Sturm hat Vor- und Nachteile «Harvey» betrifft auch Schweizer Firmen

Der Tropensturm «Harvey» im US-Bundesstaat Texas macht auch vielen Schweizer Firmen das Leben schwer. Denn: Texas ist ein wichtiger Standort für die Schweizer Wirtschaft.

Der US-Bundesstaat Texas ist wichtig für die Schweizer Wirtschaft. Über 80 Schweizer Firmen sind vor Ort – viele in der Region Houston – und sind damit direkt oder indirekt vom Tropensturm Harvey betroffen.

Angestellte kommen nicht an den Arbeitsplatz

Houston ist der wichtigste Umschlagplatz für Öl und Gas in den USA. Die Chemieindustrie ist deshalb dort angesiedelt. Auch jene aus der Schweiz: Clariant beschäftigt 350 Angestellte an 20 Standorten rund um die Ölmetropole. Produziert werden Zusatzstoffe für die Ölindustrie. Jochen Dubiel, Pressesprecher von Clariant, sagt: «Die durch den Sturm entstandenen Schäden an den Einrichtungen sind gering. Doch die Zugänge sind wegen der Überflutungen eingeschränkt.»

Beim Agrochemiekonzern Syngenta läuft im texanischen Werk schon seit Samstag nichts mehr. Auch die Fabrik von Lonza steht still. Ähnlich wie bei Clariant ist weniger das Wasser in den Hallen das Problem, als die Wassermassen auf dem Weg zur Firma für die 170 Mitarbeiter.

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US-Wirtschaft läuft wieder an

Teile der Wirtschaft fahren ihre Aktivitäten in Texas hoch. Die Erdöl-Raffinerien dürften schrittweise ihre Tätigkeiten wieder aufnehmen. In Houston machten die ersten Geschäfte wieder auf. Der öffentliche Nahverkehr in der Millionen-Metropole lief in begrenztem Umfang an. Die ersten Flüge von United und American Airlines wurden wieder aufgenommen.

Jene, welche die Öl- und Gasindustrie ausrüsten, leiden ebenfalls. Beispiele sind ABB, Burckhardt Compression oder Sulzer. Für ABB sei Houston mit 600 Angestellten sehr wichtig, sagt ein Sprecher am Hauptsitz in North Carolina. Noch immer habe man zu einigen Standorten keinen Zugang.

Bei Burkhardt Compression sagt CEO Marcel Pawlicek, die Schäden seien zwar überschaubar, doch die handwerklichen Arbeiten wie die Reparaturen oder die Produktion stünden still.

Einige Firmen können profitieren

Mittelfristig könnten die Infrastruktur-Anbieter jedoch von der Flut profitieren. Sulzer hat in Houston ein grosses Servicezentrum, das überflutet wurde. Die Aufräumarbeiten liefen, sagt Sprecher Rainer Weihofen. Doch er sagt auch, dass das Unternehmen längerfristig gar von «Harvey» profitieren könne.

Denn das Kerngeschäft in Texas sei das Reparieren und die Instandhaltung für Pumpen, Generatoren oder Kompressoren – also Maschinen, die in der Ölindustrie eingesetzt werden. «Es ist also denkbar, dass wir am Ende durch den Sturm ein Zusatzgeschäft bekommen.»

Bei Burkhardt Compression tönt es gleich – und bei ABB haben Kunden bereits Aufträge deponiert.

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Der Regen in Houston hat aufgehört und langsam wird klar, welchen Schaden der Tropensturm «Harvey» angerichtet hat. Schätzungen zufolge ist es der drittgrösste Sturm in den USA. «Harvey» ist mittlerweile weitergezogen an die Küste von Louisiana. Einschätzungen von Korrespondent Thomas von Grünigen in Houston. Dieser Tropensturm hinterlässt auch Spuren in der Wirtschaft

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    Aus glanz und gloria vom 30.8.2017

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    Wirbelsturm Harvey hat in Texas Milliardenschäden angerichtet. Der Regen soll auch in den nächsten Tagen nicht nachlassen. Sechs Menschen starben, zahlreiche werden vermisst.

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    Der als nicht sehr bedrohlich geltende Wirbelsturm Harvey bekam plötzlich eine Dimension, die US-Meteorologen als «jenseits allem bisher Erlebten» beschrieben. Was ist da passiert, was ist bei Harvey besonders gefährlich? Anders Levermann, Klimawissenschaftler, erklärt das Phänomen.

    Nicoletta Cimmino