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International Israel attackiert UNO-Schule im Gazastreifen

Beim Beschuss einer Schule im Gazastreifen sterben 16 Menschen, Hunderte werden verletzt. Ein Ende des blutigen Krieges sehen weder der israelische Präsident Benjamin Netanjahu noch die Hamas.

Legende: Video Schule in Gaza bombardiert abspielen. Laufzeit 1:17 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.07.2014.

Eine Woche nach Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen werden die Kämpfe immer verlustreicher – mit immer mehr zivilen Opfern.

Am Donnerstag wurden mindestens 51 Palästinenser getötet, unter ihnen viele Zivilisten, wie die örtlichen Rettungsdienste mitteilten.

Bei einem israelischen Granatenangriff auf eine Schule in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen starben am Donnerstag nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Menschen. Ausserdem seien mehr als 200 Menschen verletzt worden. In der Schule hatten etwa 1200 Flüchtlinge Schutz gesucht.

Israel spricht von Vorwarnung – UNO dementiert

Bei dem Angriff seien auch UNO-Mitarbeiter getötet worden, wie UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon am Donnerstag in einer in New York veröffentlichten Erklärung bekanntgab. «Es gab viele Tote, darunter Frauen und Kinder und UNO-Mitarbeiter», hiess es. Ban verurteilte den Angriff auf das Gebäude im Norden des Gazastreifens scharf. Es habe sich um eine Schule des UNO-Hilfswerks für Palästinenser (UNRWA) gehandelt.

Die israelische Armee teilte mit, die Betreiber der Schule seien vor dem Angriff aufgefordert worden, das Gebäude zu räumen. Die radikal-islamische Hamas habe die Zivilisten aber daran gehindert, die Schule zu verlassen. UNRWA-Sprecher Chris Gunness teilte hingegen mit, seine Organisation habe vergeblich versucht, mit der
israelischen Armee eine Räumung der Schule zu koordinieren.

UNO kritisiert Waffenverstecke in Schulen

Der UNO-Generalsekretär hatte erst am Mittwoch empört auf den Fund von Raketen in Schulen der Vereinten Nationen im Gazastreifen reagiert. Dadurch würden die Gebäude zu Angriffszielen gemacht und die dort aufgenommenen Flüchtlinge gefährdet, hiess es in einer Erklärung der UNO in New York.

Ein Mann hält ein verletztes Mädchen.
Legende: Laut Angaben der Ärzte ist auch dieses Mädchen bei dem Angriff auf die Schule verletzt worden. Reuters

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu liess keine Bereitschaft zu einer Einstellung der Kampfhandlungen erkennen. «Wir treiben unsere Operationen in Gaza mit voller Kraft voran, in der Luft und am Boden», sagte er vor einer Kabinettssitzung.

Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas seit langem vor, immer wieder aus dicht bewohnten Vierteln die Armee anzugreifen und so den Tod von Zivilisten in Kauf zu nehmen.

Nach Informationen des UNO-Amts für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) hat die israelische Armee einen drei Kilometer breiten Streifen in dem ohnehin schmalen Küstengebiet mit seinen etwa 1,8 Millionen Einwohnern zum Kampfgebiet erklärt, das von Zivilisten nicht betreten werden dürfe.

Wieder Flüge nach Tel Aviv - ohne Swiss

Obwohl Palästinenser weiterhin Raketen Richtung Grossraum Tel Aviv schossen, hob die US-Luftfahrtbehörde FAA das Flugverbot nach Israel wieder auf. Wie die FAA bekanntgab, darf der Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv seit Donnerstag wieder von US-Airlines angeflogen werden. Auch der britische Billigflieger Easyjet kündigte die Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach Israel ab Freitag an – unter anderem von Genf aus.

Die Lufthansa und damit ihre Tochtergesellschaft Swiss werden alledings auch am Freitag nicht nach Israel fliegen. Sämtliche Flüge von Swiss, Lufthansa, Germanwings, Austrian Airlines und Brussels Airlines nach Tel Aviv würden annulliert, teilte die Lufthansa am Donnerstagabend mit. Insgesamt seien 16 Flüge aus Zürich, Frankfurt, München, Köln, Wien und Brüssel betroffen – allein aus Zürich zwei Hin- und Rückflüge. Die Sicherheit der Kunden habe höchste Priorität, heisst es in der Mitteilung.

Fast zeitgleich wurden über dem Grossraum Tel Aviv wieder fünf aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen abgefangen. Die Hamas teilte mit, sie ziele weiter auf den Flughafen bei Tel Aviv.

Bemühungen um Feuerpause

Israelische Medien berichteten von Bemühungen um eine fünftägige humanitäre Feuerpause zwischen Israel und der Hamas. US-Aussenminister John Kerry reiste nach Vermittlungsgesprächen in Israel und den Palästinensergebieten wieder nach Kairo. Hamas-Exilchef Chaled Maschaal hatte am Mittwochabend die Zustimmung seiner Organisation zu einer Vereinbarung mit Israel erneut von einem Ende der Blockade des Gazastreifens abhängig gemacht.

Israel im Visier der UNO

Der UNO-Menschenrechtsrat fordert eine Untersuchung der israelischen Offensive im Gazastreifen. Er vermutet mögliche Kriegsverbrechen. mehr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Gerri Müller, Zürich
    @Baumann: Das macht die Hamas gut oder? Ansonsten hätte es heute kein Gaza mehr gegeben. Irgendjemand irgendwie muss sich in Gaza ja auch verteidigen können, oder bestreiten Sie dies etwa? Wenn Deutschland, die USA und England Millionen Euros in (nur!) die israelische Waffenindustrie stecken, sollte es ja auch möglich sein, dass andere Staaten die Palästinenser unterstützen?! (Zur Info: SRF zensuriert regelmässig sachliche Aussagen - fürchtet Sie sich etwa vor der Wahrheit?)
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    1. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      Sie zeigen Ihr wahres Gesicht! Erschreckend...Die Palästinenser werden schon lange mit hohen Summen unterstützt - auch von der Schweiz. Aber die Gelder wären für das Wohlergehen der Bevölkerung bestimmt und nicht für Raketen- und Waffenkäufe und Annehmlichkeiten für die Führenden der Hamas, auch nicht als Belohnung für Gefängnisinsassen - nach dem Motto: je schlimmer die Tat, umso grösser der Lohn.
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    2. Antwort von Mark Steffen, Wetzikon
      Hei Gayri Müller, würde die Hamas aufhören bzw. Hätte nie damit angefangen Israel zu terrorisieren, würde es Gaza heute sicher viel besser gehen. Sie zerstörten ja z.b. ca 3000 Gewächshäuser der Israelis in Gaza. Und wenn die Hamas nicht ca 100 mio allein in Tunnels investiert hätte? Allein in den vergangenen 20 Jahren flossen mehr als 10 mia. Nach Hamastan. Und denen geht es gut. Die sollen nicht jammern. Selbst schuld. Hamas wurde gewählt. Aktion, Reaktion, so einfach ist das.
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  • Kommentar von Daniel Baumann, Ottikon
    In Gaza wurde das Tunnelsystem der Hamas entdeckt durch welches 2006 der Soldat Gilad Schalit entführt wurde. Es umfasst mindestens 28 Tunnels und 90 Eingänge welche von Israel bis an die Ägyptische Grenze reichen. Diese sind mit Autos befahrbar. Perfekt um Raketen über die Sinai-Halbinsel nach Gaza zu schmuggeln. Finanziert mittels EU-Gelder welche für Palästina gesprochen wurde und irgendwo versickern. Wacht auf und informiert euch! Aber nicht nur über die einseitigen Tagesmedien!
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    1. Antwort von Urs Gehrig, F - Montpellier
      @Baumann : Wo genau soll man sich denn informieren ? Bei Ihnen ? Der Sie doch nichts als allgemeine Behauptungen anführen, die natürlich keineswegs einseitig sind.
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  • Kommentar von Gerri Müller, Zürich
    Die Hamas ist sicher nicht feige und benutzt unschuldige Menschen einfach so als Schutzschilder. Sie kämpfen ja und verstecken sich nicht. Eine billigere Ausrede hätte ich nicht finden können. Selbst wenn dies so wäre, rechtfertigt das auch dann noch keineswegs, die Tötung zahlreiche Kinder und Schutzsuchenden. Dieser Vorwand wird ohnehin benutzt um den zionistischen Plan durchzusetzen (Landgewinn). Warum dürfen die Palästinensischen Vertriebenen nicht mehr zurück aus anderen Staaten?
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Es mag sein, dass ein Teil der Hamas-Kämpfer im Land selber, die einen islamistischen Terror ausüben, nicht so feige ist, wie viele sie sehen, aber es kann nicht bestritten werden, dass der Hamas-Führer im katarischen Exil einer ist. Es ist immer leicht, von einem sicheren Exil aus zu einem Kampf aufzurufen und sich selber versteckt zu halten. Es erstaunt mich, dass dies bisher noch nirgendwo ein Thema gewesen ist.
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    2. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Zuerst... jedes Menschenleben ist wertvoll!!!! Krieg ist Grauen pur! Aber halt fact. Die Palaestinenser haben einen Staat..Jordanien zB.. dass Israel in Kriegen Land erobert hat und nicht zurueck gibt ist logisch. Taeten die Palaestinenser sich mal integrieren waere der nahe Osten schon laengst die reichste Region naechst Europa... aber wollen muesste man ! Die Israelis wollen sicher keinen Krieg... aber.. es kann halt nicht in Frieden leben wenns dem boesen Nachbarn nicht gefaellt
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    3. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      Die Hamas ist weit mehr als nur feige! Oder wie nennen Sie es, wenn sich die Kämpfer in Krankenwagen, die wohl für anderes gebraucht würden, rumkutschieren lassen? Sich um eine positive Zukunft des eigenen Volkes zu kümmern, liegt nicht wirklich in ihrem Interesse und die Toten werden für den Medienkrieg missbraucht. Eine schöne Regierungsgruppe! Landgewinn? Den Gazastreifen will Israel nun wirklich nicht haben!! Warum sollten sie auch?
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