Hunderte suchen ihr Glück in Europa via Melilla

Letzte Woche haben in Melilla mehrere hundert Menschen den Grenzzaun überwinden können. Sie hoffen auf ein besseres Leben in Europa. Ein SRF-Mitarbeiter erklärt, warum sie es via die spanische Exklave in Nordafrika versuchen.

Zwei Männer verstärken den Grenzzaun auf Leitern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Letzte Woche wurde der Grenzzaun in der spanischen Exklave Melilla mit Netzen verstärkt. Keystone/Archiv

Schon vor einigen Wochen war es mehreren Hundert Flüchtlingen gelungen, die spanischen Grenzanlagen zu überwinden. Das sporne nun andere Migranten an, es ebenfalls in Melilla zu versuchen, sagt Beat Stauffer, SRF-Mitarbeiter in Nordafrika. Allerdings hält er dies nicht für den wichtigsten Faktor, warum sich der Ansturm zurzeit auf Melilla konzentriert.

Auch der internationale Kontext sei ausschlaggebend, und der habe sich in den letzten Monaten verändert. «Die Westroute, die von den Sahelländern via Mauretanien über Marokko in den Norden führt, ist sehr viel schwieriger geworden, und vor allem die Grenze zu Algerien ist laut verschiedenen Berichten in den letzten Monaten massiv verstärkt worden.» Ein Durchkommen sei dort viel heikler geworden.

In spanischen Medienberichten war letzte Woche vermeldet worden, dass in den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres bereits gleich viele Menschen via Melilla nach Spanien gelangt seien wie im ganzen letzten Jahr.

Übertriebene Zahlen?

Laut den spanischen und den französischen Medien warten in der Umgebung von Melilla noch rund 40‘000 Personen auf eine Möglichkeit zur Flucht über den Zaun nach Europa.

Diese Zahlen halten Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen aber für übertrieben, sagt Stauffer. «Diese Organisationen gehend davon aus, dass es deutlich weniger Menschen sind.» Sie sprächen von etwa 20‘000 Migranten. «Sie gehen auch davon aus, dass diese Menschen grösstenteils in Marokko sesshaft geworden sind.» Die NGOs halten die Zahlen der Migranten für aufgebauscht, um in Spanien innenpolitisch Druck und Angst vor einer Flüchtlingsinvasion zu machen.

Ein altes Abkommen reaktivieren

Spanien versucht, dem Flüchtlingsstrom mittels eines Rückführungsabkommen beizukommen: Die spanische Regierung will ein Abkommen aus dem Jahr 1992 reaktiveren. Dieses sieht vor, dass Migranten innerhalb von zehn Tagen nach Marokko zurückgeschickt werden können. Stauffer sagt dazu: «Dieses Abkommen wurde nie umgesetzt. Es ist zudem unklar, ob dieses Abkommen der heutigen Gesetzgebung von Marokko und von Spanien noch entspricht.»