Notstand in Jemen Hunderttausend an Cholera erkrankt

In Jemen breitet sich die Cholera-Epidemie rasch aus. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist das Gesundheitssystem des Landes auf Grund des Bürgerkrieges nicht in der Lage, die Seuche einzudämmen.

Frauen in Burka pflegen ein schreiendes Kind Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kinder und ältere Menschen leiden am stärksten an den Folgen der Epidemie. Reuters

  • Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Jemen inzwischen mehr als 100'000 Menschen erkrankt.
  • Rund 800 Menschen seien an der Krankheit gestorben.

Überforderte Spitäler

Die Seuche brach Ende April aus. Das Gesundheitsministerium in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa erklärte Mitte Mai den Notstand und rief Hilfsorganisationen auf, dem Land bei der Eindämmung der Epidemie zu helfen.

Das von rund zwei Jahren Bürgerkrieg gebeutelte Gesundheitssystem ist nicht mehr in der Lage, die Infektionskrankheit in den Griff zu bekommen. Nur wenige medizinische Einrichtungen funktionieren noch. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung haben laut UN-Angaben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Land im Bürgerkrieg

In Jemen kämpfen seit 2015 die schiitischen Huthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi. Sanaa und grosse Teile des Landes werden von den Rebellen kontrolliert. Eine internationale Koalition unter der Führung Saudi-Arabiens versucht, die Aufständischen zu vertreiben.

Tödlich, aber einfach zu bekämpfen

Cholera ist eine schwere bakterielle Darminfektion, hervorgerufen durch ein Bakterium. Typisch sind Durchfall und Erbrechen: Ein Patient mit Cholera kann am Tag bis zu 25 Liter Wasser verlieren. Dieser massive Flüssigkeitsverlust kann schon nach wenigen Stunden zu einem Schockzustand und zum Tod führen. Bei einer Epidemie verbreitet sich die Krankheit von Mensch zu Mensch über verunreinigtes Trinkwasser.
Die Behandlung von Cholera ist einfach und wirksam: Die Patienten müssen mit Trink-Lösungen oder Infusionen rehydriert werden, um das verlorene Wasser zu ersetzen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Jemen-Konferenz und Hintergründe

    Aus Tagesschau vom 25.4.2017

    Rund 50 Länder haben dem Jemen heute gut eine Milliarde Franken versprochen. Gemäss Bundesrat Didier Burkhalter hat die Schweiz ihren Beitrag für dieses Jahr um 50 Prozent auf 14 Millionen Franken erhöht. Auch wenn der Konflikt im Jemen heute auf der internationalen Agenda aufscheint, bleibt der Krieg ein vergessener Krieg.