«Hau ab!» – Grosse Wut auf Ministerpräsident in Tunesien

Der tunesische Regierungschef hat sich vage über seine Rücktrittsabsichten geäussert. Die Opposition ist enttäuscht. Erneut sind Zehntausende auf die Strasse gegangen.

Ali Larayedh Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Tunis wurde erwartet, dass Ministerpräsident Ali Larayedh den Rücktritt seiner Regierung ankündigen könnte. Keystone

Die Bildung einer neuen Übergangsregierung in Tunesien lässt auf sich
warten. Der tunesische Ministerpräsident Ali Larayedh hat in einer Ansprache seine Bereitschaft zum Rücktritt zwar bekräftigt. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er aber nicht.

Ob der «nationale Dialog» zwischen den regierenden Islamisten und der Opposition, der eigentlich beginnen sollte, nach Larayedhs Rede eingeleitet würde, war angesichts der Enttäuschung der Opposition über die wenig konkrete Ansprache des Regierungschefs unklar.

Der Dialog soll den politischen Stillstand überwinden, der das nordafrikanische Land seit Ende Juli lähmt. Damals hatte die Ermordung des Oppositionspolitikers Mohammed Brahmi ein politisches Chaos in Tunesien ausgelöst. Angelastet wurde die Tat islamischen Fundamentalisten.

«Dégage, dégage!» – «Hau ab, hau ab!»

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Blutige Kämpfe

Islamische Terroristen haben sich im zentraltunesischen Verwaltungsbezirk Sidi Bouzid Kämpfe mit Sicherheitskräften geliefert. Dabei kamen nach Angaben des staatlichen Fernsehens drei Mitglieder der Nationalgarde sowie zwei Terroristen ums Leben.

Zum zweiten Jahrestag der ersten freien Wahlen in Tunesien haben gestern erneut Tausende Menschen für einen sofortigen Rücktritt der von Islamisten geführten Regierung demonstriert.

Die Anhänger verschiedener Oppositionsparteien zogen über die Avenue Habib Bourguiba im Herzen der Hauptstadt Tunis und skandierten Parolen wie «Haut ab» oder «Mörder». Sie fordern seit Monaten die Bildung einer Übergangsregierung aus unabhängigen Experten sowie transparente Neuwahlen.

Mobilisiert hatten die unabhängige Jugendbewegung Tamrod (Rebellion) sowie die wichtigsten Oppositionsparteien. Auch in anderen Städten des Landes kam es zu Demonstrationen.