In China herrscht Trump-Fieber

Das Phänomen Donald Trump wird weltweit diskutiert. Auch die Chinesen verfolgen den US-Wahlkampf und sind von seiner nonchalanten Art begeistert. Trumps Gegenspielerin Hillary Clinton findet in China dagegen wenig Anklang.

Ein Screenshot von Wens Fan-Seite auf Weibo. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Inzwischen gibt es in den chinesischen sozialen Medien Dutzende Fan-Seiten, die Trump feiern. Weibo

Donald Trump ist in China seit Monaten omnipräsent. In quirligen Internetvideos und in den sozialen Medien werden die neusten Meldungen des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten erklärt.

Auf dem chinesischen Mikroblog Weibo gibt es inzwischen mehrere Dutzend Fanseiten, obwohl Donald Trump in seinen Reden gerne gegen China poltert. Neben Mexiko gehört China zu jenen Staaten, die der Republikaner für die missliche Lage in den USA verantwortlich macht. Es vergewaltige die Vereinigten Staaten. Die chinesische Exportpolitik nannte er gar den «grössten Raub aller Zeiten».

«  Die Chinesen selbst mag er ja: In seinem Trump-Tower soll es sogar chinesische Mieter geben. »

Wen
Chinesischer Blogger

«Das macht mir überhaupt keine Sorgen», sagt der Teilzeitblogger und Produktmanager mit Nachnamen Wen. Seinen vollständigen Namen möchte er nicht in den Medien sehen. Wens Trump-Fanseite hat inzwischen über 50‘000 Mitglieder. «Donald Trump ist ein Geschäftsmann, solange er Geld verdient, wird alles gut. Und die Chinesen selbst mag er ja: In seinem Trump-Tower soll es sogar chinesische Mieter geben», sagt Wen.

China vor den Wahlen zu kritisieren, gehöre in den USA einfach dazu, das müsse man nicht so ernst nehmen. Anderes hingegen schon: Illegale Einwanderung und Muslime seien natürlich ein Problem, sagt Blogger Wen. «Auch die Gewalt zwischen Schwarzen und der Polizei. Da steht Trump immer auf der Seite der Gesetzeshüter. Das ist ganz im Sinne der Chinesen. Auch sie mögen Stabilität.»

Seit Februar schreibt der 39-jährige Wen über den republikanischen Präsidentschaftsanwärter. Manchmal postet er bis zu vier Einträge am Tag – ein, zwei Stunden wendet er täglich für sein Hobby auf. Meistens übersetzt er ein paar Zeilen aus englischsprachigen Artikeln und dazu lädt dazu ein passendes Foto hoch.

«  Trumps chinesische Fans haben von ihm nicht viel Ahnung. »

Sun Zhe
Chinesischer Politikwissenschaftler

Politikwissenschaftler Sun Zhe relativiert die Trump-Begeisterung in China allerdings. Er forscht zu den amerikanisch-chinesischen Beziehungen und lehrt an der Tsinghua-Universität in Peking. «Trumps chinesische Fans haben von ihm nicht viel Ahnung. Sie sehen ihn als erfolgreichen Geschäftsmann, der die Beziehungen zu China verbessern wird.»

Vor allem habe sich seine demokratische Gegnerin, Hillary Clinton, bei den Chinesen in der Vergangenheit unbeliebt gemacht. Sie hat die Menschenrechtslage in China unverblümt kritisiert, sich für einen chinesischen Menschenrechtsanwalt eingesetzt und über Twitter die Festnahme chinesischer Feministinnen angeprangert. «Auch die harte Haltung Obamas und Clintons im Südchinesischen Meer hat viele Chinesen gegen die demokratische Präsidentschaftsanwärterin aufgebracht. Sie haben genug von den Demokraten im Weissen Haus und hoffen auf einen Wechsel», sagt Sun Zhe.

«  Die Chinesen haben genug von den Demokraten im Weissen Haus und hoffen auf einen Wechsel. »

Sun Zhe
Chinesischer Politikwissenschaftler

Ob Trumps Politik für China wirklich besser sei, könne man jetzt noch nicht beurteilen. Es sei völlig unklar, wie er sich nach einem allfälligen Amtsantritt gegenüber China verhalten würde.

Trotz aller Begeisterung, Blogger Wen könnte sich in seinem eigenen Land keinen Politiker wie Donald Trump vorstellen, wie er sagt. «Trumps Stil passt nicht zu einem chinesischen Führer. Chinesische Politiker würden sich nie so direkt und kontrovers äussern.» Wünscht er sich, dass Chinas Politiker mehr wie Trump sind? Wen weicht aus: «Nein, er hoffe nicht», sagt er nur. Die Führung der kommunistischen Partei öffentlich in Frage zu stellen, geht trotz aller Sympathien für den polternden US-Milliardär dann doch zu weit.

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