Illegaler Tierhandel – ein gut organisierter Krieg

Mit der Wilderei in Afrika verdient das organisierte Verbrechen weltweit Milliarden. Auch Milizen finanzieren sich zunehmend mit Elfenbein. Die Konferenz zum illegalen Tierhandel in London will aufklären. Erstmals vertreten ist auch China, wo 70 Prozent des gewilderten Elfenbeins verkauft werden.

Überreste eines Elefanten, gewildert in einem Nationalpark in Zimbabwe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wildern mit Gift: Ein Wasserloch im Hwange National Park in Zimbabwe wurde diesem Elefanten zum Verhängnis. Keystone

Regierungsvertreter aus über 50 Ländern hat die britische Regierung zur internationalen Konferenz um illegalen Tierhandel eingeladen, die heute in London beginnt. Bereits am Sonntag richteteten sich Thronfolger Prinz Charles und sein Sohn Prinz William in einer Videobotschaft an die Welt: Der illegale Handel bedrohe nicht nur gefährdete Tierarten wie Elefanten, Nashörner und Tiger, sondern auch die wirtschaftliche und politische Stabilität in vielen Gegenden.

Das Problem ist in Afrika seit Jahren bekannt. Doch der riesige und unübersichtliche Kontinent ist mit Ordnungskräften nur schwierig zu kontrollieren, wie SRF- Afrika-Korrespondent Patrik Wülser erinnert: Viele Staaten sind fragil oder gescheitert, Polizei und Militär fehlen. Dazu gehören die Zentralafrikanische Republik oder Ost-Kongo. Andere Länder wie Kenia haben eine breit ausgebaute paramilitärische Schutztruppe, den Kenia Wildlife Service, der Elefanten und Nashörner schützt.

Moderne Waffen und Helikopter

Auf der anderen Seite sind die Wilderer nicht einfach eine dilettantische Truppe, sondern mit modernsten Waffen, Nachtsichtgeräten und teils auch Helikoptern ausgerüstet. Es findet ein richtiger Krieg statt, bei dem es um sehr viel Geld geht. Gemäss Schätzungen um 10 bis 15 Milliarden Dollar pro Jahr. Interpol setzt das Geschäft mit der Wilderei heute dem Waffenschmuggel wie auch dem Menschen- und Drogenhandel von Kartellen gleich.

Zum Teil gibt es aber auch Wilderer in der Serengeti, die mit Pfeil und Bogen jagen und dann das Elfenbein an Mittelsmänner liefern. Dahinter stecken gemäss Wülser aber zunehmend terroristische Organisationen und Milizen wie etwa die M23-Rebellen im Ost-Kongo, die sich erwiesenermassen mit Elfenbein finanzieren.

In Somalia läuft ein grosser Teil des Elfenbeinhandels über die islamistischen Al-Shabaab-Milizen ab. Die Terror-Organisation setzt monatlich geschätzte 200‘000 bis 600‘000 Dollar mit Elfenbeinhandel um.

Verbrecher nutzen wirtschaftliche Not

Die Milizen und die Mafia verdienen also viel Geld am Elfenbeinhandel, doch auch die Wilderer profitieren auf diesem Kontinent, wo ein grosser Teil der Menschen in grösster Armut leben. «Ein Wilderer in Tansania sagte mir kürzlich, ein Elefant sei für ihn ein grosses Geschenk, mit dem er seine Familie mit sieben Kindern über mehrere Jahre hinweg ernähren und in die Schule schicken könne», berichtet Wülser.

Solange die Menschen keine Arbeit und kein Einkommen und auch ein Staat für allfällige Unterstützungen fehlt, ist die Wilderei die einzige Möglichkeit, etwas zu verdienen.

China als Hauptabehmerland erstmals dabei

Afrika erhofft sich von der Konferenz in London eine Sensibilisierung im Kampf gegen die Wilderer. Auch die Kunden sollen sensibilisiert werden. «Denn ohne diese Kundschaft, die astronomische Summen für Nashörner oder Elefantenstosszähne bezahlt, gäbe es die Wilderei wahrscheinlich gar nicht, sagt Wülser.

Erstmals sind an der Konferenz in London auch Regierungsvertreter aus China vertreten. In diesem Land werden über 70 Prozent des gewilderten Elfenbeins verkauft. Die Volksrepublik hat damit ein riesiges Image-Problem und will verstärkt gegen den Schmuggel vorgehen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Wilderei von Nashörnern

    Aus 10vor10 vom 13.2.2014

    Das Horn des Rhinozerosses war schon immer begehrt, aber noch nie wurden so viele Nashörner gewildert wie im Moment. Fast jeden Tag verliert Südafrika eines der seltenen Tiere. Der Handel mit dem Horn ist vor allem in Asien ein Milliardengeschäft. Gegen die brutale Nashornschlächterei setzt sich auch ein Schweizer ein.

  • Kampf dem Wildarten-Handel

    Aus Tagesschau vom 13.2.2014

    Noch immer ist der Handel mit Wildarten nicht weltweit verboten. Auch deshalb boomt der Handel mit elfenbeinernen Stosszähnen und Hörnern nach wie vor. Eine internationale Konferenz in London will dies jetzt ändern.