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International Internationaler Gipfel gegen Terror: Was bringt Früherkennung?

Die Terrororganisation IS begeht reihenweise Gräueltaten. Bis zu 20‘000 internationale Kämpfer sollen sich ihr angeschlossen haben, 3400 davon aus dem Westen. Was tun? Ein Anti-Terrorgipfel im Weissen Haus sucht Rezepte gegen den Terror. Die Programme sind allerdings umstritten.

Legende: Video Obama verurteilt Terrorismus abspielen. Laufzeit 1:16 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 19.02.2015.

In Minneapolis, im Norden der Vereinigten Staaten, leben 30‘000 Menschen aus Somalia, so viele, wie in keiner anderen amerikanischen Stadt. 2007 reisten rund 25 Jugendliche zurück nach Somalia und schlossen sich der Al-Kaida-Gruppe Al-Shabab an.

Und seit die Terror-Gruppe IS in Nahen Osten aktiv ist, sollen nochmals so viele Leute aus der somalischen Gemeinde von Minneapolis nach Syrien gereist sein. Kein Wunder also, hat das amerikanische Justizministerium genau diese Stadt , zusammen mit Los Angeles und Boston, für ein Pilotprojekt ausgewählt, mit dem die Rekrutierung junger Terrorkämpfer gestoppt werden soll.

Von Radikalisierung abhalten

Hedieh Mirahmadi ist Präsidentin der Organisation Worde, die ein ähnliches Projekt in Maryland betreibt und vom Weissen Haus ebenfalls für den Anti-Terror-Gipfel aufgeboten wurde.

Sie sagt, das Ziel all dieser Projekte sei dasselbe: Ihre Organisation sei daran, ein Netzwerk von Lehrern, religiösen Führern und Behördenvertretern in den Gemeinden aufzubauen, die junge Menschen von einer Radikalisierung abhalten können. Es soll ein Frühwarn-System sein, denn oft werde zu spät erkannt, dass sich junge Menschen Sympathien für eine Terror-Organisation wie IS entwickeln, sagt sie.

Einfach ist die Früherkennung nicht, auch wenn inzwischen bekannt ist, wer besonders gefährdet ist. Es sind isolierte Menschen, die die Kultur und die Sprache nicht kennen. Es sind Leute aus Kriegsgebieten, traumatisiert, arm, arbeitslos. All diese Faktoren können, müssen aber nicht zu gewalttätigem Extremismus führen, erklärt Hedieh Mirahmadi.

Es gehe darum, herauszufinden, wie stark jemand gefährdet sei – und dann Gegensteuer zu geben, auch mit der Unterstützung von Sozialarbeitern. Mirahmadi, selber eine Muslimin, sagt, die Gefahr einer Radikalisierung habe in muslimischen Gemeinden in den USA in jüngster Zeit zugenommen. Gleichzeitig stelle man aber auch fest, dass die Terror-Organisation IS besonders gut an bei einer steigenden Zahl von Konvertiten ankomme.

Programme werden kritisiert

Niemand sei immun. Deshalb dürfe der Kampf gegen gewalttätigen Extremismus nicht auf die muslimische Gesellschaft reduziert werden, auch wenn diese besonders viel Hilfe benötige.

Die Aussagen von Hedieh Mirahmadi bleiben trotz Nachfragen etwas schwammig. Und sie selber muss zugegeben, dass sie keine konkreten Erfolgszahlen vorweisen kann, nicht jetzt und wohl auch nicht in Zukunft. Hier setzen denn auch die Kritiker dieser Pilot-Programme an. Sie sagen, sie seien ineffizient.

Sind solche Programme diskriminierend?

Arjen Sethi von der politisch links stehenden Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union findet die Programme und den Anti-Terror-Gipfel aus einem anderen Grund problematisch. Trotz allen anderslautenden Beteuerungen heben sie amerikanische Muslime heraus, sagen die Kritiker.

Die amerikanischen Muslime würden stigmatisiert und deren Religions- und Meinungsäusserungsfreiheit gefährdet. Muslimische Führer aus den Pilotstädten würden melden, ihre Glaubensgenossen hätten Angst, wie nach 9/11 nun vom Staat wieder stärker überwacht zu werden.

Und nun wollten die USA diese Projekte am Gipfel als gute Beispiele vorstellen und in die ganze Welt exportieren, kritisiert er. Arjen Sethi sagt, das Problem der Radikalisierung existiere, doch es würde aufgebauscht:

Es liesse sich mit regulärer Polizeiarbeit und ohne spezielle Anti-Radikalisierungs-Programme lösen. Dieser Vorschlag dürfte am Anti-Terror-Gipfel kaum auf viel Resonanz stossen. Mit dem jüngsten Vormarsch der IS stehen die Politiker unter Handlungsdruck.

7 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Frage der Führungsmacht in den islamischen Ländern wird sich in den nächsten Jahren klären. Der Ölpreiskrieg, das RUS-TR-Abkommen und das Stampfen der RUS, Iran und US-Strategen im Nahen Osten zeigt, dass hier die USA, China und RUS und die Mittelmächte EU, KSA, Iran und die TR hart aufeinanderprallen. Die bevölkerungsreichen Länder Ägypten, Algerien und Pakistan werden beobachten und dann entscheiden, wer die Führung bei den Sunniten übernimmt. Der Iran bleibt die Schutzmacht der Schiiten.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Die Früherkennung und Verhinderung durch Aufklärung von Radikalisierung junger Leute ist sicher ein wesentlicher Bestandteil jeder Strategie gegen den IS. Aber auch die Verbindung und Unterstützung betroffener Staaten, wie Jordanien und vor allem Tunesien, welches als einziges Land die "arabische Revolution" in einen Demokratisierungsprozess überführen konnte, sind meines Erachtens wichtig. Nur Staaten in GEMEINSCHAFT sind stark. Ein wichtiger Staat im Kampf gegen den Terror fehlt: die Türkei.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Betrachtet es sooo: Die Inquisition hat gemordet auf grausamste Weise.. man hat sie halt nicht zu verhindern gewusst, Der Islamismus tut nun Dasselbe.. und wir koennten es verhindern, aber da muesste man international zusammenhalten und zusammen arbeiten. Und zwar an allen Brandherden gleichzeitig! Es scheint aber, dass der europaeische Westen einmal mehr nicht faehig ist zu agieren und da muessen wieder die USA her... !!! Europaer schaemt Euch!!!!
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @F.Nanni. Ihre Kommentare sind oft pfiffig, aber in diesem Fall möchte ich Ihnen absolut widersprechen. Die USA haben im Irak schon mehr als einmal Krieg geführt - und es ist eine nie dagewesene islamistische Radikalisierung davon ausgegangen. Die USA hatten den irakischen Präsidenten Maliki, der die sunnitische Minderheit unterdrückte, gestützt. Aus dieser Minderheit rekrutiert sich der IS. Die USA im Alleingang würden eine weitere Radikalisierung vorantreiben und wäre eine Katastrophe.
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    2. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      @ M.Mitulla... Ich meine explizit, Europa muesse sich gemeinsam wehren.. natuerlich OHNE USA oder dann wenigstens Federfuehrend. Nichts machen ist sicherlich falsch. Ansonsten liegen Sie richtig, ohne die USA haette es wohl keine IS.. aber auch keine AlKaida .. wobei.. es haette noch schlimmer werden koennen.
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