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Einschätzungen von Islam-Experte Michael Lüders
Aus Tagesschau vom 30.06.2014.
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International Isis-Kämpfer rufen «Kalifat» aus

In Tikrit kämpfen die irakische Armee und die Isis-Extremisten weiterhin um die Vorherrschaft. Per Audiobotschaft ernannten die Islamisten ihren Chef al-Bagdadi zum «Anführer aller Muslime».

Der Isis hat in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft ein «Kalifat» ausgerufen. Diese Regierungsform ist seit fast 100 Jahren verschwunden. Zudem ernannte die Isis ihren Chef Abu Bakr al-Bagdadi zum «Kalifen» und damit zum «Anführer aller Muslime». Zudem hiess es, alle Muslime müssten dem neuen Kalifen Gefolgschaft schwören.

Gelehrter: Bagdadi «vom Glauben abgefallen»

Islamische Gelehrte aus aller Welt lehnen jedoch das ausgerufene Kalifat ab. In ihren Botschaften verkünden sie, kein Muslim sei verpflichtet, dem selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi seine Loyalität auszusprechen.

Die über Teile des Iraks und Syriens herrschenden Isis-Terroristen werden von vielen Gelehrten als unislamisch bezeichnet, weil sie den Tod von anderen Muslimen in Kauf nehmen. So nannte der marokkanische Gelehrte Umar al-Hadduschi laut arabischen Medien den Isis-Kommandanten Baghdadi einen «vom Glauben abgefallen».

Offensive gegen Isis

Derweil kämpfen irakische Truppen weiter um die Kontrolle der Stadt Tikrit im Norden des Landes. Das Militär teilte mit, dass die Universität von Tikrit unter Kontrolle sei. Mehr als 70 «Terroristen» der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) seien getötet worden.

Die Soldaten seien am Sonntagabend sehr nahe an das Gebäude des Provinzrates und andere Regierungseinrichtungen herangerückt, sagte ein Offizier der Nachrichtenagentur dpa.

Die Offensive werde fortgesetzt, um die Isis-Kämpfer zur Aufgabe zu zwingen. Die Angaben liessen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

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Legende: Tikrit ist seit fast drei Wochen in den Händen des Isis, der grosse Gebiete im Irak und in Syrien kontrolliert. SRF

Wie weit die Regierungssoldaten Teile der Stadt zurückerobern konnten, ist nicht ganz klar. Einwohner berichteten, die militanten Isis-Dschihadisten würden sich weiterhin in weiten Teilen der Stadt befinden. Irakische Regierungssprecher erklärten dagegen, das Militär habe Aussenquartiere von Tikrit erreicht. Es würden gepanzerte Fahrzeuge und Kampfhelikopter gegen die Isis-Kämpfer eingesetzt.

Warnung vor «Dschihad-Touristen»

US-Präsident Barack Obama warnte unterdessen vor «Dschihad-Touristen». Europäer, die zum Kämpfen in die Region reisten, könnten auch eine Gefahr für die Sicherheit Amerikas darstellen. Obama sagte gegenüber dem Fernsehsender ABC, dass die Dschihadisten nun im Irak und in Syrien Kampferfahrung sammeln. «Dann kommen sie zurück. Sie haben europäische Pässe und brauchen kein Visum, um in die USA einzureisen.»

Daher sei es wichtig, dass die USA ihre Geheimdienstaktivitäten in der Region ausbauen würden. Obama versicherte auch, dass Spezialeinheiten eine wichtige Rolle spielen werden. «Es wird Schläge gegen Organisationen geben, die uns gefährden könnten.»

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Heftiger Widerstand gegen das Isis-Kalifat
Aus Tagesschau vom 30.06.2014.
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Suchoi-Kampfjets eingetroffen

Die irakischen Streitkräfte haben derweil eine erste Lieferung von fünf gebrauchten russischen Kampfflugzeugen erhalten. Die Jets des Typs Suchoi Su-25 sollen die irakischen Truppen im Kampf gegen die extremistischen Isis-Milizen unterstützen.

Regierungschef Nuri al-Maliki hatte in der vergangenen Woche der BBC gesagt, der Irak habe sich mit Russland und Weissrussland über den Kauf der Kampfflugzeuge geeinigt. Das Geschäft soll laut dem Sender einen Umfang von rund 500 Millionen US-Dollar haben.

Wer ist Bagdadi?

Der Chef der Isis, Abu Bakr al-Bagdadi, ist einer der meistgesuchten Terroristen. Über seine Person ist wenig bekannt. Er gilt als mächtiger, als der Chef der Al-Kaida. Lesen Sie hier mehr.

Was ist ein Kalifat?

Ein Kalifat ist ein auf islamischen Gesetzen basierendes Staatswesen, in dem die weltliche und religiöse Führung in einer Hand liegen. Das Wort Kalif bedeutet im Arabischen soviel wie «Nachfolger» – und zwar des Propheten Mohammed.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe , Gwatt
    Ich bin überzeugt, dass die Aufteilung in Regionen (später eigenständige Länder) von verschiedenen Religionen und Kulturen (Stämmen) die einzige Lösung für Frieden in den heute viel zu grossen +unübersichtlichen Ländern. Es ist eben nicht so, wie viele Menschen glauben, dass Multikulti etwas brauchbares ist. Das geht nur vorübergehend, dann erheben sich automatisch Besitzes- und Rechtsansprüche der einzelnen "Kultis". Das war immer so, und wir immer so sein. Warum wollen die einen nicht lernen.
    1. Antwort von margrit hurni , BERN
      nein, so ist es nicht. Im Gegenteil; aber Gott wird die Erde den Gerechten in die Hand geben. Er wird die Völker austauschen und das ist was nun geschehen wird. Dass du dies mir nicht glaubst, liegt nicht in meiner Verantwortung
    2. Antwort von elize naude , zürich
      @margrit hurni Gott wird schon selber entscheiden und nicht der mensch...
  • Kommentar von Pankraz Mai , SG
    Abu Bakr al-Bagdadi «Kalif» und damit «Anführer aller Muslime» - Islam "Quo vadis?"
    1. Antwort von Pankraz Mai , SG
      Nachlieferung: "Islamische Gelehrte aus aller Welt lehnen das sogenannte «Isis-Kalifat» in Irak und Syrien ab. Sie kritisieren zudem das Verhalten der Isis-Terroristen als unislamisch, denn diese würden den Tod anderer Muslime in Kauf nehmen." - Den letzten Satz mit der Begründung muss man besonders zur Kenntnis nehmen!
  • Kommentar von R.Anderegg , Zürich
    Unsinn, SRF berichtete schon gestern über die Rückeroberung dieser Stadt, heute tönt es wieder anders.
    1. Antwort von Von Bergenfels , Sissach(BL)
      @.Anderegg SRF berichtete zwar im Titel das Tikrit zurück erobert wurde,unten im Text war aber zu lesen das es sich nur um Vororte hielt.Fand ich auch seltsam.