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International In Griechenland liegen die Nerven nach Neonazi-Gewalt blank

Die Ermordung eines linken Aktivisten erschüttert Griechenland und erzeugt Gegenreaktionen. Premier Samaras fordert seine Landsleute zur Besonnenheit auf. Die Regierung wolle handeln und rechtsextreme Gewalt nicht mehr tatenlos hinnehmen.

Demonstraten schlagen auf eine Polizistin ein.
Legende: Die Linke in Griechenland wehrt sich. Ihr Unmut über Angriffe aus der Nazi-Szene entlädt sich auf der Strasse. Reuters

Nach dem gewaltsamen Tod eines linken Aktivisten hat Ministerpräsident Antonis Samaras die rechtsextremen Kräfte im Land scharf angegriffen und ihnen den Kampf angesagt.

Die Regierung werde den «Nachfahren der Nazis» auf keinen Fall erlauben, «das soziale Leben zu vergiften, Verbrechen zu begehen, zu provozieren und die Grundlagen des Landes, das die Demokratie hervorgebracht hat, zu unterminieren», sagte Samaras in einer Fernsehansprache. «Die Demokratie ist viel stärker, als ihre Feinde sich vorstellen können», betonte er.

Zusammenstösse bei Protestmärschen

Legende: Video «Ausschreitungen in Griechenland» abspielen. Laufzeit 0:25 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 19.09.2013.

Der in der Nacht zum Mittwoch von einem Rechtsradikalen erstochene 34-jährige Rapper und Aktivist Pavlos Fyssas wurde bei Piräus beigesetzt. Er war mit seinen Anti-Rassismus-Liedern unter dem Künstlernamen Killah P. bekannt.

Aus Empörung über die Bluttat waren am Mittwoch tausende Menschen auf die Strasse gegangen. Am Abend war es in mehreren griechischen Städten zu gewaltsamen Zusammenstössen gekommen. In Athen, Thessaloniki und Patras im Westen gingen erzürnte Demonstranten auf Sicherheitskräfte los und lieferten sich mit den Beamten blutige Strassenschlachten.

Aufruhr in sozialen Medien

Auf Twitter diskutieren mittlerweile viele Griechen unter dem Hashtag #KillahP über den Vorfall und berichten über die Auswirkungen. Auch Griechen im Ausland beschäftigt der Vorfall. Sie haben zu Solidaritätskundgebungen aufgerufen.

Es soll noch weitere Versammlungen gegen die Rechstextremen geben. In London zum Beispiel hat ein Ableger des Links-Bündnisses Syriza dazu aufgerufen.

Der Mord war der bisherige Höhepunkt einer Reihe von politisch motivierten Gewalttaten, die in Griechenland Aufsehen erregten. Am letzten Freitag wurden bei Zusammenstössen zwischen Rechtsradikalen und Linksaktivisten in der Athener Arbeitervorstadt Perama acht Menschen verletzt.

Am Wochenende stürmten rechte Schläger eine Gedenkfeier für die Opfer des griechischen Bürgerkrieges (1946-1949) auf dem Peloponnes. Sie versuchten den Hauptredner tätlich anzugreifen.

Politische Debatte angeheizt

Diese Vorfälle lösten eine erregte Debatte über die Grenzen der Demokratie und die Verfassungskonformität einzelner Parteien aus. Ein Abgeordneter der regierenden Konservativen warf dem oppositionellen Bündnis der radikalen Linken (Syriza) vor, nicht mehr auf dem Boden der Verfassung zu stehen.

Die zweitgrösste Parlamentspartei erwiderte: Die Konservativen würden das Klima seit Monaten mit ihrer Theorie von den beiden Extremen des politischen Spektrums anheizen, indem sie die Syriza mit der neonazistischen «Chryssi Avgi» (Goldene Morgenröte) gleichsetzten.

Die rechtsextreme Partei leugnet jede Verstrickung in die Tat. Der 45-jährige, geständige Täter sei nicht einmal Mitglied der «Chryssi Avgi» gewesen. Man habe den Mordanschlag vom ersten Moment an scharf verurteilt, sagte ein Parteisprecher im Parlament. Als die Syriza dort heute eine Schweigeminute einlegen wollte, schloss sich die «Chryssi Avgi» dem Antrag an. Die Linke zog diesen daraufhin zurück.

8 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Linksradikale gegen Rechtsradikale, somit Bodensatz gegen Bodensatz! Für den neutralen Beobachter äusserst köstlich. Glücklicherweise sind bis jetzt noch keine unbeteiligten Passanten zu Schaden gekommen bei solchen Auseinandersetzungen zwischen diesen extremen Gruppen.
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  • Kommentar von Peter Stuber, Schaffhausen
    "...bei Zusammenstössen zwischen Rechts-Radikalen und Links-Aktivisten..." Welch feiner Unterschied die deutsche Sprache doch ermöglicht, nicht wahr?
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Ich habe nicht gewusst, dass es in Griechenland immer noch 'echte' Nazi's gibt, eigentlich meinte ich, sie seien mit dem dritten Reich ausgestorben oder dann im Nachkriegsdeutschland von der doch eher christlichen CDU/CSU 'absorbiert' worden. Sorry, aber es geht mir gewaltig auf den Nerv, immer wieder dasselbe hässliche Schimpfwort lesen und hören zu müssen, man bezeichnet die Linken ja auch nicht pauschal immer nur mit mörderlischen Stalinisten, Marxisten und Leninisten. Es passt einfach nicht.
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    1. Antwort von A. Lüthi, Zürich
      @Ernst Jacob, Moeriken: ..und als ich meine Meinung kund gab: Rechtsextreme und Linksextreme sind für mich gleich schlimm, wurde dies von srf zensuriert:-)
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    2. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      @A. Lüthi: geht mir gelegentlich auch so, leider, kommt wahrscheinlich auch drauf an, wer gerade moderiert. Trotzdem, nicht aufgeben, und etwas 'feiner' umschreiben, hilft manchmal. Ich staunte, dass mein Posting diesmal zulässig war...
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