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International In heikler Mission – Papst besucht den Weltjugendtag in Polen

Heute besucht Papst Franziskus zum ersten mal das erzkatholische Polen. Anlass ist der Weltjugendtag, zu dem bis zu 1,5 Millionen junge Gläubige erwartet werden. Das Verhältnis zwischen dem weltoffenen Franziskus und dem konservativen polnischen Klerus ist indes angespannt.

Legende: Video «Papst besucht Weltjugendtag in Polen» abspielen. Laufzeit 0:37 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.07.2016.

Die Strassen sind geschmückt, die Geschäfte mit Papstbildern dekoriert: Zum ersten Mal besucht Papst Franziskus das tiefkatholische Polen. Insgesamt herrscht eine ausgelassene, fröhliche Atmosphäre.

Vielen streng konservativen Polen allerdings ist Papst Franziskus und dessen Haltung beispielsweise in Flüchtlingsfragen oder in Sachen Homosexualität zu liberal. «Ein starker Katholizismus ist in Polen sehr tief verwurzelt und wird von Generation zu Generation weitergegeben», sagt Polen-Kenner und Publizist Jakob Juchler im Gespräch mit SRF. Neun von zehn Polen bezeichneten den Katholizismus als wichtiges Merkmal ihrer nationalen Identität, so Juchler.

Der Papst, der Flüchtlingslager besucht und gelebte Nächstenliebe fordert, der Prunk kritisiert und Bescheidenheit und Armut seiner Kirche verlangt, dürfte von manchem polnischen Priester als Bedrohung gesehen werden. In vielen Dörfern ist der Pfarrer der wichtigste Mann im Ort. Viele von ihnen müssen den Dialog mit den Gläubigen auf Augenhöhe noch lernen.

Das Verhältnis der oft besonders konservativen polnischen Bischöfe zum Papst, der für eine offenere Kirche eintritt, gilt als angespannt. Dem interreligiösen und gesellschaftlichen Dialog können sich die Hierarchen leichter verweigern in einem Land, in dem fast alle ethnisch polnisch und ganz überwiegend katholisch sind.

«Über 80 Prozent aller Polinnen und Polen bezeichnen sich als gläubig im katholischen Sinn. Damit ist Polen internationaler Spitzenreiter – noch vor dem katholischen Spanien oder Italien», sagt Jakob Juchler.

Erst seit den 1990er-Jahren habe ein langsamer Bedeutungsverlust der katholischen Kirche eingesetzt, sagt Juchler: «Der Anteil derer, die die Tätigkeit der Kirche positiv einschätzen, ist von 90 Prozent Anfang der 1990er-Jahre auf 55 Prozent zurückgegangen. Das sind schon beeindruckende Zahlen.»

Zum Auftakt seiner Reise trifft Papst Franziskus in Krakau zunächst die polnische Staatsspitze um Präsident Andrzej Duda. Mit Spannung wird erwartet, ob sich der argentinische Papst zu der heiklen politischen Lage in Polen äussern wird.

Gegen die nationalkonservative Regierung läuft ein EU-Prüfverfahren wegen einer umstrittenen Justizreform. Ein wichtiges Anliegen des Papstes ist zudem die Hilfe für Geflüchtete – Polen weigert sich aber, muslimische Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan aufzunehmen.

Weltjugendtag in Polen

Junge Frau lacht in Kamera
Legende: reuters

Erwartet werden zwischen einer halben Million und 1,5 Millionen junge Katholiken aus aller Welt. Franziskus will bis Sonntag mehrfach auf junge Pilger treffen, geplant sind grosse Messen und andere Begegnungen.

10 Kommentare

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  • Kommentar von elize naude (elize)
    tja... die katholische kirche ist mancher ort in mittelalter stecken geblieben... zum glück gab es martin luther...
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Scheint ein vernünftiger Papst zu sein, nur sobald Religion auf Politik trifft kann es in die Hosen gehen. Denn was die Polen, Italiener oder sonst ein Volk politisch will, sollte seit der französischen Revolution nichts mehr mit der Kirche zu tun haben. Oder blicke ich jetzt zu sehr durch meine zwinglianische Sonnenbrille?
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die Polen gehören in Europa zu den "strenggläubigsten" Katholiken und waren nicht selten willige Mittätern bei der Judenvernichtung. Es zeigt sich, das bis Heute Toleranz gegenüber anderen Religionen nicht zu ihren Stärken gehört. Ausserdem gab es kaum Meldungen über sexuelle Übergriffe bei Geistlichen, was die Macht der kath. Kirche dort demonstriert. Der Papst hat in Polen noch viel Arbeit vor sich.
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