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International «Im Gefängnis lernte ich Dinge, die man nicht lernen sollte»

Er sass in einem der grössten Gefängnisse der Welt ein, im Tihar-Gefängnis in Neu-Delhi mit bis zu 14'000 Gefangenen: Jacob, 43, angeklagt wegen Drogenhandels. Mangels Beweisen wurde der Geschäftsmann längst freigesprochen – doch bis heute steckt er in den Mühlen der indischen Justiz fest.

Eingang in ein Gefängnis
Legende: Berühmt berüchtigt: Das Tihar-Gefängnis bei Neu-Delhi. Reuters / Archiv

«Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich in dieser Hölle namens Gefängnis landen würde. Und nun sitze ich schon seit mehr als drei Jahren. Ich habe alles verloren: den Gold-Laden, das Reisebüro, das Restaurant, meine Autos und Wohnungen. Alles weg. Und noch immer lügen meine Eltern, wenn Verwandte nach mir fragen. Sie sagen: Er hatte einen Unfall, bald kommt er zurück.»

Eingesperrt im dreifach überbelegten Gefängnis

Diese Zeilen schreibt der damals 38-jährige indische Häftling Jacob vor fünf Jahren an SRF-Korrespondentin Karin Wenger aus dem Tihar-Gefängnis, mit bis zu 14'000 Insassen einem der grössten Gefängnisse der Welt. Der Bau wurde ursprünglich für dreimal weniger Menschen konzipiert.

Die Mehrheit der Gefängnisbewohner sind Mörder und Kleinkriminelle – nicht so Jacob: Der indische Geschäftsmann wartet auf seine Auslieferung in die USA, wo ihm Drogenhandel angelastet wird. Er floh aus den USA, als er auf Kaution frei war.

Jahrelanges Warten auf den Prozess

Ein internationaler Haftbefehl hat Jacob ins indische Gefängnis gebracht. Hier sitzt er fest, ohne Gerichtsverhandlung – so wie die meisten in Tihar: Drei Viertel aller Gefangenen warten auf ihr Urteil, viele von ihnen schon seit Jahren. Auch Jacob wartet jahrelang auf seine erste Gerichtsverhandlung.

Am 25. Februar 2012, drei Jahre, fünf Monate und einen Tag nach seiner Verhaftung, wird Jacob mangels Beweisen freigesprochen. Er darf das Gefängnis verlassen. Doch sein Irrweg durch die indische Justiz ist nicht zu Ende: Der Staatsanwalt zieht den Fall weiter. Jacob muss seinen Pass abgeben und darf Indien nicht verlassen.

Gefangen in Indien

«Das Gefängnis hat mich Dinge gelehrt, die man nicht lernen sollte», schreibt Jacob danach an SRF-Korrespondentin Karin Wenger. «Ich wusste nicht, wie man mordet, stiehlt oder Häuser ausraubt. Nun weiss ich es. Das Gefängnis hilft dir nicht, ein besserer Mensch zu werden. Es hilft dir nur, ein schlechterer Mensch mit einem besseren Netzwerk zu werden.»

Heute versucht Jacob, ein neues Leben aufzubauen. Von Jacobs neuen Freunden weiss kaum einer, dass er im Gefängnis war. Seinen Pass hat er nie zurückbekommen. Alle paar Monate muss er an Gerichtsverhandlungen. Jacob fühlt sich gefangen – nicht im kleinen Gefängnis Tihar, sondern im grossen Gefängnis Indien.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Tayfun Birtanesi (Tayfun Birtanesi)
    Dasselbe Problem hab ich in der Türkei.Hab zwar kein Ausreise verbot und kann meinen Pass behalten aber wenn ich versuche auszureisen wars das.Gefaengnisse sind ein Hort der Ausbildung zum Schwerkriminellen.Resozialisierung ist fehl am Platz.Man Kommt wegen kleinen Delikten Rein und als Schwerverbrecher Raus.Man kann den Knast als Ausbildungslager gleichsetzen.Das gleich gilt für die Jva'en in Germany.Dort lernt man alles von Auto Knacken bis zu Gift Mord.Alles andere ist gelogen.
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  • Kommentar von Peter Frei (Peter Frei)
    Warum ist er aus den USA geflohen, wenn er angeblich unschuldig war. Er hätte dort in besserem Gefängnis seinen Prozess/Freispruch abwarten können. Oder war die Hoffnung, in Indien vielleicht eher freigesprochen zu werden, weil es für die dortige Justiz schwierig ist, Beweise für Vergehen in den USA zu erbringen? Die andere Geschichte die erzählt wird, ist, dass in Indien die Gefängnisse schlimm sind. Allerdings, in indischen Slums leben auch Nichtkriminielle unter ähnlichen Umständen...
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    1. Antwort von Kusi Muenger (mamung63)
      Als Farbiger vor einem US-Richter zu stehen ist wahrscheinlich immer die schlechtere Option.
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  • Kommentar von rené studer (rené studer)
    alle politsysteme kennen diese ENTSORGUNG VARIANTEN von unliebsamen, mit eher kranken begründungen. bei uns nennen sie sich PSYCHIATRISCHE kliniken in denen man ein versuchskaninchen zum teil neuer substanzen von pharmagiganten wird. die ärzte in diesen abteilungen sind eher ausländer da sich schweizer für diese menschenrecht verletzung und vergewaltigung nicht so gut eignen. als indirekt beteiligte gehilfen, wärter, polizisten, richter oder beamte eignen sich schweizer dafür wieder bestens
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    1. Antwort von Kusi Muenger (mamung63)
      @studer, aus welcher Sicht arrgumentieren sie? Schweizerisch oder Thailändisch? Verstehe ihr Arrgument nicht genau.
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