IS nimmt Assads Hochburgen ins Visier

Seit Beginn des Bürgerkriegs blieben die alawitischen Küstenprovinzen Syriens vom Terror verschont. Jetzt haben schwere Explosionen zwei von Regierungstruppen kontrollierte Städte erschüttert. Über 140 Menschen starben, fast alle waren Zivilisten. Zu den Anschlägen bekannte sich der IS.

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IS-Anschlagswelle auf Assad-Hochburg

1:34 min, aus Tagesschau vom 23.5.2016

Bisher wurde das von regierungstreuen Einheiten kontrollierte syrische Küstengebiet von den schlimmsten Folgen des Bürgerkriegs verschont. Nun aber hat die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit einer verheerenden Anschlagsserie das Kernland des syrischen Machthabers Baschar al-Assad ins Visier genommen.

Die Anschläge fanden in den Küstenstädten Tartus und Dschabla statt und forderten mehr als 140 Tote. Bei fast allen Opfern handelt es sich offenbar um Zivilisten.

Sieben Sprengsätze

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Anschlag auch im Jemen

Bei einem Bombenanschlag des IS im Jemen sind mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden sprachen zudem von mehr als 60 Verletzten bei dem Selbstmordanschlag auf Armee-Rekruten in Aden. Der IS bekannte sich über Soziale Medien zu dem Angriff und erklärte, Ziel sei «die abtrünnige jemenitische Armee» gewesen.

Der oppositionsnahen und gut vernetzten Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge gingen in den beiden Städten am Morgen fast zeitgleich sieben Sprengsätze hoch, mehrere wurden von Selbstmordattentätern gezündet.

Mindestens 103 Menschen seien in der Stadt Dschabla umgekommen, mindestens 50 Menschen in Tartus, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit. Zudem seien mehr als 200 Menschen verletzt worden, einige davon schwer.

Die in Grossbritannien ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Staatsfernsehen meldet tiefere Opferzahl

Nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens gab es insgesamt 78 Todesopfer, 45 in Dschabla und 33 in Tartus. Dort sei eine Autobombe an einer Bushaltestelle explodiert. Auf TV-Bildern waren ausgebrannte Kleinbusse zu sehen, andere standen noch in Flammen.

Ausgebrannte Autos und Trümmer auf der Strasse Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Anschläge des IS forderten über 120 Menschenleben. Fast alle Opfer waren Zivilisten. Keystone

In Tartus wurde zudem offiziellen Angaben zufolge eine Tankstelle von Selbstmordattentätern angegriffen. In Dschabla wurden laut übereinstimmenden Angaben Anschläge auf eine Elektrizitätsfirma und die Notaufnahme eines Spitals verübt.

Tartus und Dschabla werden von regierungstreuen Truppen kontrolliert und überwiegend von Alawiten bewohnt. Die religiöse Minderheit war bislang von Anschlägen weitgehend verschont geblieben.

Russland besorgt über Angriffe nahe seiner Militärbasen

Dschabla befindet sich nur wenige Kilometer entfernt von der russischen Luftwaffenbasis Hamaimim, dem Dreh- und Angelpunkt für Russlands militärisches Eingreifen in Syrien zugunsten al-Assads. Zudem wird der Hafen von Tartus seit Jahren unter anderem von der russischen Marine genutzt.

Der Sprecher des Kremls in Moskau, Dmitri Peskow, sagte, die Terrorakte zeigten die instabile Lage in Syrien. Berichte, denen zufolge Syriens enger Partner Russland sein militärisches Kontingent im Bürgerkriegsland nach einem Teilabzug wieder aufstocken könnte, kommentierte er nicht.

Gezielte Attacke auf Alawiten

Der IS bekannte sich über seine Nachrichtenagentur Amak zu der Anschlagserie. Es seien gezielt Versammlungen von Alawiten attackiert worden, hiess es in einer Erklärung. Die Alawiten sind eine Abspaltung der Schiiten. Der IS ist sunnitisch.

Die Miliz war in den Küstenstädten bislang nicht offen in Aktion getreten, verfügt dort aber offenbar über viele sogenannte Schläferzellen, die für Angriffe aktiviert werden können.

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