Es ist kurz vor Mittag. Und schon rinnt der Schweiss den Teilnehmenden dieses ersten Hitzemarsches in Mumbai in Strömen den Körper hinunter. «Es ist richtig heiss heute. Passt auf, dass ihr genug trinkt», rät Mitinitiatorin Deepa Kamath.
Gut 33 Grad misst das Thermometer hier in Goregaon East, ganz im Norden der Tropenstadt Mumbai. Dabei hat der indische Sommer noch gar nicht richtig begonnen.
Arme am wenigsten geschützt
Die Gruppe bleibt am Rand einer verwitterten Betonsiedlung stehen. Viele Etagen, Hunderte Wohnungen, kein Baum weit und breit.
Diese Häuser sind in so engem Abstand gebaut, dass der Wind an ihnen vorbeiweht.
Hier leben arme Arbeitsmigrantinnen, Rikschafahrer, Köchinnen, Strassenwischer. Sie sind es, die am wenigsten geschützt sind gegen die Hitze und am meisten darunter leiden. «Diese Häuser sind in so engem Abstand gebaut, dass der Wind an ihnen vorbeiweht», sagt Umweltingenieur Vivek Gilani. Dabei könnten die Wohnungen drinnen Durchzug gut gebrauchen.
Gilani klopft gegen eine Aussenmauer. Die Bauherren bauten Wände so dünn wie möglich, um Kosten zu sparen. Das führe dazu, dass die Wände die Aussenhitze nicht abschirmten. «In den Wohnungen ist es deshalb fast genauso heiss wie draussen.»
Deshalb hätten viele Mittelstandswohnungen eine Klimaanlage, sagt der Ingenieur. Für ihn sind Klimaanlagen die Ausrede für schlechtes Bauen.
Klimaanlagen heizen Klima weiter auf
Seine Organisation Fairconditioning hat das Ziel, durch besseres Bauen und Aufklärung von Klimaanlagen wegzukommen. Diese verbrauchten Energie, produzierten klimaschädliche Emissionen und heizten das Klima weiter auf.
Farhad Sayed wohnt im siebten Stock und hat keine Klimaanlage. Das einzige Fenster ihrer Einzimmerwohnung direkt unter dem Dach ist weit geöffnet. Die Luft steht trotzdem still.
«Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, ist es besonders heiss», sagt die Mutter einer achtjährigen Tochter. Wenn sie mit Gas koche, werde es noch wärmer. Nachts könne sie wegen der Hitze erst gegen vier Uhr einschlafen, um sieben wache sie wieder auf. Sie schliefen am Boden. Da sei es etwas kühler als im Bett.
Ingenieur Vivek verteilt Messgeräte. Und fordert die Gruppe auf, erst die Temperatur an Wänden und Decke und dann die Luftfeuchtigkeit zu messen. Es ist mehr als 34 Grad Celsius warm.
Die fast 70-prozentige Luftfeuchtigkeit lässt die gefühlte Temperatur noch einmal um ein paar Grade steigen. In einer Ecke des Raumes steht ein vergilbter elektrischer Raumkühler.
Doch der funktioniere nicht, sagt Farhad Sayed. Sie vermutet, wegen der feuchten Luft. Eine richtige Klimaanlage könne sie sich nicht leisten. Alles, was sie mache gegen die Sommerhitze, sei: viel zu trinken.
Nach zwei Stunden ist der Marsch vorbei. Zum Abschluss sollen die verschwitzten Mitmarschierenden sagen, was sie gegen die Hitze tun würden. Die Tour soll zum Denken anregen und vor allem: zum Handeln.
Wir wollen zeigen, dass die Klimakrise keine ferne Bedrohung, sondern längst da ist.
Hitze sei zwar bestens erforscht, sagt Umweltingenieur Gilani. Es gebe auch indienweit Dutzende Hitzeaktionspläne. Was aber fehle, sei die Umsetzung. Mit dem Hitzemarsch wollen er und seine Mitstreiter aufrütteln. «Wir wollen zeigen, dass die Klimakrise keine ferne Bedrohung ist, sondern längst da.»
Dann muss Vivek Gilani los. Es gibt noch viel zu tun im Kampf gegen die Hitze.