Guatemalas Ex-Präsident in U-Haft

Nach bewegten Tagen erhält das mittelamerikanische Land einen neuen Staatschef. Der frühere Richter Maldonado will die Demokratie wieder herstellen. Der bisherige Präsident Pérez kommt wegen Korruptionsverdachts in Untersuchungshaft.

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Bildlegende: Ex-Präsident Otto Pérez wird von der Polizei ins Matamoros-Gefängnis in Guatemala City gebracht. Keystone

Kurz nach seinem Rücktritt musste der frühere guatemaltekische Präsident Otto Pérez in Untersuchungshaft. Nach einer stundenlangen Anhörung zu Korruptionsvorwürfen ordnete ein Richter am Donnerstag die Festsetzung des Ex-Generals an. Damit soll eine Flucht des 64-Jährigen verhindert werden.

Der Jubel in der Bevölkerung über diese Nachricht war gross, wie Lateinamerika-Korrespondentin Sandra Weiss berichtet. «Menschen feierten, sangen die Nationalhymne und schwenkten Fahnen.»

Viele begrüssten Pérez' Inhaftierung als ein Schritt auf dem Weg zu mehr Demokratie und mehr Rechtstaatlichkeit. «Aber es gab auch warnende Stimmen, die jetzt Unregierbarkeit und Instabilität aufziehen sehen», sagt die Journalistin.

Unterdessen wurde Vizepräsident Alejandro Maldonado als neuer Staatschef des mittelamerikanischen Landes vereidigt. «Wir können unsere Demokratie, unsere Werte wieder herstellen», sagte Maldonado nach der Zeremonie im Kongress.

Ultrarechter Vize leitet Amtsgeschäfte

Der Jurist rief alle Minister zum Rücktritt auf, um ein neues Kabinett bilden zu können. Maldonado war bis Mai Mitglied des Verfassungsgerichts, bevor er die Nachfolge der ebenfalls im Zuge der Korruptionsaffäre zurückgetretenen Vizepräsidentin Roxana Baldetti antrat.

Der 79-Jährige gehörte während des Bürgerkrieges dem ultrarechten Spektrum an und diente mehreren Militärregierungen als Botschafter. In seine Zeit als Verfassungsrichter fällt eine umstrittene Entscheidung, die Auslieferung des ehemaligen Diktators Efraín Ríos Montt nach Spanien zu verhindern. Als Abgeordneter sass er für verschiedene konservative Parteien im Parlament.

Schwere Vorwürfe gegen Pérez

Pérez war in der Nacht auf Donnerstag zurückgetreten, nachdem ein Richter Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte. Die Ermittler werfen dem Ex-General die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Bestechlichkeit und Betrug vor.

Er soll an der Spitze des Korruptionsrings «La Línea» gestanden haben, der im Zollwesen Millionen von Dollar unterschlagen hatte. «Ich stelle mich der Justiz», sagte Pérez vor seiner Verlegung in ein Militärgefängnis. «Ich habe nicht vor, mich abzusetzen. Ich hätte das Land verlassen oder Asyl beantragen können. Daran habe ich aber nicht einmal gedacht. Morgen werde ich die Vorwürfe widerlegen.»

Reguläre Wahlen am Sonntag

Das rund 15 Millionen Einwohner zählende Land wird seit Monaten von einer Reihe von Korruptionsskandalen erschüttert. Mehrere Minister traten bereits zurück.

Am Sonntag finden in Guatemala planmässig Präsidenten- und Parlamentswahlen statt. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zu friedlichen Wahlen auf. Er vertraue darauf, dass die Behörden gemäss der Verfassung handelten und einen geordneten demokratischen Übergang sicherstellten, teilte ein Sprecher des UNO-Generalsekretärs in New York mit.