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International Hollande verspricht Schliessung des Flüchtlingslagers von Calais

Seit Monaten liefert das Flüchtlingslager im französischen Calais Zündstoff für gehässige politische Debatten. Ein weiteres Mal hat nun Präsident François Hollande die Schliessung des Lagers versprochen. Nicht alle finden das eine gute Idee.

Legende: Video Flüchtlingslager Calais vor dem Aus abspielen. Laufzeit 00:39 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 26.09.2016.

Frankreichs Präsident François Hollande hat bei einem Besuch in Calais die endgültige Schliessung des Flüchtlingscamps zugesichert. Die Regierung werde «diesen Weg zu Ende gehen», sagte Hollande. In dem als «Dschungel von Calais» bekannten Lager in der Nähe des Hafens am Ärmelkanal leben etwa 7000 Menschen in Hütten und Zelten. Immer wieder versuchen Migranten, auf Lastwagen in Richtung Grossbritannien zu gelangen.

Hollande blieb dem Lager fern

Die Situation ist politisch brisant, auch mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr. Die Räumung wurde Anfang September angekündigt, die Menschen sollen auf Aufnahmezentren im ganzen Land verteilt werden. Ein Datum ist noch nicht bekannt, Hollande hatte am Samstag aber von den «kommenden Wochen» gesprochen. Wer kein Recht auf Asyl hat, soll ausgewiesen werden.

Der sozialistische Präsident begründete die Pläne in einer Rede vor Polizisten auch mit humanitären Gesichtspunkten. «Wenn wir Würde, Solidarität und Schutz sicherstellen wollen, müssen wir das Heideland von Calais räumen», betonte er. Es war sein erster Besuch als Staatschef in Calais, zum «Dschungel»-Gelände begab er sich nicht.

Warnung an die Gegner

Er warnte davor, die Situation zu instrumentalisieren – eine Anspielung auf konservative Oppositionspolitiker, die angesichts der Regierungspläne vor vielen «Mini-Calais» in ganz Frankreich gewarnt hatten. Zugleich äusserte Hollande Verständnis für Unmut in der Region Calais. Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbrüche, Lastwagenfahrer fürchten Strassenblockaden durch Migranten, Tag für Tag sind Hunderte Polizisten im Einsatz.

Ein Tunnel, bewacht wie ein Tresor

In Calais sammeln sich schon seit Jahren Migranten, die illegal nach Grossbritannien gelangen wollen. Im Zuge der internationalen Flüchtlingskrise spitzte sich die Situation aber zu. Seit dem Frühjahr 2015 entstand auf einem Brachland ein Lager aus Zelten, Hütten und inzwischen auch vom Staat finanzierten Containern.

Obwohl die Behörden einen Teil des Geländes im März räumten, leben dort aktuell 6500 bis 7500 Menschen. Hilfsorganisationen sprechen sogar von mehr als 10 000 Migranten. Der Hafen und der Tunnel unter dem Ärmelkanal werden inzwischen streng abgeschirmt. «Die Grenze ist komplett dicht», sagte Hollande.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Na, wenigstens ist der Begriff halb richtig gewählt. Waren es Anfangs dieses Jahres noch "Flüchtlinge" sind es jetzt doch schon "Migranten". Es handelt sich aber um illegale Migranten! Sollte sich diese korrekte Bezeichnung durchsetzen, wäre das auch schon der Anfang vom Ende dieses Spuks!
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Also was ist nun ihr konkreter Vorschlag um diesen Menschen aus ihrer katastophlaler Lage zu befreien?
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Das entspricht doch so gar nicht seiner linken Gepflogenheit. Oder nennt man das schon Wahlkampf? Befürchtet Hollande, dass er bei Neuwalen zugunsten der Rechten abgewählt werden könnte? Immerhin konnte er die Terroranschläge nicht verhindern.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Hätte Frankreich im März das Lager vollständig aufgelöst, wären nicht noch Tausende Neu dazu gekommen. Aber hätte....Frankreich kan sicher nicht alle unterbringen. Ich warte nur auf den Entscheid der EU, alle Länder müssen einen Teil aufnehmen. Die Beruhigungspille von Ausschaffung die Hollande anbringt wie Merkel, ist eine Utopie. Welches Land soll das sein, welches die Menschen zurücknimmt, diese Antwort gibt keiner. Wo werden Verhandlungen geführt? Davon wird nicht berichtet.
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