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Suchtprobleme in Indonesien Im Land der rauchenden Kinder

Legende: Video Im Land der rauchenden Kinder abspielen. Laufzeit 6:57 Minuten.
Aus 10vor10 vom 31.05.2017.

Ein ganz normaler Nachmittag in einem Aussenquartier von Jakarta. Kinder spielen Fussball auf einem Feld. Eine Szene wie sie sich in vielen Weltteilen abspielen könnte. Doch etwas irritiert: Viele der jugendlichen Kicker ziehen während ihres Spiels an einer Zigarette.

«Rauchen ist cool»

Jeder vierte indonesische Teenager ist süchtig nach Nikotin. So auch Rio. Er findet rauchen «cool». Er rauche eine Schachtel Zigaretten pro Tag. Angefangen habe er, weil alle hier rauchten.

Im Durchschnitt fangen Indonesier mit 7 Jahren zu rauchen an. Das beginnt schon in der Primarschule, wie Jugendliche sagen. Dana ist einer von ihnen. Er begann mit neun Jahren, heute hat er Atemprobleme. Seine Eltern hätten nichts dagegen gesagt. «Sie dachten es sei normal, denn jeder indonesische Mann raucht irgendwann.»

Meine Eltern dachten es sei normal, denn jeder indonesische Mann raucht irgendwann.
Autor: DanaJugendlicher

Eine einzelne Zigarette kostet 10 Rappen – weniger als ein Snack, das sagt eine Aktivistin. Sie entfernt im Umfeld von Schulen Tabakwerbung und hängt Warnplakate auf. Denn aggressive Zigarettenwerbung an einem Kiosk gleich neben einer Primarschule ist nichts Aussergewöhnliches in Indonesien.

Tabakkonzerne sprechen von Prävention

Laut der WHO werden jeden Tag 10‘000 Kinder in Indonesien zu Rauchern. Massenhaft drohen Krebs, Herz- und Lungenleiden.

Der indonesische Zigarettenhersteller Sampoerna – er gehört zum Tabakamulti Philipp Morris – wehrt sich. Er vermarkte seine Produkte nicht bei Minderjährigen, hält er gegenüber «10v10» fest. «Unsere Werbung zielt auf erwachsene Raucher, um diese zu ermutigen, auf unsere Produkte umzusteigen. Ausserdem betreiben wir auch Prävention.»

El Dorado für Tabakkonzerne

Zwei von drei indonesischen Männern rauchen. Das sind 65 Millionen Raucher. Die Marketing-Strategie der Zigarrettenfirmen spielt eine wesentliche Rolle bei der tödlichen, nationalen Gewohnheit.
Fast eine viertel Million Menschen sterben in Indonesien jährlich an den Folgen von Tabakgebrauch.
Die Tabaksteuern in Indonesien gehören zu den tiefsten der Welt.
Indonesien ist ein Paradies für Tabakfirmen, denn es gibt keine bedeutenden Gesetze, die den Tabakgebrauch einschränken. Die Tabakfirmen könnten ihre Produkte frei bewerben und auch junge Leute erreichen, kritisiert die Organisation Campaign for Tobacco Free Kids (Indonesia).
Die Tabakindustrie beschert der indonesischen Regierung so hohe Einnahmen, dass sie beide Augen zudrücke. In der Umgebung von Schulen zielen Tabakfirmen aggressiv auf Kinder.
Viele Musikevents und Sportanlässe sind in Indonesien gesponsort von «Big Tobacco».

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Hr. Kirchhoff: Ob ich als Raucher mit 70 Jahren an Lungenkrebs ?? sterbe oder schon mit 30 Jahren out bin aufgrund der Drogen, ist ein riesiger Unterschied für unser Sozialsystem !! Diese Kosten sind extrem und wir haben viele immer mehr von diesen Aussteigern, die wir Steuerzahler unterstützen.
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Es geht im Beitrag um Indonesien!! Sie brauchen sich als Raucherin auch nicht rechtfertigen, ist ihr Ding. Die Gesundheitskosten welche durch Raucher verursacht werden, übersteigen die Einnahmen durch Tabaksteuer bei weitem. Das ist nun einmal Fakt!
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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Ja nu - Rauchen ist immer noch weniger schädlich, als Drogen. Also lasst sie rauchen.
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Raucher weisen in der Funktion des Dopamin-Systems im Gehirn ähnliche Defizite auf wie andere Suchtkranke. Das haben Mainzer, Aachener und Dresdner Wissenschaftler durch eine Positronen-Emissions-Tomographie herausgefunden....
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    2. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      ...Die Studie zeigt, dass die neurobiologischen Auswirkungen von Nikotin sich denen von Alkohol, Kokain, Heroin oder Amphetamin ähneln. Bislang wurde nicht davon ausgegangen, dass Nikotin die gleichen neurobiologischen Folgen hat wie die so genannten harten Drogen. Diese Annahme widerlegen die Wissenschaftler in ihrer Studie.
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  • Kommentar von Matthias Niederhauser (niederhauser)
    Hier sieht man die Auswirkungen eines Irrglaubens, Konzerne würden sich selbst moralische Schranken auferlegen wenn der Staat dies nicht mit Gesetzen tun würde. Noch nicht einmal vor Kindern wird zurückgeschreckt. Auch wenn mal jemand zögert so gibt es immer einen Anderen der skrupelloser ist und diese Rolle übernimmt...
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Das liegt an der Mangelnden Aufklärung und Bildung. Wie früher bei der Kirche ist es das tiefste Interesse der Wirtschaft, einem grossen Teil der Bevölkerung Bildung zu entsagen, so kann man sie besser manipulieren. Kommt dazu das Kinder in vielen Ländern immer noch Ausgebeutet werden in jeder Hinsicht, das geht soweit das ein Menschenleben wenig bis keinen Wert besitzt.
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