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International In Kosovo ist der alte Regierungschef der neue

Kosovos Ministerpräsident Hashim Thaci hat zwar die Parlamentswahl gewonnen. Doch die politische Landschaft ist unübersichtlicher geworden. Die Bildung eines neuen Kabinetts wird schwieriger. Nicht zuletzt auch, weil Thaci-Gegner für eine Überraschung sorgten.

Regierungschef Hashim Thaci hat die Parlamentswahl in Kosovo gewonnen. Er erreichte mit seiner PDK-Partei rund 31 Prozent der Stimmen, teilte die Wahlkommission nach Auszählung von rund 90 Prozent der Wahllokale in Pristina mit.

Sein bisheriger Koalitionspartner, die AKR des Unternehmers Behgjet Pacolli, kam auf knapp 4,7 Prozent. Die LDK erzielte als grösste Oppositionskraft erneut rund 26 Prozent. Die ebenfalls auf der Oppositionsbank sitzenden Nationalisten («Vetevendosje», Albanisch: Selbstbestimmung) bekamen 13,6 Prozent.

Die Überraschung des Abends kam jedoch von der erst Ende Februar gegründeten Partei «Initiative für Kosovo», die von zwei prominenten Thaci-Gegnern in dessen PDK ins Leben gerufen worden war. Sie kam auf gut fünf Prozent.

Löhne erhöht

«Der Sieg Thacis beweist, wie sehr dieser und seine Partei PDK den kleinen Staat samt seiner Institutionen im Griff haben», sagt Südosteuropa-Korrespondent Walter Müller Radio SRF. Die PDK sei eine gut organisierte Wahlmaschine.

Zudem sei der Staat der grösste Arbeitgeber in Kosovo. «Thaci hat den Staatsangestellten einen Monat vor den Wahlen den Lohn um ganze 25 Prozent erhöht.» Dies habe sich nun ausbezahlt, obwohl der Frust in Kosovo wegen Armut, Korruption, Vetternwirtschaft gross sei. Auch die Kritik an Thacis Kompromissbereitschaft in den Verhandlungen mit Belgrad habe nun nicht mehr durchgeschlagen.

Die serbische Minderheit beteiligte sich erstmals an einer Parlamentswahl in Kosovo. Serbien habe Druck auf die Kosovo-Serben im Norden ausgeübt, an den Wahlen teilzunehmen, so Müller. «Denn für Serbien ist es eine Bedingung der EU die Nachbarschaft mit dem Kosovo zu normalisieren. Und Serbien muss dies erfüllen, wenn das Land denn der EU beitreten will.»

«Die wenigen Serben die nun wählen gingen, gaben ihre Stimme vor allem der Partei, die von Belgrad unterstützt wird. Diese Partei wird nun in den Institutionen Kosovos teilhaben. Es ist also eine Art trojanisches Pferd.»

Geringe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung erreichte mit 43 Prozent einen Minusrekord. In ersten Analysen wurde die Resignation der Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht. Auch sechs Jahre nach der Unabhängigkeit ist das Kosovo eines der ärmsten Länder Europas.

Die soziale Misere, die alles beherrschende Korruption sowie das nicht funktionierende Justiz- und Gesundheitssystem habe die weitaus meisten der 1,8 Millionen Wahlberechtigten abgeschreckt, hiess es.

Zudem steht der 46-Jährige Thaci unter Verdacht, während des Kosovokonflikts 1998/99 Kriegsverbrechen an serbischen Gefangenen begangen zu haben. Der frühere Untergrundkämpfer weist die Vorwürfe zurück. Ein internationales Gericht soll bald Licht ins Dunkel bringen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Paolo Rossi, Zürich
    Ich frage mich, wann die Tausenden von Kosovaren endlich für immer in ihren geliebten Kulturkreis zurückkehren. Der Krieg ist doch schon lange vorbei! Ihr Land versinkt im Chaos, und trotzdem lassen sie es einfach im Stich und bilden hier in einer für sie fremden und nicht akzeptierten Kultur eine extrem stark wachsende Parallelgesellschaft. Unglaublich!
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Naja, es gibt auch von andern Herkunftsländer Secondos, z. B. Italien.
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    2. Antwort von F. Zuber, Solothurn
      Ich frage mich, wie einige hier so rassistisch verstimmt sind. Kann es sein, dass ein Mensch im aufgeklärten Westen so viel Hass in sich trägt? Und das grundlos?
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  • Kommentar von A. Meier, Basel
    Es wäre schön, wenn die ehemaligen Flüchtlinge wieder in ihr nun befriedetes Heimatland zurückkehren würden, um ihr hier erhaltenes Wissen ihrer Heimat weiterzugeben - so, wie es ursprünglich vorgesehen war. Es nützt nichts, nur in den Ferien dorthin zu reisen, und schlussendlich noch dort Ansässige als Ehepartner zusätzlich in die Schweiz zu bringen. Das ist zwar für die in Kosovo/Albanien zurückgebliebene Familie ein sozialer Aufstieg (Unterstützung), bringt dem Land aber keine Stabilität...
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    1. Antwort von F. Zuber, Solothurn
      Sie wollen also die "Flüchtlinge", ergo, die kosovarischen Ausländer und Schweizer aus dem Land vertreiben? Sind sie ganz bei Trost? Die rund 300.000 Kosovaren hier werden nie und nimmer zurückkehren. Sie sind und werden ein Teil der Schweizer Gesellschaft sein, ob es Ihnen Nationalisten passt oder nicht. Unglaublich, wie einige denken. Dabei meint man oft, man ist in einem aufgeklärten Staat in Westeuropa.
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  • Kommentar von Avni gallapeni, Neuenhof
    Er hat die wahlen geklaut weil die ganze volk ist gege diese droge prostutition Boss er ist eine vom die grösser mafia
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    1. Antwort von F. Zuber, Solothurn
      Anscheinend haben Sie keine Ahnung. Die Wahlen waren wohl die fairsten und ordnungsgemässten in der Geschichte des Kosovo. Alles verlief reibungslos und alle internationalen Organisationen bewerteten den Urnengang sehr positiv. Thaçis Partei ist aber eben eine starke Wahlmaschine, das kann man nicht abstreiten, das hat aber nichts mit Stimmenklau zu tun.
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