein weiterer Nobelpreisträger, der die Petition unterschrieben hat, ist Randy Schekman, Professor für Zellbiologie an der Universität Berkeley. Einwanderer hätten die Erfolgsgeschichte der USA ermöglicht, sagt er: «Einwanderer sind das Rückgrat der Wissenschaft in den USA. Ein Drittel der Mitglieder der prestigereichen Nationalen Akademie der Wissenschaften sind im Ausland geboren. Kehren wir den Immigranten den Rücken, so schadet das uns selber.»

Er habe noch nie erlebt, dass ein Präsident so wenig Wert legt auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Das sei besorgniserregend, sagt Schekman. «Andere Länder, die Fakten und wissenschaftliche Prinzipien schätzen, werden daraus einen Vorteil ziehen. So investiere China nun massiv in die Grundlagenforschung. Die USA riskierten die Hegemonie, die sie in der Wissenschaft hatten, zu verlieren.»

US-Forscher arbeiten in China

Er sei in China gewesen und habe gestaunt darüber, was er dort gesehen habe. Das Land der Mitte ziehe bereits heute Forscher an, die in den USA ausgebildet wurden. Die Angst vor Bedeutungsverlust, aber auch Sorgen um konkrete Programme, treiben derzeit die Wissenschaftler in den USA um.

So herrscht die Befürchtung, dass die Trump Regierung das NASA-Programm streichen könnte, für das ein Satellit den Globus umkreist und beobachtet. Es misst Entwaldung, den Rückgang der Gletscher und des Polareises und liefert wichtige Daten für die Klimaforschung.

Klimaerwärmung angezweifelt

Donald Trump hat noch wenig gesagt zum Thema Wissenschaft, ausser, dass er den Klimawandel als Schwindel erachtet und Impfungen für gefährlich hält. Die Ämter, die sich damit befassen, hat er noch nicht besetzt. Sein Schweigen verheisse nichts Gutes, sagt Rush Holt, Chef der Wissenschaftsvereinigung AAAS.

Dass Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse ausgeblendet würden, sei kein neuer Trend. Schliesslich bezweifle die republikanische Partei, dass die Klimaerwärmung stattfindet und vom Menschen verursacht ist. «Seit vielen Jahren verdrängt die Ideologie wissenschaftliche Erkenntnisse hier in den USA, und das hat nun ein besorgniserregendes Mass erreicht.» Das sei gefährlich.

Denn wenn eine Regierung Wissen bewusst ausblende, so mache sie mehr Fehler, sei weniger fähig, mit Krisen umzugehen. Letztlich schädige sie die Menschen. Das könne man nicht zulassen, findet Holt, ein Physiker, der jahrelang für die Demokraten im Kongress sass. Wissenschaftler müssten sich stärker in die öffentliche Debatte einbringen.

Was ist der Beweis?

«Sie müssen nicht nur die Details ihrer Forschung verteidigen, sondern besser erklären, wieso sie diese durchführen und wie. Und den Menschen erklären, dass sie die Gelegenheit, ja die Pflicht haben bei jeder Aussage, die sie hören zu fragen: was ist der Beweis?»

Dafür setzt sich Rush Holt mit der AAAS ein. Diese Frage solle das Mantra der USA werden. So könne es sich die Regierung nicht mehr leisten, wissenschaftliche Erkenntnisse ungestraft in den Wind zu schlagen.