Zum Inhalt springen

International Hinweise auf eine Vergiftung Arafats

Der verstorbene palästinensische Führer Jassir Arafat wurde möglicherweise 2004 mit radioaktivem Polonium vergiftet. Wissenschaftler aus Lausanne haben in seinen Überresten erhöhte Werte der radioaktiven Substanz festgestellt.

Wandgemälde von Arafat
Legende: Arafat starb im Alter von 75 Jahren. Reuters

Jassir Arafat, der 2004 verstorbene Präsident der palästinensischen Autonomiegebiete, kam nach Angaben seiner Witwe durch Vergiftung mit dem radioaktiven Stoff Polonium ums Leben.

«Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass er keines natürlichen Todes starb», sagte Suha Arafat der Nachrichtenagentur Reuters in Paris. Sie berief sich dabei auf Ergebnisse des Instituts für Strahlenphysik an der Lausanner Universitätsklinik, das den Leichnam Arafats untersucht hatte.

«Das ist eine grosse Überraschung»

Auch der britischen Zeitung «The Guardian» und dem katarischen TV-Sender Al-Dschasira lagen die Testergebnisse vor. Laut Al-Dschasira wurden in den sterblichen Überresten Arafats 18 Mal höhere Werte an Polonium als normal entdeckt.

Es sei daher in einem hohen Grad an Sicherheit davon auszugehen, dass Arafat mit Polonium vergiftet wurde, zitierte Al-Dschasria aus dem Bericht.

Legende: Video SRF-Nahost-Korrespondent Pascal Weber («10vor10») abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Vom 06.11.2013.

Russische Experten hatten hingegen eine Vergiftung Arafats mit Polonium ausgeschlossen. Ein französisches Gutachten steht noch aus. Arafats Witwe Suha sprach von einem «Verbrechen des Jahrhunderts».

Mit dem Befund einer Vergiftung Arafats liessen sich die Massen in Palästina wohl mobilisieren, vermutet SRF-Korrespondent Pascal Weber in «10vor10». Er ist skeptisch, ob mögliche Täter in Israel zu suchen seien. Denn zum Zeitpunkt seines Todes stellte Arafat für Israel kaum mehr eine Gefahr dar.

Der amerikanische Al-Dschasira-Reporter Clayton Swisher, der für seine Recherche «What killed Arafat» mehrfach ausgezeichnet wurde, mag über eine Täterschaft nicht spekulieren. Er sagt gegenüber «SRF News Online» aber klar: «Ich bin zu 99,9 Prozent sicher, dass sich Arafat nicht selbst umgebracht hat.» Swisher kommentiert das Resultat der Lausanner Wissenschaftler als «grosse Überraschung».

Legende: Video «Al-Jazeera»-Reporter Clayton Swisher abspielen. Laufzeit 0:42 Minuten.
Vom 06.11.2013.

Der Palästinenserführer war vor neun Jahren in einem Pariser Krankenhaus gestorben. Bereits damals wurde gemutmasst, dass Fremdverschulden im Spiel sein könnte. Im November 2012 entnahmen Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland etwa 60 Proben aus Arafats Grab.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Eine Ermordung z.B. durch den Mossad ist gut möglich, aber dann hätte es höchstens eine verspätete Abrechnung für Taten sein können, die die einen als Terrorakte und die anderen als Taten zugunsten eines "Freiheitskampfes" sehen. Diese Geschichte hat jedoch einen Haken: Arafat hatte im Jahr 2004 seine "beste" Zeit schon längst hinter sich. Zudem müssen wir diese Meldung auch so sehen: Die "Palästinenser" sind heute nicht einmal mehr in der arabischen Welt noch eine Schlagzeile wert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Schneider, TG
    Und weshalb haben die Russen nichts gefunden...?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniel Kurmann, Basel
    naja, es gäbe da zwei Schlussfolgerungen: 1. rabin und arafat sind von chronischen Gegnern irgend eines Friedensprozesses ermordet worden. oder 2. ... also al jazeera berichtet ziemlich gut. das wäre doch mal ein Anfang, nachzusehen, wo diese sehr komische Geschichte ihren Anfang hatte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen