Hongkong-Proteste: Sturm aufs Parlament misslingt

In der Nacht auf Mittwoch ist es in Hongkong zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Erstere haben versucht, das Parlament zu besetzen – allerdings ohne Erfolg. Ob es sich dabei um Mitglieder der Studentenproteste handelt, ist unklar.

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Hongkong kommt nicht zur Ruhe

1:09 min, aus Tagesschau am Mittag vom 19.11.2014

In der Nacht auf Mittwoch haben Demonstranten versucht, das Parlamentsgebäude zu besetzen. Die Polizei drängte die Eindringlinge zurück und setzte dabei Pfefferspray ein. Nach Angaben der Polizei versuchten die ersten Demonstranten gegen 1 Uhr morgens, in das Parlamentsgebäude einzudringen. Laut Augenzeugen sind in den darauf folgenden Stunden immer mehr vermummte Protestierende zu dem Gebäude geströmt. Wiederholt sei es zu kleineren Zusammenstössen mit Sicherheitskräften gekommen.

Augenzeugen sprachen von vermummten Aktivisten, die in das Parlamentsgebäude eindringen wollten. Sie berichteten, dass Menschen versuchten, Glasscheiben und Türen zu zertrümmern, um in das Gebäude zu gelangen.

Beamte nahmen vier Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren fest, wie die Polizei mitteilte. Ihnen wird unter anderem Sachbeschädigung vorgeworfen. Drei Polizisten wurden gemäss den Angaben verletzt und im Spital behandelt.

Regierung verurteilt Angriff

Die Hongkonger Regierung kritisierte Angriffe von vermummten Demonstranten auf das Parlamentsgebäude scharf. In einer Mitteilung hiess es, die Angreifer seien mit Eisenstangen und Steinen bewaffnet gewesen und hätten das Gebäude stark beschädigt. Das Gebäude wurde am Mittwoch für die Öffentlichkeit geschlossen und Parlamentssitzungen wurden vorerst ausgesetzt.

Es war zunächst nicht klar, ob die Angreifer zur Gruppe der Demonstranten gehörten, die seit Wochen für mehr Demokratie in Hongkong eintreten. Protestführer hatten ihre Anhänger immer wieder dazu aufgerufen, die Polizei nicht unnötig zu provozieren und die Bevölkerung nicht mit neuen Strassenbesetzungen zu belästigen.

Zusammenstösse zwischen Polizisten und Demonstranten in Hongkong Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Demonstrant geht zu Boden, als die Polizei in Hongkong die Menschen vom Parlamentsgebäude wegjagt. Reuters

Proteste seit gut zwei Monaten

Die Proteste hatten sich vor gut zwei Monaten an den Plänen Pekings entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Seit der Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie 1997 an China wird Hongkong als eigenes Territorium autonom regiert.

Am Dienstag hatten Polizisten und Arbeiter begonnen, Strassensperren am wichtigsten Protestlager auf der Insel Hongkong zu räumen. Ein Gericht hatte die Räumung angeordnet. Zuletzt hatten noch mehrere hundert Aktivisten am Protestlager in Admiralty nahe des Regierungssitzes auf der Insel Hongkong ausgeharrt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Räumung von Hongkonger Protestlager

    Aus Tagesschau vom 18.11.2014

    In Hongkong sind wichtige Lager der Protestbewegung von der Verwaltung geräumt worden. Die Demokratie-Aktivisten leisteten keinen Widerstand. Sie haben sich zum Teil in andere Lager zurückgezogen. Seit sieben Wochen setzen sich die Studenten für freie Wahlen ein.

  • Dialog in Hongkong

    Aus Tagesschau vom 21.10.2014

    Die Studentenproteste kommen in eine zweite Phase. Heute sollen Gespräche zwischen den Demonstranten und der Hongkonger Regierung stattfinden. Dies, nachdem die Regierung Anfang Oktober Verhandlungen abgesagt hatte.

  • Gesprächsangebot für Demonstranten in Hongkong

    Aus Tagesschau vom 19.10.2014

    In Hongkong ist es bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten zu rund 30 Verletzten gekommen. Zuvor hatte die Regierung den Demonstranten noch überraschend ein Angebot für Gespräche gemacht.