Haiders Fussballstadion in Klagenfurt: Ein teurer Spass

Etwas über 60 Millionen Euro hätte es kosten sollen, fast 100 Millionen sind es dann geworden: das Wörthersee-Stadion im österreichischen Klagenfurt. Jörg Haider, der verstorbene Landeshauptmann, hat Kärnten damit, wie der Rechnungshof jetzt ausgerechnet hat, ein weiteres Fass ohne Boden beschert.

Das Wörthersee-Stadion in Klagenfurt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Wörthersee-Stadion fasst 32'000 Zuschauer – dem lokalen Fussballclub schauen nur ein paar Hundert zu. Keystone

Über sieben Jahre hat der Rechnungshof des österreichischen Landes Kärnten gebraucht, um die Tatsachen, die schon alle ahnten, öffentlich zu machen. Doch erst nach dem Tod von Landeshauptmann Jörg Haider und dem Regierungswechsel zu Rot-Grün begann die Kontrollstelle unter neuer Leitung wohl richtig mit Rechnen.

Das Stadion kostete fast 100 Millionen statt der geplanten etwas über 60 Millionen Euro. Es wurde ohne vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung gebaut, mitten in einem Einfamilienhausquartier und ohne Anschluss an einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr.

Jeweils nur ein paar Hundert Zuschauer

Für die Europameisterschaft 2008 provisorisch eröffnet, ist das Stadion erst seit diesem Frühling voll bespielbar. 32'000 Zuschauer fasst es nun, fertig ausgebaut und mit allen Bewilligungen versehen, doch seit Jahren verlieren sich höchstens ein paar Hundert jeweils im Rund, wenn der lokale Fussballclub, Austria Klagenfurt, seine Heimspiele in der Regionalliga Mitte gegen Gleisdorf oder Union St. Florian austrägt.

Die jährlichen Folgekosten für den Arena-Betrieb betragen 1,2 Millionen Euro. Konsequenzen für diesen teuren Spass wird allerdings niemand übernehmen müssen. Jörg Haider ist tot, die anderen Verantwortlichen abgewählt oder in Rente. Und ein Abriss des Stadions würde auch kosten.

Dabei hat Kärnten kein Geld, nur zehn Milliarden Euro Schulden. Das ist das teure Erbe der Haider-Ära mit ihrem Bankencrash, der Gratisautoprüfung für Jugendliche oder dem «Rentner-Hunderter» an Silvester. Es ging um Brot und Spiele. Das Stadion für letztere ist nun immerhin vorhanden.

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    Günter Kaindlstorfer