Iran als Vermittler im Syrien-Konflikt – eine kleine Chance

Iran bietet sich bei der UNO als Vermittler in Syrien an und will so aus der internationalen Isolation. Die Strategie sei wenig erfolgversprechend, aber einer der der wenigen möglichen Wege aus der Krise, sagt der Iran-Experte und «Zeit»-Reporter Ulrich Ladurner im Interview mit SRF.

Nach dem vertagten Vergeltungsschlag der USA gegen Syrien gibt es wieder ein wenig Spielraum für den Dialog. Die Regierung in Teheran hat sich UNO-Generalsekretär Ban-Ki-Moon als Vermittler für eine friedliche Lösung angeboten. Fragen an den Iran-Experten und «Zeit»-Reporter Ulrich Ladurner:

Was schwebt Iran konkret vor?

Ladurner: Iran will sich mit Syrien ins Spiel bringen und ins Gespräch mit den USA kommen. Das Land ist durch die Sanktionen vom Rest der Welt isoliert.

Was kann Iran in die Waagschale werfen?

Iran als enger Verbündeter hat den syrischen Präsidenten Assad seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs mit Waffen, Geld und wohl auch Kämpfern unterstützt. Teheran hat also Einfluss in Damaskus und wird so bei einer allfälligen politischen Lösung eine Rolle spielen können und wollen. Ich glaube, dass sie Assad dazu bringen könnten, in manchen Fragen einzulenken.

Steht Iran auch nach dem Giftgaseinsatz hinter Assad?

Ich glaube ja. Teheran sieht Assad als strategischen Verbündeten. Es steckt also keine ideologische Überzeugung dahinter. So geht Iran davon aus, dass die USA das Regime in Teheran am liebsten los sein würden. Für die Iraner ist der Krieg in Syrien ein Stellvertreterkrieg, von dem sie sich selbst angegriffen fühlen. Diese Haltung könnte sich aber ändern, wenn die USA direkt mit Teheran ins Gespräch kommen. Dann würde Assad als Verbündeter seine Bedeutung verlieren.

Wie erfolgversprechend ist diese Strategie?

Sie ist wahrscheinlich nicht sehr erfolgversprechend, aber es ist einer der wenigen Wege, die aus der syrischen Krise herausführen können. Iran ist in der Region das wichtigste Land und eines der mächtigsten – mit Einfluss in Damaskus, aber auch in Bagdad. Man muss mit Iran reden. Ein Erfolg ist allerdings nicht sicher, weil das Verhältnis Iran-USA seit über 30 Jahren gestört ist. Da müssten beide Länder über den Schatten springen, um ins Gespräch zu kommen.

Wie könnte eine politische Lösung aussehen?

Iran müsste in einem ersten Schritt zur einer Syrien-Konferenz eingeladen werden und dort als grosser Spieler in der Region anerkannt werden. Als zweiten grossen Schritt ginge es um die Nuklearverhandlungen. Iran müsste das Recht zur Urananreicherung zugestanden werden mit der Auflage, alle Atomanlagen für die internationalen Inspektoren zu öffnen.

Reicht die Zeit vor einem möglichen Militärschlag?

Ich bin pessimistisch. Aber man muss versuchen, diese zwei Wochen zu nutzen. Alle in der Region haben jetzt das Gefühl, dass der Syrien-Konflikt kaum mehr zu beherrschen ist. Das Krisenbewusstsein ist geschärft. Ich habe die leise Hoffnung, dass die Akteure miteinander reden werden.

Wie würde Iran auf einen Militärschlag reagieren?

Ich vermute, dass Iran in diesem Fall nicht sehr viel tun und Assad weiter stützen wird. Mögliche Verhandlungen über die Nuklearfrage wären dann auf Eis gelegt. Ich glaube aber nicht, dass Iran militärisch auf einen US-Angriff in Syrien reagieren wird.

Aus Angst oder mangels Stärke?

Iran ist zu klug. Und zwar im Wissen, dass die Konsequenzen einer direkten militärische Reaktion unkalkulierbar sind. Das iranische Regime hat eine Priorität, nämlich an der Macht zu bleiben. Dies wäre gefährdet, wenn man sich mit den USA allzu stark anlegt.

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